Rahel Blocher will nicht «nur die Tochter des Chefs» sein

Die «Basler Zeitung» gehört jetzt Rahel Blocher, dem jüngsten Kind des SVP-Chefstrategen. Wer ist diese Frau? Von Iwan Städler

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Rahel Blocher ist das unbekannteste von Christoph Blochers vier Kindern. Und es liegt ihr offenbar wenig daran, dies zu ändern. Eine Gesprächsanfrage lässt sie unbeantwortet, obwohl sie als neue Besitzerin der «Basler Zeitung» jetzt im Zentrum des Interesses steht.

Der bisherige Verleger Moritz Suter hat ihr am Montag alle Aktien der BaZ Holding übertragen. Dies, nachdem er seine Unabhängigkeit infrage gestellt sah (TA von gestern). Suter hätte es von Anfang an besser wissen können. Denn der wirkliche Herr im Haus war er nie. Dieser wohnt am Zürichsee und ist offiziell eine Frau: Rahel Blocher. Sie hat sich ausbedungen, die BaZ-Aktien mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten zurückkaufen zu dürfen.

Suter war also nur ein Strohmann. Und Rahel Blocher? Ist sie die Strohfrau ihres Vaters? Was hat sie mit der BaZ vor? Und wie tickt sie? Die 35-Jährige schweigt – genauso wie viele, die in der Vergangenheit mit ihr zu tun hatten.

Noch als Studentin eingetragen

Im Telefonbuch ist Rahel Blocher immer noch als Studentin eingetragen, obwohl sie dies seit neun Jahren nicht mehr ist. Nach ihrem Abschluss an der Universität St. Gallen (lic. oec. HSG) startete sie Ende 2002 beim Chemieunternehmen Clariant als interne Revisorin. Danach wechselte Rahel Blocher zum Elektronikhersteller Elma in Wetzikon, wo sie zur Finanzchefin aufstieg. Und vor zwei Jahren begann sie als Geschäftsführerin bei der Beratungsfirma Robinvest ihres Vaters.

Als ersten Job wäre dieses Engagement für Rahel Blocher nicht infrage gekommen: «Ich wollte nie im Unternehmen des Vaters starten. Dort wäre ich doch nur die Tochter des Chefs. Für eine erste Stelle wäre das sicher eine schlechte Voraussetzung», sagte sie 2003 der Zeitschrift «Bilanz».

Nun ist sie nebst ihrem Vater, der als Präsident firmiert, die einzige Verwaltungsrätin von Robinvest. Christoph Blocher benannte die Firma nach dem Rosenhorn im Berner Oberland (Ro) und seinem Familiennamen (B). Denn das Rosenhorn hat es ihm angetan: Es steht in seiner Heimatgemeinde Schattenhalb, und er kann es bei schönem Wetter von seiner Villa in Herrliberg aus sehen.

Schwärmen für George Clooney

Bereits Rahel Blochers erster Einsatz führte sie in die Medienbranche: Robinvest übernahm 2009 die Mehrheit an der kleinen TV-Produktionsfirma Lobster Studios in Schlieren. Diese habe «bei guter Führung wirtschaftliches Potenzial», erklärte Christoph Blocher «Cash online». Doch den Blochers war kein Erfolg beschieden. Kein Jahr später verkauften sie Lobster ans Management und verloren viel Geld.

Erfolgreicher geschäftet die Ems-Chemie, die von Blochers ältester Tochter Magdalena Martullo geführt wird und an der auch Rahel beteiligt ist. Bruder Markus (CEO der Firma Dottikon) und Schwester Miriam (Inhaberin des Basler Läckerli-Huus) wurden durch Magdalena und Rahel abgefunden.

Die jüngste Blocher-Tochter sei weniger schnell im Denken als ihr Vater, markiere aber wie dieser sofort den Chef, sagt einer, der mit ihr zusammengearbeitet hat. Das kontrastiere mit ihrem Mädchencharme und ihrer Begeisterung für George Clooney. Oft sei Rahel Blocher auch überfordert gewesen. Zuweilen habe sie Anordnungen eine halbe Stunde später wieder revidiert – wahrscheinlich auf Druck ihres Vaters. Und an Sitzungen, an welchen dieser ebenfalls teilgenommen habe, habe sie geschwiegen.

Nun folgt für Jungunternehmerin Rahel Blocher die grosse Herausforderung mit der «Basler Zeitung» und den dazugehörenden defizitären Druckereien. Jetzt könnte sie öffentlich zeigen, was sie kann – sofern ihr Vater sie lässt.

Rahel Blocher.

Erstellt: 14.12.2011, 06:21 Uhr

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