Satirische Alltagsgeschichten im intimen Kreis

In Dübendorf gab Satiriker Hans Suter eine Kostprobe seines neuen Buchs. Besucherströme blieben aus, das Schmunzeln ob Suters Geschichten nicht.

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Dübendorf - Sie handeln vom Ehepaar, das seine Brillen sucht. Von horrenden Ansprüchen der Zürcher Wohnungsvermieter. Oder von Hugo, dem Stehpinkler. Sie spielen in der Migros, auf dem Uetliberg oder im Zug. Hans Suter erzählt in seinem Buch «Satiren - fidel und artgerecht» Geschichten, die aus dem Leben stammen und die so manch einer schon am eigenen Leibe erfahren hat. Vielleicht der Grund, weshalb sie ankommen.

Suters Geschichten suchen nicht krampfhaft die Pointe, der Witz ergibt sich auf natürliche Weise. Es ist Alltagskomik. So nimmt Suter beispielsweise die Verkäuferinnen im Supermarkt auf die Schippe, die jeden Kunden mit säuselnder Stimme fragen: «Haben Sie die Cumulus-Karte? Sammeln Sie Märkli?» Und wer zu der Spezies gehört, die weder Cumulus-Karte besitzt noch Märkli sammelt, erntet einen schrägen Blick von unten. Der wendet sich dann aber sogleich dem nachfolgenden Kunden zu in der Hoffnung, dieser sei Besitzer des «Legitimationsausweises», wie Suter die Cumulus-Karte betitelt.

Der 69-jährige Satiriker und Schauspieler scheut sich nicht davor, mit dem Finger auf die Gesellschaft zu zeigen und ihre Idiotien zur Komik zu machen. Suter amüsiert sich über die Parkplatzsuchenden in der Stadt («. . . und das für eine Antifaltencrème oder Luxemburgerli»), Emissions-Zertifikate für Entwicklungsländer («die dann durch den Kapitalzuschuss wachsen und dadurch selber zum Luftverschmutzer werden») oder die Angst vor der Überfremdung durch unsere deutschen Nachbarn («in der Kantine heisst es nicht mehr Poulet mit Pommes, sondern Hähnchen mit Fritten»).

Lesung als Kabarett

Suter veranstaltet kein Kabarett. Er liest ruhig und konzentriert. Neben der Imitation des Schweizers, der sich sein Poulet und seine Pommes auf die Karte zurückwünscht, und den Verkäuferinnen mit den Routinesätzen wechselt Suter die Sprache nur bei «Leben of Zürich»: Er mimt den Stereotypen des «Handyomaten», der in der Sihltalbahn seinem Kollegen am Handy «voll krasse» Dinge erzählt.

Das kleine Publikum, bestehend aus gerade mal fünf Zuhörern, goutiert mit Kichern. Grosses Gelächter bleibt an dieser Lesung aus. Es scheint, als passe sich das Publikum Suters nüchternem Lesestil an. Gelegentlich sind geflüsterte Worte zu hören wie «Das kennen wir auch, gell?» oder «Das habe ich auch schon erlebt». Suters Lesung punktet demnach vielleicht nicht «fidel», aber «artgerecht» entsprechend ihres intimen Rahmens. Wilma Hahn

Erstellt: 18.01.2010, 02:04 Uhr

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