Schüler schlüpften in die Rolle der Lehrer

Das Schulhaus Mösli in Bassersdorf überliess für zwei Tage den Schülern den Unterricht. Klaudija (13) und Jelena (14) luden in die Balkan-Skola ein.

In den Schuhen der Lehrerin: Jelena Krzanovic und Klaudija Toplek zeigen David Lezaic und Mentor Zeqaj (v. l.) ihre Heimatorte.

In den Schuhen der Lehrerin: Jelena Krzanovic und Klaudija Toplek zeigen David Lezaic und Mentor Zeqaj (v. l.) ihre Heimatorte. Bild: Balz Murer

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Im Klassenzimmer B 24 versperren die heruntergelassenen Storen den Blick nach draussen. Vom Rasen dringt Kindergeschrei in den Raum. Während ihre Klassenkameraden im Freien dem Ball nachspringen, schreiben Klaudija und Jelena kroatische Sonderzeichen und kyrillische Buchstaben an die Wandtafel. Die beiden Schülerinnen der ersten Sek B machen heute Balkan-Skola – Balkan-Schule. An zwei Tagen führen die Kroatin und die Serbin ihre Mitschüler in Bräuche, Sprache und Geografie des Balkanraumes ein.

Das Projekt der Schule Mösli in Bassersdorf erlaubt den Jugendlichen für einmal, in die Rolle des Lehrers zu schlüpfen. Inspiriert von der Idee einer anderen Schule, sollen bei den diesjährigen Projekttagen auch die Schüler im Mösli selber etwas zum Unterricht beitragen, statt ihm nur beizuwohnen.

«Mach ich sicher nöd»

60 der rund 300 Schüler nutzen die Gelegenheit und bieten einen Tages- oder Halbtageskurs an. Die meisten wählen sportliche Betätigungen. Klaudija und Jelena gehören zu den wenigen, die sich an die klassische Unterrichtsform im Klassenzimmer heranwagen. «Wir sind Banknachbarinnen und haben uns gedacht, wir könnten etwas über unsere Heimatländer erzählen», sagt Klaudija zu ihrer Motivation.

Sechs Schüler sitzen der 13-Jährigen und ihrer 14-jährigen Co-Lehrerin gegenüber: darunter ein Kosovo-Albaner («Möchte mehr als nur serbische Schimpfwörter kennen»), eine Serbin («Mal schauen, was die da erzählen») und ein Schweizer («Der Tenniskurs war schon ausgebucht»). Der Einstieg verläuft nicht gerade nach ihrem Geschmack. Klaudija und Jelena fordern die Teilnehmer auf, zu einem kroatischen Lied einen gemeinsamen Tanz aufzuführen. «Mach ich sicher nöd», sagt eine Schülerin erst und tanzt dann doch angeführt von Lehrer Peter Hollenweger und im Schlepptau ihrer Mitschüler kichernd aus dem Klassenzimmer. «Diesmal haben die Schüler besser mitgemacht», sagt Peter Hollenweger, der die beiden Junglehrerinnen bei der Vorbereitung unterstützt und schon am ersten Projekttag begleitet hat. «Heute stehen sie viel sicherer und selbstverständlicher vor der Klasse. Gestern haben sie gemerkt, dass ein Tageskurs ganz schön lang sein kann.» Der Lernstoff sei etwas zu knapp berechnet gewesen, und sein Wunsch, den Balkankrieg zu thematisieren, hätten die beiden ausgeschlagen. «Ihnen geht das schlicht zu nahe.» Dafür springt die Mitschülerin Danijela ein. Die Serbin hatte sich anfangs noch gelangweilt. Nun tritt sie vor die Klasse und erzählt, wie sich der Krieg nach ihrem Verständnis zugetragen hat.

Zuhören ist angenehmer

Am Nachmittag werden ein paar wichtige Wörter gelernt, Zahlen gebüffelt und gerechnet. Nur zwei-, dreimal muss Peter Hollenweger um Ruhe bitten. Auch Schulleiter Thomas Wolfangel ist zufrieden. Nur in einem Fall griff die Lehrerschaft disziplinarisch ein. In den Klassen habe er grosse Unterschiede gesehen, sagt Wolfangel. Von top vorbereiteten Lektionen bis zu einer Schülerin, die Graffiti unterrichtete, selber aber kaum sprayen konnte. «Manche kamen in der Rolle als Lehrperson ziemlich auf die Welt – vor allem, was die didaktischen Anforderungen betrifft.»

Und wie würden Jelena und Klaudija wählen, wenn sie ab morgen die Rolle tauschen dürften? «Am schwierigsten ist es, wenn man nicht weiss, welcher Stoff als nächster folgt», sagt Klaudija, die sich durchaus einen weiteren Tag als Lehrerin vorstellen könnte. Und Jelena? «Ich bleibe lieber Schülerin», sagt sie und lächelt. «Dasitzen und zuhören ist halt doch etwas angenehmer.»

Erstellt: 21.06.2011, 23:44 Uhr

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