Titel (max. 2-zeilig) Narr, Bordellwirt, Tobelbewohner Narr, Bordellwirt, Tobelbewohner

Unterzeile (max. 2-zeilig) Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich. Der Familienname sagt uns, wie der Urahn war, wie er sein Geld verdiente, wie er hauste. Ein Namenslexikon.Der Familienname sagt uns, wie der Urahn war, wie er sein Geld verdiente, wie er hauste. Ein Namenslexikon.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Von Thomas Widmer* (Text)und Felix Schaad* (Illustrationen)

Irgendwann im Mittelalter gibt es schlicht zu viele Leute mit demselben Vornamen. Vor allem in der Stadt. Es entstehen – ab circa dem 12. Jahrhundert – die Familiennamen. Die Möglichkeiten zur Bildung sind mannigfach. Oft gibt der Lebensort etwas her: Zürcher, von Gunten, Appenzeller. Der Beruf: Schuster, Wagner, Bäcker. Oder aber körperliche Eigenschaften: Der Streuli ist ein Mensch, dürr wie ein Strohhalm.

Nachfolgend Schweizer Familiennamen und ihre Herkunft. Berücksichtigt ist jeweils nur eine Schreibweise. Und nicht in jedem Fall hatten alle Erklärungsvarianten Platz.

