«Südländer sind halt besitzergreifend»

Er hat seine ehemalige Geliebte während Monaten mit Telefonanrufen, SMS und Mails, aber auch persönlich terrorisiert. Jetzt stand er wegen Nötigung vor Gericht.

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Kurz vor dem Prozess setzt sich der 48-jährige Angeklagte zu einer jungen Dame an den Tisch. Er verwickelt sie mit Charme sofort in ein Gespräch. Nach fünf Minuten machen sie per Handschlag Duzis, und er lädt sie auf den Zeitpunkt nach dem Prozess zu einem Kaffee ein.

Dazu sollte es nicht kommen. Doch der Vorgang ist insofern bezeichnend, als der gebürtige Tunesier wegen Nötigung vor Gericht stand. Er hat seine ehemalige Geliebte, eine um sechs Jahre ältere Schweizerin, während Monaten mit Telefonaten, SMS und E-Mails belästigt, nachdem sie ihn wegen eines anderen verlassen hatte.

Morgens um drei Uhr geläutet

Nach deren Schilderung im Rahmen der Untersuchung hat er ihr unter anderem geschrieben, sie habe eine «Kugel» verdient, und sie werde für ihr Verhalten büssen müssen. Gemäss Anklage hat er ihr auch an ihrem Wohn- und Arbeitsort persönlich nachgestellt, einmal, indem er morgens um drei Uhr an der Tür läutete und an die Fensterläden schlug. Zweimal verfolgte der Angeklagte die Klägerin mit seinem Auto, fuhr zu nahe auf, hupte, überholte sie auf der Autobahn seitlich derart nahe, dass sie erschrak und nach rechts ausweichen musste.

Im April 2009 hinderte der gekränkte Geliebte seine Ex in der Tiefgarage eines Einkaufszentrum in Dietlikon am Besteigen ihres Fahrzeugs, worauf diese ihm eine Ohrfeige verpasste. Bei der anschliessenden Verfolgung rief die Frau die Staatsanwaltschaft an, und diese lenkte die Fahrzeuge zum Polizeiposten in Dielsdorf, wo der Mann verhaftet wurde.

Scheibenwischer abgerissen

Trotz der daraufhin erlassenen Kontaktsperre und eines Rayonverbotes suchte der Stalker die Frau erneut an ihrem Wohnort auf und riss ihr gemäss Anklage alle Scheibenwischer vom Auto. Zusätzlich wurde er beim Fahren ohne Führerausweis erwischt.

Der Verlust des Führerausweises schmerzt den seit bald zwei Jahren arbeitslosen Handwerker fast noch mehr als der Verlust der Frau. Mehrfach bat er den Richter, vor dem er nicht zum ersten Mal stand und den er stets mit «Euer Ehren» ansprach, um die Rückgabe des Ausweises. Er verteidigte sich selbst, weil er seine Anwältin nicht mehr bezahlen konnte.

Nach Scheidung im Gefängnis

Bereits 2003 hatte der Angeklagte eine zehnmonatige Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Fahrens in angetrunkenem Zustand kassiert. Auch diese Delikte standen im Zusammenhang mit der Scheidung von seiner ersten Frau, mit der er zusammen einen Sohn hat. Der Mann wollte die Scheidung nicht akzeptieren. Ein Gutachten stufte ihn als relativ gefährlich ein, weshalb er eine Therapie machen musste. Daraufhin attestierten ihm die Ärzte, die Behandlung habe Wirkung gezeigt.

Der Richter sah nun allerdings Parallelen zum früheren Fall. «Ich frage mich, ob die Therapie wirklich etwas genützt hat», sagte er. «Das ist doch alles Schnee von vorgestern», sagte der Angeklagte. Und: «Wissen Sie, Euer Ehren, ich habe südländische Wurzeln. Und die Südländer sind halt besitzergreifend gegenüber den Frauen.»

«Es ist ja nichts passiert»

Der Staatsanwalt beantragte wegen mehrfachen Nötigungsversuchs, Missbrauchs der Fernmeldeanlage, Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln, Fahrens ohne Führerausweis und Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken, eine Busse von 500 Franken sowie die Übernahme der Verfahrenskosten.

Während der Angeklagte in der Untersuchung die Vorhaltungen eingestanden hatte, bestritt er vor Gericht die meisten Punkte. «Es ist ja nichts passiert.» «Ich habe ihr nur zu helfen versucht.» «Ich habe gelitten, das hat mir furchtbar wehgetan.» «Die Geldstrafe könnte ich gar nicht bezahlen», beschied er dem Gericht. Dieses wird das Urteil zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich eröffnen.

Erstellt: 26.01.2010, 15:41 Uhr

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