Peinlicher Fehler im Zürcher Abstimmungskampf

Die EDU vergisst ihre «Schutz der Ehe»-Initiative im Netz ausreichend zu schützen. Die Gegner nutzen dies prompt aus.

Zum Verwechseln ähnlich: Die Kampagnenseite der EDU (Schieber nach rechts) und diejenige des Nein-Komitees (Schieber nach links). (Fotos: Screenshots)


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«Das ist krass frech. Die haben unsere Website kopiert und einfach mit ihren Argumenten versehen», sagt Daniel Suter, Geschäftsführer der EDU Kanton Zürich. Für ihn sei das eine Form moderner Piraterie.

Der Grund für seine Empörung ist das Komitee «Gemeinsam weiter in Zürich / Nein zur EDU-Initiative». Dieses bekämpft die EDU-Initiative «Schutz der Ehe», über die im Kanton Zürich am 27. November abgestimmt wird. Für sie hantiert die EDU mit vorgeschobenen, diskriminierenden und falschen Argumenten. Deshalb hat das Nein-Komitee kurzerhand die Website der EDU kopiert, den Inhalt umgeschrieben und auf ihrer Homepage neu veröffentlicht.

Der Bindestrich als Unterschied

Der Clou der Aktion: Beide Websites sind mit fast identischer Adresse erreichbar: www.schutz-der-ehe.ch bei der EDU, www.schutzderehe.ch beim Komitee. Der einzige Unterschied ist der Bindestrich. Und natürlich der Inhalt. Bei der EDU heisst es: «Die Ehe jetzt schützen», beim Nein-Komitee: «Die Ehe jetzt stärken».

Das Komitee hat Name, Aussehen und Aufbau fast 1:1 übernommen. Nicht nur die Texte wurden angepasst, auch das neue Bildmaterial – das Hochzeitsfoto eines prominenten Ehepaares – zeige, wie die Ehe tatsächlich gestärkt werden könne, nämlich gemeinsam, heisst es in einer Mitteilung.

Patrick Hadi Huber, Sprecher des Komitees «Gemeinsam weiter Zürich», sagt auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Nachdem wir festgestellt haben, dass die EDU die Internetadresse nicht genügend geschützt hat, war es für uns leicht, die entsprechenden inhaltlichen Korrekturen auf unserer Seite vorzunehmen.» Es sei quasi wie eine Einladung gewesen. Huber betont allerdings, dass ihre Internet-Aktion kein Gag sei. «Wir wollen das Abstimmungsthema nicht ins Lächerliche ziehen.»

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. EDU-Geschäftsführer Suter kennt das Sprichwort. «Es ist mein Fehler. Bei der Registrierung der Internetadresse habe ich nicht alle Namensvarianten miteinbezogen.» Das darf einer Partei bei der Planung eines Abstimmungskampfes eigentlich nicht passieren. «Deshalb ärgere ich mich auch», sagt Suter. Drei kantonale Initiativen hat die EDU bis jetzt lanciert, bei der aktuellen zum ersten Mal mit einer eigenen Website.

Listiger Angriff

Ob und wie er auf den listigen Angriff der politischen Konkurrenz reagiert, lässt Suter noch offen. Er müsse den Vorfall zuerst parteiintern besprechen. «Zurzeit sehe ich wenig Reaktionsmöglichkeiten. Zudem läuft unsere Plakatkampagne unter Ja-zur-ehe.ch.» Wer sich für den Inhalt der Abstimmungvorlage wirklich interessiere, lasse sich von dieser Verwirrungsaktion im Internet nicht irritieren, ist er überzeugt. Aus seiner Sicht hält sich der Schaden deshalb in Grenzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2016, 11:30 Uhr

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