Aberli Kurzform zu Abraham, vermutlich der Vorname des Vaters.Aegerter Er bebaute eine Ägerte, ein steiniges, zweitklassiges Stück Acker.Aeppli Kurzform zu Eberhard, oft leicht abschätzig gemeint.Amsler Vogelfänger wie der Vögeli.Arbenz Er kam aus Arbenson, heute Albenson im Aostatal, Italien. Bachofen Bäcker. Oder der beim Gemeindebackofen.Bader Betreibt die öffentliche Badstu- be. Schert auch Bärte, lässt zur Ader.Baggenstos Kombination aus Backe und Stoss. Da prügelte sich einer gern.Ballauf Ein «Bald-auf». Ein Frühaufsteher also. Oder ein Aufbrausender.Bänteli Gekürzter Name Pantaleon.Bäumler Ein Holzfäller oder einer, der «boimelet», sich grösser macht.Betschart Kurzform zum Vornamen Berchtold, wie auch «Bärtschi».Beutler — Der Müller, weil er mit dem Beutel das Mehl siebt.Bichsel — Der Bechsel ist ein Beil. Daher: ein Zimmermann.Bickel — Einer, der pickelt. Oder ein Grobian.Biederborst — «Biderb» heisst tüchtig, unbescholten. «Biderboscht» ist dazu der Superlativ: der Allerbrävste. Eventuell war das einst ironisch gemeint.Biedermann — Siehe Biederborst: ein ehrlicher Mann.Bieri — Koseform zu Pierre.Bill — Der Billhammer raut den Mühlstein auf, der so besser mahlt. Müller.Bindschedler — «Schädle»: Holzgeschirre anfertigen. Ein Küfer.Binggeli — Ein Bingg ist ein kleiner, verwachsener, oft hinkender Mensch. Oder das männliche Geschlechtsteil. Blass — Blässling. Oder Glatzkopf.Blunschli — Ein kleiner Dicker, von mittelhochdeutsch «blunsen», aufblähen.Bock — Ein störrischer oder aber ein brünftiger Mann.Bögli — Bogenmacher, Bogenschütze.Bollag — Ein Polack, einer aus Polen.Bolleter — Kurzform zu Hippolyt. Bollier — Verwandt mit französisch «parler», sprechen. Werkgeselle, der die Arbeit anordnet, also der Polier.Borer — Bergarbeiter.Bosshard — Ein Schläger. Von «bossen», stossen, schlagen.Boxler — Ein Ungeschlachter, Lärmiger. «Bochsle» gleich poltern, rumpeln.Bremi — Wohnte bei den Dornsträuchern, den «brame». Brennwald — Einer, der brandrodet.Briner — Der Breikoch. Hirse- und Haferbrei waren Standardnahrung fürs Durchschnittsvolk im Mittelalter.Brunner — Er wohnt am Brunnen, hat ihn gegraben oder unterhält ihn.Bünzli — «Punze» im Mittelhochdeutschen: «geeichtes, gestempeltes Fass». Wie ein Fässlein sah der Träger aus.Bürgi — Kurzform von «Burghart», einem germanischen Personennamen. Burri — Ein Streithahn. «Burren» heisst zanken.Denzler — Ein gewandter Tänzer. Der, der an Dorffesten den Tanz anführt.Derungs — Romanisch, von Rungs. «Rung» ist das gerodete Land.Deubelbeiss — Vom Teufel gebissen, Scherzname für einen Spinner.Diriwächter — Ein Türwächter.Döbeli — Wohnt im oder am Tobel.Dubler — Holzdübel-Hersteller.Egli — Hat nichts mit dem Fisch zu tun. Kurzform zu Eglolf.Estermann — Sohn, Mann der Esther.Fankhauser — Von «Fang-Haus», wohl ein Jagdaufseher.Farni — Lebt im Farngelände.Fäsi — Bauer, von «Vese», Kornhülse.Fehr — Schiffer, Fährmann.Feigenwinter — «Fige» heisst fliehen. Der Mann flieht vor dem Winter.Feurer — Einer, der mit Holz anfeuert. Oder das Mitglied einer Viererbehörde.Fingerhuth — Der Schneider trägt ihn.Fisler — «Fisle», mit der Rute fuchteln. Ein Nervösling. Oder aber ein sexuell Überaktiver, von «Visel» gleich Penis.Fraefel — Eventuell Ableitung von mittelhochdeutsch «vrouwe», Herrin, Nonne, Frau. Zinsbauer, der einem Frauenkloster seinen Zins abliefert. Oder der Leibeigene einer Kirche «Unserer Lieben Frau». In den Städten kann damit aber auch der «Frauenwirt» (Bordellbetreiber) bezeichnet werden.Fretz — «Fretzen»: abweiden. Bauer.Früh — Frühaufsteher oder fleissiger Mensch. Das Gegenteil: der Späth.Fuchs — Der Urahn hatte rote Haare.Fügli — Fügt sich, angenehmer Typ.Ganz — Eventuell der Gansbesitzer.Germann — Wohnt in einem Geeren, einem dreieckigen Stück Land.Gisler — Schuldeneintreiber. Das Wort ist verwandt mit «Geisel».Glättli — Geschmeidiger. Schmeichler. Glatthaariger.Gmür — Lebt in gemauerter Siedlung.Good — Wohl Kürzung von Gottfried.Grädel — Langer, Hagerer, Gerader.Graf — Er tat so vornehm wie ein Graf.Guhl — Halter eines Zuchtebers, mittelhochdeutsch «Gul».Gujer — Hat am 1. Januar Geburtstag, an dem man sich «Gutjahr» wünscht.Haab — Wohnte an der Hab, einem Hafendamm am See.Haas — Schnellfuss. Oder Feigling.Hablützel — Er hat wenig, «lützel» wie englisch «little».Hahn — Ein Stolzer oder Streitsüchtiger.Hänggi — Koseform zu Johannes.Hänseler — Einer, der «hänselt», was heisst: eine Marktgebühr einzieht.Hasenfratz — Hat eine Hasenscharte oder Hasenzähne.Hebeisen — Übername für Schmiede.Heeb — Bezieht sich auf die Herren von Heewen im St. Galler Rheintal, Administratoren der Äbte von Pfäfers.Hefti — Hersteller von Spangen, die Kleidungsstücke zusammenhalten.Heilig — Ein Frommer. Oder ein Frömmler, also ein Scheinheiliger.Herger — Entweder germanischer Vorname aus zwei Gliedern: «Heri» und «Ger», Heer und Speer. Oder abgeleitet von «hergen», übel wirtschaften.Hess — Stammt aus Hessen.Hiestand — «Hie stant!» (Steh hier still!), musste sich einst ein Zappler anhören.Hitz — Hitziger Mensch.Hodel — Kontrollierte auf dem Markt den Tuchhandel («Hudel», Lumpen).Höhn — Von «hoene» gleich zornig, stolz, hochfahrend.Huber — Bewohnt eine «Huobe», einen Hof mit genug Land für eine Familie.Hugentobler — «Huw» ist die Eule. Der aus dem Eulentobel.Hummel — Brummeliger Mensch.Hürzeler — Kam der Ahn vom Hirzel? Es gibt auch das Verb «hirzle», stinken wie ein Hirsch. Einer, der «böckelet».Isler — Eisenhändler.Iten — Idas Söhne.Jäggi — Koseform zu Jakob.Jauch — Ein «Gauch» ist ein Narr.Jenny — Kurzform zu Johannes.Kägi — Ein hoch aufgeschossener Mensch. Von «Kag», Krautstrunk.Keusch — «Keusch», das hiess: schamhaft. Sanftmütig. Tugendhaft.Killer — Angehöriger der Kilch-/Kirchgemeinde. Oder ein vornehmer Laie, der den Pfarrer einsetzen kann. «Chiller» ist aber auch eine Schlucht, der «Killer» könnte am Tobel gewohnt haben. Auch eine Koseform zu Kilian ist möglich.Kleger — Beamter, der Freveltaten gerichtlich verfolgt, die Klage betreibt. Knabenhans — Vorgesetzter der Kna-benschaft eines Dorfes.Knecht — Oft auch nur junger Mann.Kolb — Vom Streitkolben abgeleitet, ein Soldat. Oder ein derber Mensch. Kreis — Ein Lärmer, der «kreischt».Kropf — Einer mit einem solchen. Oder einer mit einer anderen Verwachsung.Kunz — Kurzform zu Konrad.Kuster — Amtsträger, Aufseher eines geistlichen Stifts (Kustos).Landis — Landverwüster. Von «Land-oes», «oesen» gleich vernichten.Lanz — Vom Namen Lambertus.Läubli — Ein lieblicher, lieber Mensch.Leibundgut — Geldloser, der sich auf Lebzeit in eine fremde Haushaltung übergeben muss.Lips — Kurzform zu Philipp.Löhrli — Verfertigt minderwertigen Wein (Glöör) oder Most.Lüscher — Sammelt Lischen, Riedgras. Oder er wohnt im Ried.Lüssi — Er bebaut Boden, der ihm durch ein Los zufiel. Oder er ist der Verloser.Mäder — Ein Mäher.Manser — Hütete oder verkaufte «Mansen», Rinder vor der ersten Trächtigkeit.Meier — Der Major Villae ist Vertreter des Dorfbesitzers. Das Dorfoberhaupt.Minder — Der, der wenig Steuern zahlt.Möckli — Ein Mocken, Klumpen von Mensch.Mohr — Vielleicht ein Schweinezüchter; auf Berndeutsch heisst die Sau «More». Oder ein Maure, ein Dunkelhäutiger.Moser — Wohnt im Sumpfgebiet.Muggler — «Muggle», murren, ächzen.Münch — Eventuell ein entlaufener Mönch. Oder ein Asket.Muschg — Junger, unvergorener Most. Ein Unausgegorener.Nauer — Er steuert den Nauen. Ein Schiffer, ein Fährmann.Neeser — Sohn der Agnes.Neukomm — Der Neuzugezogene.Nievergelt — Erstattet nie etwas zurück. Ein schlechter Schuldner.Nötzli — Kurzform von Notker, leicht abwertend.Nüscheler — Verfertigt «Nüscheln», Spangen.Obrist — Wohnt zuoberst im Dorf.Oeri — Hört nichts oder hat grosse Ohren.Peier — Von Bayern zugezogen.Pestalozzi — Italienischer Bauernname, zu Deutsch: «Misttreter», von «pestare», treten, und «lozza», Stallmist.Pfenninger — Zieht den Brückenpfennig ein.Pfister — Lateinisch «Pistor», Bäcker.Portmann — Der Mann wohnt am Wiesenbord.Rellstab — Eine Leiste, die dazu dient, den Durchgang des Mahlgutes zu regeln. Daher der Müller.Renz — Zweite Silbe von Lorenz. Ruf- und Koseform.Rösch — Altes Adjektiv für den Aufbrausenden, Ungeduldigen, Räuschigen.Rosenstock — Einer von Rostock.Rubli — Person mit wirrer Frisur. Von «Rub», Mensch mit struppigem Haar. Ruckstuhl — Wohl der, der in der Kirche den Stuhl mit der Rückenlehne hat. Gehobener Bürger.Rüedi — Kurzname zu Rudolf.Rüegg — Kurzform des germanischen Personennamens Hrodger. Oder einer, der rügt, ein Ankläger vor Gericht.Rütimann — Einer, der als energischer Wald-Roder auffällt.Schaffter — Verfertigt Lanzen- und Büchsenschäfte.Schällibaum — Er rodet, indem er die Bäume schält, also die Rinde entfernt.Schäppi — «Schappe» ist verwandt mit «Tschoop», ist der Rock des Geistlichen und Bauern. Der «Schäppi» fertigt ihn.Schärer — Berufsname des Barbiers, Baders, Wundarztes.Scheller — Er rief die behördlichen Anordnungen aus.Scheuchzer — Ein Zartbesaiteter, der schnell zurückscheut.Schibli — Arbeitet mit der Scheibe, ein Töpfer oder ein Glaser.Schifferle — «Schiferli» ist ein Holz- oder Knochensplitter. Auf den Menschen übertragen: ein schmaler Wurf.Schlatter — Wohnt in der Schlatt, der feuchten, sumpfigen Mulde.Schlumpf — Bezeichnung für eine kleine Menge, Handvoll («ein Schlumpf Heu»). Mensch bescheidenen Wuchses.Schmutz — Vermutlich von «smutzen», den Mund zum Lächeln verziehen. Ein Gutgelaunter.Schneebeli — Einer mit heller, schneeweisser Haut.Schüepp — Einer mit Schuppen. Oder der Fischer, der entschuppt.Schuppisser — «Schueppis» ist der dritte oder vierte Teil einer Huobe (siehe Huber). Der Schuppisser wohnt auf diesem Landstück.Schwyter — Einer aus Schwyz.Sidler — Verfertigt «Sidel», Sessel.Sommer — Ist im Sommer geboren oder zahlt im Sommer den Zins.Specker — Wohnstättenbezeichnung. Specke heisst: «Knüppelweg», «sumpfiges Gelände».Stahel — Stahlschmied.Stampfli — Einer, der stapft.Stäuble — Der Müller, weil er immer mit Mehl bestäubt war.Stauss — Einer mit ausladendem Gesäss (Steiss).Stirnimann — Einer mit auffallender Stirn (hoch, gewölbt, fliehend).Strauss — Ein Streitsüchtiger, der jeden Strauss ausficht.Studerus — Wohnt, wo Stauden wachsen. In der Antikenschwärmerei des Humanismus wurde der Name mit einer lateinischen Endung veredelt.Surer — Von Suhr bei Aarau.Suremann — Grimmiger. Säuerling.Temperli — «Tämperle»: Plappern oder ohne Eifer an etwas herumwerkeln.Tremp — Hat einen schweren Gang. Ein Trampeltier eben.Tschirky — Er «tschirgget», hinkt.Tschudi — Hat einen «Tschuder», einen wirren Haarschopf.Ufenast — Man übersetzte «Jung» ins Lateinische. Später verstand man dieses Wort «Juvenis» nicht korrekt und verballhornte es zurück ins Deutsche.Ungricht — Hat eine Freveltat begangen und wurde nicht gerichtet.Vaterlaus — Vaterloser, Waise.Wackernagel — Hat ein grosses Glied.Wälchli — «Walch», «Wälchli» oder «Wale» ist das gleiche wie «welsch». So nannten einst die Deutschsprachigen die Nachbarn italienischer, französischer oder auch rätoromanischer Zunge. Weil das rätoromanische Sprachgebiet damals viel weiter Richtung Zürichsee reichte, heisst der Walensee Walensee.Wäspe — Reizbar und stechbereit wie eine Wespe.Werffeli — Liebevoll für Würfelspieler.Wetli — Mittelhochdeutsch «waetlich», schön, stattlich.Wiederkehr — Einer, der zurück an seinen Wohnort zieht. Oder ein Wankelmütiger, der die Meinung ändert.Wipf — Mensch mit Elan. «Wif», Schwung, schnelle Bewegung.Wirz — Sohn des Wirts, der Genitiv hat im z überlebt.Wuhrmann — Wohnt am Wuhr, der Bachverbauung.Wüest — Hässlicher Mensch.Wyrsch — Unwirscher Charakter.Zangger — Streithahn.Zbinden — Sohn des Fassbinders, des Küffers.Zenruffinen — Einer, der bei den Rüfenen (Stein- oder Schlammlawinenkorridor) lebtZindel — Mittelhochdeutsch «Zindal», leichter Seidenstoff. Dessen Hersteller.Ziörjen — Wer am 23. April, zum Tag des Georg (zu Jöri), zinste. Heute heisst Dübendorfs Stadtpräsident so.

* Widmer — Verwalter eines Widem, eines Gutes zum Unterhalt der Kirche. * Schaad — Einer, der Schaden bewirkt.Quellen: www.hvw.ch. TA-Serie «Nomen est omen». Idiotikon. DRS 3 Namenswoche. «Zürcher Familiennamen» (Broschüre). Schweizer Mediendatenbank.

Mörgeli — Ein Frühaufsteher.

Temperli — «Tämperle»: Plappern oder ohne Eifer an etwas Herumwerkeln.

Baggenstos Eine Zusammensetzung aus Backe und Stoss. Da prügelte sich einer gern.

Haas — Ein Schnellfuss. Oder ein Feigling.

Erstellt: 20.04.2011, 19:25 Uhr

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Blogs

Never Mind the Markets Die USA gegen die Nationalbank

Mamablog Warum uns die Zeit davonrennt

Die Welt in Bildern

Der Bilderbuchfan: Am Australien Open in Melbourne hat sich dieser Zuschauer eine spezielle Brille gebastelt.(21. Januar 2020)
(Bild: Michael Dodge/EPA) Mehr...