Sauberes Leitungswasser für Länder in Afrika

Roland Widmers erste Erfindung säubert innert Minuten verseuchtes Wasser. Nun hat der Rentner aus Oberglatt ein weiteres System entwickelt. Es reinigt das Hahnenwasser in Schulen und Spitälern.

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Von Andreas Frei

Oberglatt &endash Roland Widmer wartet in diesen Tagen gespannt auf Resultate aus Kenia. In einer Schule im ostafrikanischen Land ist ein Prototyp seiner neuen Wasserentkeimungsanlage bereits in Betrieb. Es ist ein Durchlaufsystem, direkt an die Wasserleitung der Schule angeschlossen. 200 Liter sollte es pro Stunde reinigen können. Sind die Resultate positiv, folgt ein weiterer Bewährungstest für Widmers System in der Kläranlage in Opfikon.

Der Prototyp enthält neben einem Schmutzfilter auch Roland Widmers selbst entwickelte UV-Licht-Röhre, mit der er bereits seit zwei Jahren erfolgreich Wasser entkeimt. Bisher aber nur im manuellen Betrieb, PET-Flasche um PET-Flasche. Die Installation besteht aus einigen Ikea-Plastik-Schneidebrettern und ein paar Aluminiumstangen. Obendrauf kommt die PET-Flasche und in die Flasche die UV-Licht-Röhre. Das Wasser in der Flasche wird mithilfe der UV-Strahlung in knapp sechs Minuten entkeimt. Die zerstörerische Strahlung dringt nicht durch die PET-Flasche nach aussen, trotzdem baut Widmer einen schwarzen Schutzschirm um die Installation: «Damit kann ich den Leuten die Angst vor der Strahlung nehmen.»

Der Erfolg gibt ihm recht

Widmers System ist in Afrika ein Erfolg. Dort untersucht er jeweils das Brunnenwasser der Dörfer und Häuser. Die meisten davonenthalten viele E-Coli und andere Bakterien. «Wenn man bedenkt, dass die Toiletten meistens nicht weit von den Brunnen entfernt erstellt werden, überrascht das nicht.» Nach der Behandlung in Widmers Geräten ist das Wasser aber komplett keimfrei.

Die Leute vor Ort seien vom System begeistert, sagt Widmer. Die Energie für den Prozess kommt aus einer umgebauten Autobatterie, die von Solarpanels geladen wird. Im sonnigen Afrika ist damit stets genug Strom für die Wasserreinigung vorhanden.

15 Liter werden so pro Stunde gereinigt. Die Geräte werden in Togo, Kenia und Madagaskar von Einheimischen zusammengesetzt und bedient. Widmer setzt dafür Techniker ein, die die Verantwortung für das Gerät übernehmen.Nach dem Motto «Hilfe zur Selbsthilfe» plant der Oberglatter, dass sich einige Togolesen damit ein eigenes Geschäft aufbauen. Widmer will die Geräte wenn möglich an Frauen abgeben. «Die Männer sind Paschas und nicht so zuverlässig», sagt der 71-Jährige. Die Materialien werden von Sponsoren aus der Schweiz und von Widmers Verein für sauberes Trinkwasser «Aqua Pura» bezahlt. Verdienen will Widmer aus Prinzip nichts mit seinen Geräten. «Mir geht es um die Hilfe &endash damit die Leute sauberes Wasser trinken können.»

Ziel sind 11 000 Menschen

Der 71-Jährige Widmer hat Chemie und Elektrotechnik studiert und sein Leben lang in der Forschung gearbeitet. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel. «Die sind aber nicht im Verein dabei, das ist mein Hobby.»

Mittlerweile profitieren bereits viele Togoer, Kenianer und Madegassen von Widmers Erfindung. «Momentan trinken 1500 Leute dank Aqua Pura sauberes Wasser», sagt er. Widmers Ziel ist, diese Zahl schon im nächsten Jahr auf 11 000 zu steigern. «Mit dem Durchlaufsystem können wir das schaffen.» Ein Wasseranschluss sei zwar für Private zu teuer. Aber in Schulen und Spitälern sei das System dafür umso gefragter.

Verein für sauberes Trinkwasser für Entwicklungsländer www.aqua-pura.org

Roland Widmer demonstriert sein Wasserreinigungssystem, betrieben mit Solarenergie. Foto: Madeleine Schodere

Erstellt: 15.11.2011, 06:26 Uhr

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