Uniformen gibts auch günstiger

Der Zürcher Gemeinderat will für die Dienstkleidung von Polizeihelfern weniger ausgeben als der Stadtrat. Dass dies möglich ist, zeigt ein Vergleich.

So möchte der Stadtrat die Bussenverteiler ausrüsten: Winterbekleidung.

So möchte der Stadtrat die Bussenverteiler ausrüsten: Winterbekleidung. Bild: PD

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Erneut ist am Mittwoch im Zürcher Gemeinderat der Sparhammer niedergegangen. Erst schien es, dass die 155 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter «Kontrolle ruhender Verkehr» weiterhin keine Arbeitskleidung bekommen sollten. Dann rang sich das Parlament zu einem Kompromiss durch. Statt 469'000 Franken hat es nur 293'000 Franken für die KRV-Uniformen bewilligt. Die Hauptaufgabe des KRV-Personals ist es, in Zürich Parkbussen zu verteilen, was sie zwar mit Funkgerät, Datenerfassungsgerät und mit einer Dienstplakette, aber in privater Kleidung tun. Das führt manchmal zu brenzligen Situationen, weil die Gebüssten den KRV-Angestellten die Kompetenz zum Bussenverteilen nicht abnehmen. Die Dienstkleidung soll ihre Akzeptanz nun erhöhen.

Das Bekleidungskonzept des Stadtrates kann nach dem Gemeinderatsentscheid nicht wie geplant umgesetzt werden. Stadtpolizei-Sprecher Michael Wirz ist dies klar. Jetzt müsse man entweder auf einen Teil der Ausrüstung verzichten oder weniger Bekleidungsstücke an die einzelnen Mitarbeiter abgeben. Also statt fünf Hemden nur drei oder statt zwei Wintermützen nur eine.

Securitas: 650 Franken billiger

Wie ein Vergleich mit der Privatwirtschaft zeigt, ist ein günstigeres Bekleidungskonzept möglich. Bei Securitas gibt es ebenfalls eine Abteilung «Kontrolle ruhender Verkehr». Gemäss Mediensprecher Urs Stadler kostet die Erstausrüstung der Mitarbeitenden in diesem Dienst 1341 Franken. Darin ist ein Paar Schuhe enthalten. Der Stadtrat wollte dafür 1990 Franken auslegen – ohne Schuhwerk. Der Preisunterschied erklärt sich teilweise mit der unterschiedlichen Anzahl Kleidungsstücke: Securitas gibt vier statt fünf Poloshirts ab, nur eine statt zwei Wintermützen sowie nur eine statt zwei Sommerkappen. Auch Hosen erhalten die Securitas-Mitarbeiter weniger.Bei den SBB ist ein Vergleich etwas schwieriger, da die Zugbegleiter nicht draussen Bussen verteilen, sondern im geheizten Zug Billette kontrollieren.

SBB mit Punktesystem

Eine warme Parka-Jacke ist daher für SBB-Zugbegleiter nicht nötig. Dennoch gibt es auch für sie eine Winter- und eine Sommerbekleidung. Allerdings wird bei den SBB nicht alles ungefragt abgegeben. Wie Mediensprecher Reto Kormann mitteilt, arbeitet die Bahn mit einem Punktesystem, wobei ein Punkt etwa einem Franken entspricht. Ein neuer Mitarbeiter bekommt 755 Punkte gutgeschrieben. Damit kann er aus dem Bekleidungssortiment auswählen, was er will. Der eine nimmt eine Hose weniger, dafür ein Hemd mehr. Der andere verzichtet auf die Thermounterhosen und nimmt dafür eine Wintermütze.

Dazu erhält jeder Zugbegleiter jährlich zwei Paar Schuhe. Auffällig ist zudem, dass die Einzelteile bei den SBB tendenziell günstiger sind. Die Kurzarmhemden kosten 20 Punkte, während das gleiche Kleidungsstück für die Zürcher Bussenverteiler auf 35 Franken kommt. Beim Gürtel ist der Unterschied eklatant. 15 Punkte bei den SBB, 60 Franken bei der Stadt Zürich. Zudem hätte ein Bussenverteiler nach den Plänen des Stadtrates Anrecht auf zwei Gürtel. Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) gibt ihren Angestellten ein 9-teiliges Bekleidungsset ab. Zur sechsteiligen Uniform kommen Regenhose, Regenjacke und Namenstafel dazu. Die Vollausrüstung kostet pro Person 1150 Franken – inbegriffen im Preis sind wie bei den Bussenverteilern mehrere Hemden. Winterkleider werden keine standardmässig abgegeben. Im Winter fährt die ZSG mit reduziertem Fahrplan und mit gut geheizten Schiffen wie der Panta Rhei. Beim Ersatz der Kleidung arbeitet die Schifffahrtsgesellschaft mit einem Punktesystem, ähnlich wie die SBB.

Swiss setzt auf Qualität

Bei der Fluggesellschaft Swiss ist die Arbeitskleidung ein ganz wesentliches Arbeitsgerät. Darum wird auch besonders viel darin investiert. Die Designerin Ruth Grüninger hat die neuen Swiss-Uniformen vor gut einem Jahr entworfen. Sie werden aus teuren Qualitätsstoffen hergestellt. Insgesamt mussten für die 6000 Piloten und Flight-Attendants 140'000 Kleidungsteile massgeschneidert werden.

Wie viel Swiss pro Person investiert, gibt die Fluggesellschaft nicht bekannt. Damit ist auch ein Vergleich mit den Zürcher Bussenverteilern schwierig. Klar ist aber, dass Swiss für alle Uniformen gegen 10 Millionen Franken bezahlt hat – Nachbestellungen nicht eingerechnet. Wie Pressesprecherin Sonja Ptassek mitteilt, standen bei der Beschaffung der Bekleidungen nicht die kurzfristigen Ausgaben im Zentrum: «Bei besserer Qualität können wir mehr als ein Viertel der Kosten sparen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.04.2011, 15:41 Uhr

Übergangsbekleidung.

Sommerbekleidung.

Regenbekleidung.

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