Theaterpionier Edi Baur ist tot

Edi Baur gründete unter anderem die Zürcher Märchenbühne. Jetzt ist der 89-Jährige in Kanada an Herzschwäche verstorben.

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Riedikon - Am 22. Dezember hätte Baur seinen 90. Geburtstag feiern können, und im kommenden Frühjahr wollte ihn die Stadt im Theater am Hechtplatz für seine Verdienste um das Zürcher Theaterleben ehren. Doch den Theaterproduzenten verliessen die Kräfte, er verstarb am 14. Oktober an Herzschwäche. Seine Frau, die Schauspielerin Ines Torelli, war an der Seite ihres Mannes: «Ich hielt ihm vier Stunden lang die Hand.» Baur musste sich im Juni an den Lymphknoten operieren lassen. Davon habe er sich nie mehr richtig erholt, sagt Torelli. Das Paar lebt seit Mitte der Neunzigerjahre in der kanadischen Kleinstadt Lunenburg. Zuvor wohnte es in der Ustermer Aussenwacht Riedikon.

Der in Bern als Sohn eines Apothekers geborene Edi Baur veranstaltete bereits als Zehnjähriger im Wohnzimmer Kinovorführungen und liess seinen Bruder hinter einem Leintuch das Grammofon spielen. Später wurde er Mitglied des Berner Heimatschutztheaters. Während des Zweiten Weltkrieges war Baur mit der Soldatenbühne «Bärentatze» unterwegs.

Baur fotografierte Ines Torelli

Nach dem Krieg zog Baur nach Zürich, wo er als Theaterfotograf arbeitete. In dieser Zeit lichtete er bekannte Grössen wie Billy Wilder, Heinz Rühmann, Walt Disney oder Richard Burton ab, wenn sie in Zürich weilten. Seine Frau lernte er während der Arbeit kennen: 1955 fotografierte er die junge Schauspielerin Ines Torelli für eine Premiere des Cabaret Rüeblisaft. Torelli ermutigte ihn, vom Theaterchronisten zum Theatermacher zu avancieren. 1960 realisierte Baur mit «Zürcher Ballade» sein erstes Freilichtspiel an der Trittligasse. «Eine glanzvolle Idee», sagt der städtische Kulturdirektor Jean-Pierre Hoby und bezeichnet Baur als «Vater aller Openair-Theater».

Wenig später gründete Baur die Zürcher Märchenbühne. Allein damit habe sich Edi Baur einen Platz in der Zürcher Kulturgeschichte gesichert, schreibt Jürg Ramspeck im Buch «Zürcher Szenen». Für Hoby ist die Märchenbühne Baurs «grosse Leistung». Der in Uster wohnhafte Schauspieler Jörg Schneider, der unzählige Male auf der Märchenbühne stand, lobt Baur als «hervorragenden Theaterproduzenten, der sehr viel bewegt hat im Unterhaltungstheater».

Weitere Hits landete Baur mit Stücken wie «Die kleine Niederdorfoper», «Der Schwarze Hecht» und Musicals wie «Bibi Balu», «Golden Girl» und «Pfui Martina». Nur den Traum vom eigenen Theater konnte er nie verwirklichen. In Kanada blieb Baur dem Theater treu. Auch in den letzten Monaten habe er Pläne für ein Marionettentheater geschmiedet, sagt Torelli. Benno Gasser

Erstellt: 21.10.2009, 02:01 Uhr

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