Viele Greifvögel sterben vor Hunger

Im Tierspital Zürich werden zurzeit regelmässig stark geschwächte Greifvögel abgegeben. Sie leiden unter dem harten Winter.

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Zürich - Der Mäusebussard wurde am Montag in Urdorf stark geschwächt aufgefunden und ins Tierspital gebracht. Er erhielt Schmerzmittel, wurde geröntgt, an die Infusion gehängt und über eine Sonde mit speziellem Hundefutter gefüttert. Vergeblich: Er war so schwach, dass Jean-Michel Hatt, Direktor der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere am Tierspital, gestern Nachmittag beschloss, ihn einzuschläfern.

In den letzten Tagen wurden mehrere Greifvögel - Bussarde, Milane und Falken - ins Tierspital gebracht, weil sie halb verhungert aufgefunden wurden. Hatt streicht beim Bussard das Brustbein frei - «der Vogel ist brandmager, das Brustbein messerscharf, er hat sicher seit einer Woche nichts mehr gefressen.» Die Schweiz erlebt zurzeit nicht nur einen der kältesten Januare seit fast einem Vierteljahrhundert - auch der Schneefall war ungewöhnlich: 16 Tage mit Neuschnee wurden in Zürich registriert - ein Rekord. Und genau diese geschlossene Schneedecke und der gefrorene Boden macht den Greifvögeln das Leben schwer. Während sie sich sonst, wenn im Winter die Mäuse rar werden, mit Insekten und Würmern über die Runden bringen, ist das bei Schnee und gefrorenem Boden nicht möglich. Der tote Bussard wog noch 490 Gramm. Ein gesundes Männchen ist im Schnitt 790 Gramm schwer.

Bestände sind nicht gefährdet

Für rund zwei Drittel der eingelieferten Greifvögel kommt jede Hilfe zu spät. «Sie sind manchmal so geschwächt, dass sie nicht einmal mehr die Energie aufbringen können, die Nahrung zu verwerten», sagt Hatt. Gelingt es aber, den Vogel zu stabilisieren, muss er erst in die Reha. «Wie bei einem Spitzensportler wird ihre Muskulatur langsam wieder aufgebaut.» Aufgepäppelt werden nur jene Tiere, die reelle Chancen haben, fit für die freie Wildbahn zu werden. Hatt: «Wir geben keine Vögel an Volieren ab.» Denn Bussarde und Milane sind im Bestand nicht gefährdet. Trotzdem findet der Tierarzt es richtig, sie nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen - «weil sich die Menschen um sie kümmern». Es mache aber keinen Sinn, sie selbst füttern zu wollen.

Im Tierspital landen nicht nur hier heimische Vögel: Anfang Januar wurde ein Adler aus dem Diemtigtal gebracht, der an einer Bleivergiftung leidete. Wahrscheinlich hatte er Bleiteile mit dem Futter aufgenommen. Doch am verblüffendsten war der Befund, der vor kurzem die Magenspiegelung bei einem Schwan aus dem Zürichsee ergab: Der Schwan hatte eine fingerlange und drei kleine Schrauben verschluckt. Adler und Schwan sind wieder wohlauf. Helene Arnet Diesem ausgewachsenen Mäusebussard konnte Tierarzt Jean-Michel Hatt vom Tierspital nicht mehr helfen. Foto: Sophie Stieger

Erstellt: 03.02.2010, 02:01 Uhr

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