Seegräben schränkt Erlebnisbauer Jucker ein

Die 1400-Seelen-Gemeinde setzt dem Eventtourismus mit einer verschärften ­Polizeiverordnung Grenzen.

Chaos während der Kürbissaison: Eine Kürbisskulptur auf dem Erlebnishof der Gebrüder Jucker in Seegräben. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Chaos während der Kürbissaison: Eine Kürbisskulptur auf dem Erlebnishof der Gebrüder Jucker in Seegräben. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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So erfolgreich die Gebrüder Jucker mit ihrem Erlebnisbauernhof in Seegräben sind, so umstritten sind im Dorf die Rezepte, wie man mit den negativen Auswirkungen umgehen soll. Nur knapp, mit 81 zu 70 Stimmen, hat die Seegräbner Gemeindeversammlung gestern Abend einer erweiterten Polizeiverordnung zugestimmt. Das Dorf am Pfäffikersee befand über die «Bewilligung von grossen Veranstaltungen». Wenn mehr als 200 Personen pro Tag oder mehr als 500 während ihrer ganzen Dauer eine Veranstaltung besuchen, ist diese nun bewilligungspflichtig. Der Gemeinderat verspricht sich davon, die Spitzen des Ausflugsverkehrs im Dorf etwas zu brechen. An vielen Wochenenden im Herbst herrscht nämlich Chaos. Auf dem Juckerhof ist dann Kürbissaison: Es gibt Kürbissuppe, Kürbisskulpturen, den weltbesten Kürbisschnitzer. Für die bis zu 8000 Besucher stehen in der geschützten Moorlandschaft gerade einmal 100 Parkplätze bereit.

Eskaliert war die Situation, als die Brüder Martin und Beat Jucker Anfang Jahr auch noch ein Strohfestival ausriefen. Der Rummel sei nun definitiv ins Unerträgliche gewachsen, kritisierten Anwohner. Sie unterstellten dem Gemeinderat, er lasse sich von Juckers auf der Nase herumtanzen.

Gemeindepräsident Marco Pezzatti wehrte sich an der gestrigen Versammlung gegen diesen Vorwurf. «Wir handeln nicht konzeptlos. Wir haben eine Strategie für den Ausflugsverkehr.» 151 Stimmberechtigte waren gekommen, statt der üblichen 50. Statt in der Kirche fand die Versammlung in der Turnhalle statt. Pezzatti wertet die neue Verordnung als «Baustein in einer Gesamtstrategie». Er will das Ja der Bevölkerung nicht als Votum gegen ein innovatives Unternehmen verstanden haben. «Doch die Bevölkerung will, dass wir mehr Einfluss nehmen.»

Am Nutzen zweifelt vor allem das Gewerbe. Die bestehende Polizeiverordnung genüge, hiess es. SVP und FDP stimmten grundsätzlich zu, bemängelten aber ebenfalls die zusätzliche Bürokratie. Der Gemeinderat versicherte, dass weder Hochzeiten bewilligungspflichtig seien, noch dass das Sauriermuseum eine Bewilligung brauche, wenn es mehr als 200 Besucher am Tag verzeichne.

Fernziel Seilbahn

Martin Jucker zeigte sich überrascht, dass bürgerliche Parteien ein «Werk der Bürokratie» unterstützen. «Wir sind nun gespannt auf die konkrete Umsetzung der Verordnung.» Er und sein Bruder Beat haben auf den Unmut der Anwohner bereits reagiert und das Kürbiswägen vom Pfäffiker- an den Obersee verlegt, nach Jona, wo sie einen weiteren Erlebnisbauernhof betreiben.

Geht es nach den Erlebnisbauern, soll der Shuttlebus, der an schönen Herbsttagen im Halbstundentakt vom Bahnhof Aathal hinauf nach Seegräben fährt, in nicht zu ferner Zukunft von einer Seilbahn ersetzt werden. Diese sei günstiger als der Bus und verbinde die gesamte Pfäffikerseeregion besser mit dem öffentlichen Verkehr.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2014, 23:21 Uhr

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