Sie zeigten Zürich die schönsten Magazine

Florian Schaffner und sein Kollektiv verkauften schwer erhältliche Magazine. Nun geben sie ihren Laden auf. Ein Best-of zum Abschied.

Ein Kreis schliesst sich: 2015 eröffnet, geht der Laden Print Matters! diesen Donnerstag zu.

Ein Kreis schliesst sich: 2015 eröffnet, geht der Laden Print Matters! diesen Donnerstag zu. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Print war bereits totgeschrieben, als wir 2015 im Zürcher Niederdorf den Magazinladen Print Matters! eröffneten. Wenn wir heute Print Matters! nach fast vier Jahren aufgeben, hat sich daran nichts geändert. Trotzdem: Print lebt.

Das Print-Matters!-Kollektiv ist angetreten, um eine Vertriebsstelle für diese unabhängigen Magazine zu schaffen und sie in Zürich bekannter zu machen. Wir haben über die letzten vier Jahre bestimmt mehr neue Titel in den Händen gehabt, als bestehende verschwunden sind. Ein paar davon werden wir auch nach unserer Print-Matters!-Zeit kaufen, lesen und verfolgen. Etwa diese:

Interiors für den Alltag mit «Apartamento»
Eines der ersten Magazine, die wir in unsere Sammlungen aufnahmen, war «Apartamento». Ein Jahrzehnt später gehört das alternative Interiormagazin aus Barcelona mit dem unverblümten Blick auf die exzentrischen Heime von Fotografen, Künstlern und Architekten noch immer zu unseren Lieblingstiteln. Mit dieser Vorliebe sind wir nicht die Einzigen. Sammler zahlen inzwischen mehrere Hundert Franken für frühere Ausgaben, und auch bei Print Matters! gehörte «Apartamento» von Anfang an zu den Bestsellern.

Mit einer eigenen Bildsprache und einer nicht endenden Serie an Hausbesuchen bei spannenden Persönlichkeiten behält die scheinbar simple Idee auch nach über zwanzig Ausgaben ihren Charme. Und die Idee weitet sich aus: «Apartamento» hat inzwischen drei Kochbücher publiziert; Nacho Alegre, der spanische Fotograf und Mitbegründer des Magazins, führt seit 2016 ein Restaurant in Barcelona.

Fashion Underground mit «032c»
Design, Architektur und Mode war ein konstanter Fokus im Print-Matters!-Sortiment. Einer der stilprägenden Titel, auf den wir auch in Zukunft ein Auge werfen werden, ist «032c».

Das Berliner Avantgardemagazin mit dem roten Coverrücken und einem Titel, der dem Pantone-Farbcode seine Reverenz erweist, ist eines der Beispiele, die über die Jahre ein Ökosystem mit Ausstrahlung um sich herum aufgebaut haben und so das Magazin am Leben erhalten. Dazu gehören Autoren wie der Schweizer Kurator Hans-Ulrich Obrist oder der deutsche Künstler Wolfgang Tillmans, Dossiers zur japanischen Modedesignerin Rei Kawakubo und eine eigene Modelinie. Wir sind uns nie ganz sicher, ob wir einen Kunstkatalog, eine Trendsetterbibel oder einfach nur das Tagebuch von Gründer Joerg Koch und Art Director Mike Meiré in den Händen halten. Aber es sind jedes Mal 300 Seiten voller Ideen und Denkanstösse. Andere Fashion-Publikationen wie die Insiderbibel «System Magazine» fokussieren stärker auf einzelne Personen, «Gentlewoman» und «Fantastic Man» treten temperierter, smarter und diskreter auf.

Dreigangmenü mit «Gourmand», «Luncheon» und «Put a Egg on It»
Es gibt eine Unmenge von Kochbüchern und Rezepteblogs, aber Essen ist weit mehr als nur Zutaten und Kalorienzufuhr – Esskultur sitzt immer mit am Tisch.

Der Londoner «Gourmand» und sein grossformatiger Bruder «Luncheon» sind jene beiden Titel, die uns über die letzten Jahre in Sachen Food und Kultur unterhielten. Darunter etwa Artikel zu Hotdogs und Hundekleidern, ein Interview mit dem italienischen Koch Massimo Bottura und Lunchdates mit dem spanischen Schuhdesinger Manolo Blahnik. Für skurrilere Tischgespräche und überraschende Tricks in der Küche behalten wir auch das New Yorker «Put a Egg on It» auf unserer Liste.

Lokale Grössen wie «Migrant Journal», «zweikommasieben», «Edition Nice» und «Reportagen»
Während wir alle bisher genannten Magazine nur aus der Ferne beobachten, gibt es auch lokale Magazinmacher, die wir auf dem Radar behalten: das «Migrant Journal» des Zürcher Designlabels Offshore Studio, das Luzerner Musikund Clubkulturmagazin «zweikommasieben», «Edition Nice» der Zürcher Fotografin Flurina Rothenberger, das jungliterarische «Das Narr» und das Berner «Reportagen».

Auch wenn wir gehen, werden diese Magazine bleiben.

Print Matters! Closing, Badenerstrasse 156, 8004 Zürich, 31. Januar 2019, ab 18 Uhr.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.01.2019, 17:18 Uhr

Artikel zum Thema

Kunst von morgen im Kleinformat

Das Team hinter der Plattform Up & Coming zeigt drei Tage lang die Werke von jungen Künstlern. Obwohl einst einer dem anderen die Idee «wegschnappte», arbeiten sie nun zusammen. Mehr...

Dieser Sack ist, wie der Zürcher sein möchte

Mode Innovativ, cool, diskret: Kaum eine Marke passt besser zur Stadt als das Taschenlabel Qwstion. Mehr...

«Wir haben zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gemacht»

Stadtblog Hinter den Marken Qwstion und Viu steht Designer Christian Paul Kägi. Zürich hat eine neuen Taschen-König. Zum Blog

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 100 Restaurants.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Burn, baby, burn: An der «Nit de la Cremà» im südspanischen Alicante brennen zu Ehren des Heiligen Johannes rund 180 riesige Holzfiguren. (24. Juni 2019)
(Bild: Manuel Lorenzo/EPA) Mehr...