Profitiert Ihre Gemeinde von der Juso-Initiative?

Neue Zahlen zeigen, wie sich die beiden Zürcher Steuervorlagen auf Ihren Wohnort auswirken. Die Unterschiede sind frappant.

Zumikon würde von der Juso-Initiative profitieren: Blick auf den sommerlichen Dorfplatz.

Zumikon würde von der Juso-Initiative profitieren: Blick auf den sommerlichen Dorfplatz. Bild: Sophie Stieger

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Sie versprechen mit ihrer Entlastungsinitiative mehr Steuergerechtigkeit: die Jungsozialisten. Neun von zehn Personen im Kanton Zürich sollen künftig weniger Steuern zahlen, die reichsten zehn Prozent dafür aber deutlich mehr.

Die Vorlage, über die am 9. Februar abgestimmt wird, hat allerdings einen Haken. Sie würde dazu führen, dass in Gemeinden, in denen überdurchschnittlich viele Gutverdienende wohnen, die Einnahmen aus den Einkommenssteuern explodieren – während ärmere Gemeinden mit deutlichen Mindereinnahmen konfrontiert wären. Heute hat die Finanzdirektion eine Liste auf der Basis der Steuereinnahmen von 2014 veröffentlicht, welche die Auswirkungen in Zahlen zeigt.

Sehen Sie hier, wie sich die Entlastungsinitiative auf Ihre Gemeinde auswirken würde:

Die Verschiebungen wären massiv. Profitieren würden vor allem die Goldküstengemeinden. So könnte Erlenbach bei den Einkommenssteuern mit einem Plus von 22,7 Prozent rechnen, Zumikon mit 22,5 und Küsnacht mit 22,2 Prozent mehr.

Dem stünden zahlreiche Gemeinden mit Mindereinnahmen gegenüber. Bei mehr als einem Dutzend würde das Minus mehr als 5 Prozent betragen. Am meisten betroffen wäre Fischenthal mit 9,2 Prozent weniger Erträgen aus Einkommenssteuern, gefolgt von Oberglatt, Turbenthal und Truttikon mit je minus 8,3 Prozent. Die vier Gemeinden gehören mit Steuerfüssen von 122 bis 124 Prozent schon heute zu den teuersten, während sich Erlenbach, Küsnacht und Zumikon mit Steuerfüssen von 79, 77 und 85 Prozent unter die günstigsten einreihen.

Der Finanzausgleich soll es richten

Luca Dahinden, Co-Präsident der Juso, stellt diese Verschiebungen nicht in Abrede. Ein Problem sind sie aus Sicht der Juso nicht. Schon heute seien die Steuereinnahmen der Gemeinden sehr ungleich verteilt, so Dahinden: «Genau dafür haben wir den Finanzausgleich: Um diese Ungleichheit abzufedern und die Steuergelder unter den Gemeinden besser zu verteilen.» Das werde auch künftig der Fall sein.

Laut André Hartmann (SVP), Finanzvorsteher von Zumikon, stimmt das nur teilweise. Denn die Gemeinden müssten nicht die gesamten Mehreinnahmen abliefern, die sie infolge der Juso-Initiative erwirtschaften würden: «Je nach Entwicklung könnten wir sogar den Steuerfuss senken.» Allerdings sei kaum absehbar, was passiert, wenn Gutverdienende plötzlich deutlich mehr Steuern zahlen müssen als bisher. Das sieht auch der Regierungsrat so. Er lehnt die Initiative ab. Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) nannte sie heute vor den Medien «eine Hochrisiko-Vorlage».

Mittelstandsinitiative: Massiv weniger Einnahmen

Deutliche Mindereinnahmen drohen den Gemeinden aber auch mit der sogenannten Mittelstandsinitiative der Freisinnigen. Auch sie wollen das Steuersystem umbauen. Auch diese Initiative lehnt die Regierung ab, wie Stocker sagte: «Die Steuerausfälle von 750 Millionen Franken sind nicht verkraftbar.»

Die Jungfreisinnigen wollen sämtliche Steuerpflichtige entlasten – am meisten profitieren würden allerdings die Bestverdienenden. Die Folge: Sämtliche Gemeinden müssten mit deutlich weniger Steuereinnahmen aus den Einkommenssteuern rechnen. Die Finanzdirektion rechnet mit einem Minus zwischen 6,8 Prozent (Kilchberg) und 12,9 Prozent (Bauma):

Erstellt: 07.01.2020, 16:17 Uhr

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