Uster ist die Metropole der Stockwerkeigentümer

Uster und Wetzikon sind in den letzten zwanzig Jahren stark gewachsen. Aber auch Kleinstgemeinden wie etwa Sternenberg werden von Immobilienkäufern im Oberland nicht links liegen gelassen.

So attraktiv sind die Gemeinden des Oberlands.

So attraktiv sind die Gemeinden des Oberlands. Bild: TA-Grafik kmh/Keystone

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Als Franz Engi nach über dreissig Jahren in sein Heimatdorf Sternenberg hoch über dem Tösstal zurückkehrt, hat sich vieles verändert: So gibt es zu wenig Kinder, die Schule soll geschlossen werden. Kurzerhand wird Engi wieder zum Schüler und rettet so die Schule. Die Realität in Sternenberg sieht aber anders aus als im gleichnamigen Film von 2004 mit Mathias Gnädinger in der Hauptrolle: «Derzeit haben wir genügend Schüler», sagt Gemeindepräsidentin Sabine Sieber. Auch über zu wenig Einwohner oder eine Überalterung kann man in der höchstgelegenen Gemeinde des Kantons nicht klagen: Die Einwohnerzahl ist seit Jahren mit rund 360 Personen konstant, und auch jüngere Leute ziehen immer wieder nach Sternenberg, wie etwa die Fotografin Tina Steinauer, die seit rund drei Jahren mit ihrer Tochter dort lebt: «Ich liebe die Weite und das einfache Leben hier oben», sagt sie.

Trotz Neuzuzügern kann die Gemeinde bei der Beliebtheit natürlich nicht mit den Grossen der Region – wie Uster, Fehraltorf, Pfäffikon oder Greifensee – mithalten. Die belegen im TA-Rating für die Region Uster und Wetzikon, das auf Zahlen der Zürcher Kantonalbank basiert, klar die Spitzenplätze. Sternenberg hingegen schafft es nur auf den drittletzten Rang. Doch wer auf fast 900 Meter über Meer ein Eigenheim sucht, hat andere Präferenzen als eine gute Verkehrsanbindung, viele Einkaufsläden oder eine gute Auswahl an Arbeitsplätzen: «In Sternenberg sucht man ein Haus mit Umschwung, die Nähe zur Natur, die Ruhe, die Nebelfreiheit und die Aussicht», sagt Immobilienmaklerin Karin Schönbächler von Remax in Wetzikon. Sie verkauft immer mal wieder ein Haus in Sternenberg und Umgebung: «Die Objekte finden alle einen Käufer, aber manchmal braucht es einfach ein bisschen länger als anderswo.» Aktuell sind gemäss Immobilienplattform Homegate beispielsweise drei Häuser im Dorf zu haben. Darunter ein älteres Objekt mit Kachelofen für gerade mal 410'000 Franken.

Warten auf die Autobahn

Preise, von denen Käufer in Wetzikon und Uster nur träumen können. Das Musterhaus des Ratings (siehe Grafik) kostet dort über eine Million. Uster und Wetzikon sind dank der S 5 gut an Zürich angebunden. Trotz zentraler Lage und starkem Wachstum kämpft aber vor allem Wetzikon mit Problemen: zum einen wegen des starken Durchgangsverkehrs, zum anderen wegen der tiefen Steuerkraft. Gemäss Finanzvorstand Hans Peter Bosshard (Newsnetz vom 19. Januar) hat Wetzikon immer noch einen hohen Anteil an wenig zahlungskräftigen Mietern in günstigen Wohnungen. Der Unterschied zum besser situierten Uster wird schon deutlich, wenn man den Bahnhof verlässt: In Wetzikon erwarten den Besucher ein leicht angejahrter Bahnhofplatz und die stark befahrene Kantonsstrasse, in Uster die verkehrsberuhigte Bankstrasse, die Fussgängerzone entlang der Poststrasse, die neuen Hochhäuser und der aufwendig gestaltete Busbahnhof.

Wetzikon will seine Position aber verbessern, etwa durch das Initiieren von Wohnprojekten im gehobeneren Segment, um bessere Steuerzahler anzulocken. Noch mehr Aufschwung dürfte die Stadt mit ihren rund 21'000 Einwohnern aber erhalten, wenn der Weiterbau der Autobahn A 53 endlich wahr wird. Das neue Teilstück würde die Gemeinde vom Durchgangsverkehr entlasten und neue Möglichkeiten für die Gestaltung des Ortszentrums eröffnen. Doch der Baubeginn dürfte frühestens in drei Jahren erfolgen. Interessant wäre die Autobahn nicht nur für Wetzikon, sondern auch für das Aathal, das derzeit vor allem vom Verkehr geprägt ist. Die Investoren stehen bereits in den Startlöchern: Im Sommer hat die Hiag-Immobilien-Gruppe das ehemalige Industrieareal der Firma Streiff in Aathal übernommen und sich damit ein Filetstück im grössten zusammenhängenden städtebaulichen Entwicklungsgebiet des Kantons gesichert.

«Uster entwickelt sich immer mehr zu einer beliebten Gemeinde»

Auch in Uster, wo die Autobahn schon lange die Stadt vom Verkehr entlastet, waren es ehemalige Industrieareale, die massgeblich zur schnellen Entwicklung des Städtchens zur Regionalmetropole mit beitrugen und noch beitragen werden. So etwa beim Zellweger-Park, wo bis 2012 138 Mietwohnungen und 51 Eigentumswohnungen entstehen. «Uster entwickelt sich immer mehr zu einer beliebten Gemeinde für die Käufer von Stockwerkeigentum», sagt Andy Sutter von der Immobilienfirma Beat Odinga in Uster, die das Objekt im Zellweger-Park vermarktet. Die Nachfrage nach den neuen Wohnungen wird nicht zuletzt durch die Stadt Zürich gepusht: Unter den Neuzuzügern, die sich eine Wohnung kaufen, sind nämlich viele Stadtzürcher, die dort keine bezahlbare Wohnung finden.

Erstellt: 26.11.2010, 13:39 Uhr

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