Volk soll über Stettbach-Kredit entscheiden

CVP, EVP, GP, Juso und SP Dübendorfs lancieren eine Volksinitiative. Sie wollen, dass das Volk doch noch über die 4,4 Mio. Franken für den Bahnhof Stettbach abstimmen kann.

Die Initianten finden, dass der Bahnhof Stettbach zusätzliche Veloabstellplätze, Dächer und Licht benötigt.

WALTER VON ARBURG

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«In einer so wichtigen Angelegenheit muss das Volk das letzte Wort haben», sagt Patrick Angele (Juso). Darum haben er und 14 Vertreter von CVP, EVP, GP, Juso und SP ein Komitee gegründet und eine Volksinitiative lanciert. Sie verlangen, dass der 4,4-Millionen-Franken-Kredit für den Ausbau des Bahnhofs Stettbach doch noch an die Urne kommt. Am 6. Oktober hatte der Gemeinderat den Kredit mit 20 zu 14 Stimmen abgelehnt. Weil das Parlament Nein sagte, gibt es laut neuem Initiativrecht keine Urnenabstimmung. Das Volk wäre nur befragt worden, wenn der Gemeinderat den Kredit gutgeheissen hätte.

Eine erste Hürde hat die Initiative bereits genommen. Der Stadtrat hat sie an seiner Sitzung vom vergangenen Donnerstag als formal zulässig erklärt. Nun müssen die Initianten 300 gültige Unterschriften zusammenbringen. Und das in möglichst kurzer Zeit, sonst ist der ins Auge gefasste Abstimmungstermin vom 17. Mai 2009 kaum mehr einzuhalten. Diesen nannte Andreas Flury, Direktor der Verkehrsbetriebe Glattal gegenüber dem TA als letztmöglichen Zeitpunkt, damit der Ausbau des Bahnhofs, der im März 2009 beginnt, termingerecht auf die Inbetriebnahme der Glattalbahn im Dezember 2010 fertig wird.

300 Unterschriften nötig

«Die 300 Unterschriften zusammenzubringen, ist keine Sache», ist CVP-Präsidentin Andrea Kuhn überzeugt. Die Initianten sind zuversichtlich, die nötigen Unterschriften schon nächste Woche im Stadthaus deponieren zu können. Ihr Engagement begründet Kuhn damit, dass es hier um mehr als bloss einen Kredit gehe. «Der Bahnhof Stettbach ist baufällig. Wenn wir ihn nicht gründlich auffrischen, besteht die Gefahr, dass das Gebiet verslumt.» Komiteemitglied Max Senn (SP) erinnert daran, dass ohne die total gut 13 Millionen Franken der Städte Dübendorf und Zürich keine gedeckten Verbindungen zwischen den Haltestellen von Glattalbahn, Trams und Bussen gebaut werden können. Es gäbe auch keine zusätzlichen Veloabstellplätze und auch keine verbesserte Gesamtbeleuchtung.

«Die ÖV-Benützer werden wörtlich im Regen stehen gelassen», bringt es EVP-Gemeinderat Matthias Maag auf den Punkt. Das sei eines Grossbahnhofs unwürdig. Das Initiativkomitee befürchtet zudem, dass die Kosten für das nachträgliche Aufrüsten des Bahnhofs mit Dächern und Veloständern die Stadt Dübendorf deutlich teurer zu stehen käme, als wenn alles jetzt gebaut würde. «Und dass nachgerüstet werden muss, ist jetzt schon klar», sagt Andrea Kuhn. «Die Passagiere werden die fehlende Infrastruktur nicht akzeptieren.»

Unterstützung von Eawag und Empa

Für ihr Anliegen erhalten die Initianten unerwartete Schützenhilfe. Die beiden ETH-Anstalten, die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) mit ihren 300 Angestellten und die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) mit 600 Mitarbeitern in Dübendorf, werden die Unterschriftenbogen beim Personal ebenfalls zirkulieren lassen. Das bestätigt Thomas Lichtensteiger, Mitglied des Eawag-Direktionsstabs. «Viele unserer Angestellten benützen heute schon die Veloabstellplätze beim Bahnhof Stettbach. Weil mit der Glattalbahn wohl noch mehr Mitarbeiter mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit fahren werden, haben wir ein grosses Interesse daran, dass die Veloeinstellmöglichkeiten im neuen Bahnhof ausgebaut werden.» Lichtensteiger betont, dass die Eawag damit nicht Politik betreibe, sondern lediglich die eigenen Interessen wahrnehme.

Der Zürcher Gemeinderat hatte dem Stadtzürcher Anteil am Ausbaukredit für den Bahnhof Stettbach Anfang September deutlich zugestimmt. Allerdings war das Zürcher Ja an die Zustimmung aus Dübendorf geknüpft. Die Glattalbahn wird zwar auch ohne die total gut 13 Millionen Franken aus Dübendorf und Zürich gebaut. Der Bahnhof Stettbach müsste aber praktisch ohne Dächer, ohne 200 zusätzliche Veloabstellplätze und ohne neue Beleuchtung auskommen. Stettbach ist heute der siebtgrösste Bahnhof im Kanton. 23’000 Menschen benützen ihn täglich zum Ein-, Aus- oder Umsteigen. Laut Prognosen wird er mit der Glattalbahn zum viertgrössten Bahnhof im Kanton Zürich avancieren.

Erstellt: 28.10.2008, 00:03 Uhr

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