Starpianist in Zürich brüskiert

Der berühmte Klavierspieler Igor Levit besuchte ein teures Möbelgeschäft. Statt mit einem freundlichen Grüezi wurde er mit harschen Worten vom Verkaufspersonal empfangen.

Unerfreuliches Einkaufserlebnis in Zürich: Igor Levit, Solist des Silvesterkonzerts 2016 in der Zürcher Tonhalle.

Unerfreuliches Einkaufserlebnis in Zürich: Igor Levit, Solist des Silvesterkonzerts 2016 in der Zürcher Tonhalle. Bild: Sabina Bobst

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Er ist kein 08/15-Klavierspieler, sondern sorgt derzeit in der Klassikwelt für Furore: Igor Levit ist laut «Frankfurter Allgemeiner Zeitung» (FAZ) einer der grossen Pianisten dieses Jahrhunderts. Der 29-jährige russisch-deutsche Pianist tritt in den renommiertesten Konzertsälen und mit berühmten Orchestern auf. Zum Jahresausklang gastierte er als Solist im Rahmen des Silvesterkonzerts in der ausverkauften Zürcher Tonhalle.

Bevor er allerdings am Abend die Zuhörer mit Klavierkonzerten von Gershwin und Ravel begeisterte, unternahm er am Vormittag einen Spaziergang durch Zürich. Dabei blieb er vor einem sehr teuren Möbelgeschäft stehen, weil ihm das Angebot gefiel. Er betrat den Laden, stellte seinen Koffer ab und sah sich ein wenig um. Das Verkaufspersonal realisierte nicht, welch prominenter Musiker ihm da einen Besuch abstattete, sonst wäre das nun folgende Gespräch wohl anders verlaufen.

«Man weiss ja nie heutzutage»

Statt mit einem freundlichen Grüezi als Willkommen wurde er mit folgenden harschen Worten empfangen: «Ich möchte Sie schon bitten, ihren Koffer während des Aufenthalts hier bei uns bei sich zu behalten. Man weiss ja nie heutzutage. Da kommt dann so einer komisch daher mit Bart und Koffer. Man weiss ja nie.» Das Verkaufspersonal hatte offenbar das Gefühl, der Starpianist sei ein Terrorist und in seinem Koffer sei eine Bombe versteckt.

Igor Levit war empört, verliess das Möbelgeschäft, ohne etwas zu kaufen, und veröffentlichte auf Facebook die unfreundliche Begegnung mit dem Verkaufspersonal des Zürcher Möbelgeschäfts. Um welches Geschäft es sich handelte, ist nicht bekannt. Levit reagierte bisher nicht auf eine entsprechende Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Sein Eintrag löste derweil auf Facebook eine Welle empörter Kommentare aus: «Manchmal schäme ich mich echt, wie rassistisch und kleinbürgerlich es in meiner Heimat zu- und hergeht», «Ja, so sind sie, die Schweizer. Immer ein bisschen fremdenfeindlich», «Fremdenfeindlichkeit ist seit einiger Zeit Trend in der Schweiz», «Die Schweizer haben keinen Sinn für Humor, ein völlig humorloses Volk», «Peinlich, peinlich», «Eidgenossen. Räuberisches Bergvolk ohne eigene Muttersprache», «Es gibt kein billiges Möbelgeschäft in Zürich. Es gibt nur sehr teure und atemberaubend teure», «Oh, Mann, das ist Zürich, wie es leibt und lebt».

«Diese Tasche ist zu teuer»

Der Vorfall mit Igor Levit weckt Erinnerungen an einen anderen Promi-Einkauf in Zürich, der weltweit Schlagzeilen schrieb. Die US-Talkmasterin Oprah Winfrey (geschätztes Vermögen: zweieinhalb Milliarden Dollar) machte im Herbst 2013 auf ihrer Shoppingtour durch Zürich halt bei einer Edelboutique in der Innenstadt. Dort interessierte sie sich für eine Tasche aus Krokodilleder. Aber die Verkäuferin sagte nur: «Nein, diese Tasche ist zu teuer.» Und zeigte ihr ein anderes, günstigeres Exemplar. Winfrey verliess das Geschäft schliesslich ohne Tasche und machte den Fall in einer TV-Show als Beispiel von Rassismus publik.

Erstellt: 03.01.2017, 12:14 Uhr

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