Spielen ohne Grenzen

Dieses Wochenende treten die Laiendarsteller der Eglisauer Theater-Soap erstmals vor Publikum auf. Die Zuschauer dürfen sich auf alles gefasst machen.

Für ihre Eglisauer Frauen-Wohngemeinschaft sucht die reiche Greta nach geeigneten Mitbewohnerinnen.

Für ihre Eglisauer Frauen-Wohngemeinschaft sucht die reiche Greta nach geeigneten Mitbewohnerinnen. Bild: Nathalie Guinand

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In den USA warben Waschmittelhersteller während TV-Serien, um mit ihren Produkten bei Hausfrauen zu landen. Es entstand der Begriff der Seifenoper. Die Soap, die ab diesem Wochenende Eglisau unterhalten soll, spricht dagegen die ganze Gemeinde an. Die Gemeinschaft soll zuschauen, lachen, mitmachen, sich so richtig einseifen. Entgleiten erlaubt.

«Es gibt keine Fehler – das Lustprinzip bestimmt», sagt Regisseurin Jacqueline Moro vor der Hauptprobe im ehemaligen Volg-Laden in Eglisau. 104 Stühle stehen bereit für die erste Vorstellung. Auf der Bühne wedeln sich die Laiendarsteller mit Zetteln die Hitze aus dem Gesicht. Jacqueline Moro ruft die Truppe zum Aufwärmen zusammen. Sie wippt in die Knie, schüttelt die Arme und lockert mit Aaaahs! und Oooohs! die Stimme.

Seit April animiert die gelernte Tänzerin und Schauspielerin die Darsteller der Eglisauer Soap dazu, bis an ihre Grenzen oder darüber hinaus zu gehen. Achtmal haben die Hauptdarstellerinnen seither geprobt. Zweimal nur dazu, um die jeweiligen Figuren zu zeichnen.

Wettermann spielt sich selbst

Einige Nebendarsteller spielen ihre Rolle bei der Hauptprobe erst zum zweiten Mal. So etwa die 81-jährige Silvia Hagedorn, die Mutter des Theater-Soap-Produzenten Christoph Hagedorn. «Es hat mich interessiert, was die da machen», sagt sie. So habe sie sich im April um eine Nebenrolle beworben. Und mit ihrer Bereitschaft zur Spontaneität überzeugt. Geschauspielert hat sie noch nie. Doch auf der Bühne verrät ihr Mienenspiel ihre Lust, eine Seniorin zu spielen, die aus dem Altersheim ausgebüxt ist.

Im Stück stellt Silvia Hagedorn als Emma eine von sieben Bewerberinnen dar, die in die Frauen-Wohngemeinschaft der etwas vornehmen Greta Pomeisl einziehen wollen. Die Wienerin hat in Eglisau eine Villa erworben und sucht während der ersten Folge der Soap vier neue Mitbewohnerinnen. Dabei hilft ihr eine Jury, bestehend aus der Gemeindepräsidentin Ursula Fehr, ihrem Vorgänger Peter Keller und der Präsidentin der Eglisauer Rhi-Bühne, Silvia Zwinggi. Der unweit des Spielorts wohnende Wettermann Peter Wick verkörpert den vierten Juror. Er gibt Isabelle die Stimme. Die extravagante Dame spielt regelmässig Golf und hat im Nu das Herz des Golfplatz-Initianten Wick erobert. «Wie ein Tornado», schreit Wetterexperte Wick, als er zum Plädoyer für seine Isabelle ansetzt.

Die Anspielung auf das reelle Leben der Darsteller ist ganz im Sinne von Regisseurin Jacqueline Moro. «Wer will, darf sich selbst spielen.» Es sei denkbar, dass in einer weiteren Episode ein Briefträger oder ein Pfarrer zum Einsatz komme. «Es wäre toll, wenn dann der echte Briefträger oder der echte Pfarrer von Eglisau mitspielen würde.»

Eine Gruppe liefert Ideen

Denise Meyer spielt dagegen eine Berufsoffizierin, die so gar nicht zu ihrem richtigen Leben passt. «Ich wollte jemanden darstellen, der ich überhaupt nicht bin», sagt sie. Sie reize diese Art von Theater. Nebenbei lerne sie die Eglisauer kennen. Das Ziel des Projekts von Christoph Hagedorn und Jacqueline Moro war es denn auch, die Gräben zwischen den Eglisauern zu überbrücken. Weil dazu ein Theaterstück allein nicht reicht, entstand die Idee der Soap.

Wie es mit der Frauen-WG weitergeht, ist noch offen. Nach den beiden Aufführungen von diesem Wochenende wird eine Brainstorming-Gruppe Christoph Hagedorn und Jacqueline Moro mit Ideen beliefern. Noch während der Sommerferien werden die beiden die Fortsetzung schreiben. Am 1. und 2. Oktober soll sie an einem anderen Ort in Eglisau aufgeführt werden. Wie und mit wem, weiss auch Christoph Hagedorn noch nicht. Es ist Theater ohne Ende.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.07.2010, 19:50 Uhr

Die Aufführung

Eglisauer Soap. Heute, 20.30 Uhr. Wilerstrasse 32.
www.eglisauer-soap.ch

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