Schwarzfahrerin bekommt 2000 Franken

Obwohl eine Russin aus Wallisellen ohne gültiges Billett mit dem Tram fuhr, hat sie das Bezirksgericht Zürich freigesprochen.

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Von Attila Szenogrady

Wallisellen – Für die Staatsanwaltschaft war der Fall glasklar: Eine in Wallisellen wohnhafte Russin fuhr schwarz und gab sich als jemand anderes aus. Dennoch sprach sie das Bezirksgericht Zürich am Mittwoch frei. Was war geschehen?

Am 23. September 2010 bestieg eine hochschwangere Russin aus Wallisellen abends in Zürich ein Tram der Linie 4, ohne ein Billett zu lösen. Auf dieser Fahrt geriet die heute 30-Jährige in eine Kontrolle der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Da die sie bereits früher einmal Probleme mit den VBZ hatte, log sie die Kontrolleure an und gab ihnen den Namen einer russischen Bekannten aus Dietlikon an. Allerdings flog der Schwindel bald auf. So konnten die VBZ-Beamten die Kollegin der Schwarzfahrerin per Computer nicht ausfindig machen und schalteten die Polizei ein. Erst jetzt gab die Russin den Beamten ihre wahren Personalien bekannt.

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat verurteilte die Frau im vergangenen Mai per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 40 Franken sowie zu einer Busse von 300 Franken. Der Schuldspruch lautete nicht nur auf Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz, sondern auch auf falsche Anschuldigung. So habe die Russin kein gültiges Billett für die Strecke gelöst und in Kauf genommen, dass gegen eine andere Person ein Verfahren eingeleitet werde.

Beschuldigung abgestritten

Die Russin wollte die drohende Vorstrafe nicht hinnehmen, verpflichtete einen Rechtsanwalt und legte Einsprache gegen den Entscheid ein. Vor Gericht gab die Russin, die als Forscherin der Universität Zürich arbeitet, die Schwarzfahrt zu, wies aber den Vorwurf der falschen Anschuldigung zurück. So habe sie bloss den früheren russischen Namen ihrer Bekannten angegeben. Da diese inzwischen mit einem Schweizer verheiratet sei und dessen Namen angenommen habe, hätten die Kontrolleure die Frau nicht finden können.

Ihr Verteidiger verlangte einen Teilfreispruch und verwies darauf, dass der Strafrahmen für falsche Anschuldigung wie für vorsätzliche Tötung bis zu 20 Jahre Freiheitsentzug reiche. Jedenfalls habe seine Klientin nicht gewollt, dass gegen ihre Bekannte ein Strafverfahren eingeleitet werde. Wegen der Fahrt ohne Billett sei eine Busse von 80 Franken angemessen.Für die Russin kam alles noch besser. Denn die Einzelrichterin sprach sie vollumfänglich frei. Aus rechtlichen Gründen, führte sie aus. So habe sich die Russin aus Wallisellen zwar vertragswidrig verhalten, was aber strafrechtlich nicht relevant sei. Die Staatsanwaltschaft habe in ihren Vorwürfen keine Entwertungspflicht für die Angeschuldigte aufgeführt, womit lediglich eine zivilrechtliche Vertragsverletzung vorliege. Da keine Straftat erfolgt sei, falle auch die Grundlage für eine falsche Anschuldigung weg. Der Russin sprach das Gericht eine Prozessentschädigung von 2000 Franken zu.

Erstellt: 24.01.2012, 06:31 Uhr

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