Vom Oberkellner zum Flughafenberater

Der Terror hatte den Wahlbülacher Danny Möri aus Peru vertrieben. Seine Leidenschaft, die Fliegerei, führt ihn stets zurück: Der Flughafen in Lima soll besser wirtschaften.

Flog letztes Jahr mit drei peruanischen Militärpiloten in einem Pilatus Porter über die Alpen: Danny Möri (3. von links).

Flog letztes Jahr mit drei peruanischen Militärpiloten in einem Pilatus Porter über die Alpen: Danny Möri (3. von links). Bild: PD

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Danny Möri weiss noch nicht, womit er im Sommer sein Geld verdienen wird. Zehn Jahre hat er im Bülacher Meier’s Come Inn als Chef de Service gearbeitet, seit der Eröffnung. Nun haben die Inhaber beschlossen, das Restaurant Ende April zu schliessen. An Ideen mangelt es dem 34-Jährigen nicht. Doch die drehen sich hauptsächlich um sein Hobby, die Luftfahrt. «Ob ich damit meinen Lebensunterhalt bezahlen kann, bezweifle ich», sagt der in Bülach wohnhafte peruanisch-schweizerische Doppelbürger.

Sein Grossvater verliess in den 20er-Jahren die Schweiz und wanderte nach Peru aus. Dort stieg er ins Immobiliengeschäft ein und eröffnete mit anderen Schweizern ein Hotel. Im Betrieb wuchsen sowohl sein Sohn als auch sein Enkel Danny auf. Der Junge lebte in guten Verhältnissen, doch lieferten sich zwischen 1990 und 2000 die Regierung des peruanischen Staatspräsidenten Alberto Fujimori mit extremistischen Gruppierungen einen erbitterten Kampf. Tagtäglich war die Welle der Gewalt spürbar. Und sie ging auch an Danny Möri nicht vorbei: «Der Vater meines Schulkollegen wurde vor meiner Nase erschossen», erinnert er sich.

In Peru ein gefährliches Hobby

Um dem Terror zu entfliehen, machte er sich seine zweite Staatsbürgerschaft zu- nutze und setzte sich in die Schweiz ab. In Davos besuchte er die Servicefachschule. Nach Stationen bei Mövenpick und anderen Gastrobetrieben landete er schliesslich im Meier’s Come Inn. Mittlerweile geschieden, lebt der Vater einer 13-jährigen Tochter mit seiner Lebenspartnerin zusammen. In Bülach fühlt er sich wohl. Den Kontakt zu seiner Heimat hat er aber nie ganz verloren.

In seiner Heimatstadt Lima sind die Auswirkungen des damaligen Terrors noch heute sichtbar. Wer wie Danny Möri nichts lieber macht als sich mit der Luftfahrt zu befassen und Flugzeuge zu fotografieren, hat es schwer. Die Flughäfen sind von hohen Mauern umgeben. Wird jemand beim Fotografieren erwischt, verbringt er die nächsten Tage in einer Zelle – bis sichergestellt ist, dass er keine terroristischen Motive hegt. «Sich entlang der Pisten aufzuhalten und zu fotografieren, ist streng verboten», sagt Möri. Immer wieder würden Polizeihelikopter über dem Flughafen kreisen.

«Gefährlich sind aber auch die Diebe, die einem im Gelände um den Flughafen herum auflauern könnten.» Dagegen sei der Flughafen Zürich mit seinen Umzäunungen und den Öffnungen für die Kameras der Spotter das reinste Paradies.

Umso mehr nutzt Danny Möri einen grossen Teil seiner Freizeit, um Flugzeuge zu fotografieren und Berichte über die Luftfahrt in der Schweiz und dem restlichen Europa zu schreiben. Seine Artikel erscheinen regelmässig in «Peru Defensa». Für die Luftwaffen-Zeitschrift hat er eine längere Reportage über den Schweizer Flugzeughersteller Pilatus geschrieben. Peruanische Militärpiloten absolvieren einen Grossteil ihrer Ausbildung auf Pilatus-Maschinen.

Zum Jubiläum über die Alpen

Ein grosser Wunsch Danny Möris ging letztes Jahr in Erfüllung. Zum Jubiläum des Alpenflugs des französisch-peruanischen Pioniers Jorge Chávez durfte er mit peruanischen Piloten ebenfalls die Alpen überfliegen – auf der gleichen Route, auf der es Chávez als erster Mensch im Jahr 1910 geschafft hatte.

In Peru, wo 2010 wie in der Schweiz 100 Jahre Luftfahrt gefeiert wurden, habe der Stellenwert der Luftfahrt zugenommen, sagt Möri. Die Fluggesellschaften setzten auf moderne Flotten, nur die Angst vor Terror sei geblieben. Dennoch sieht Möri auch ein Potenzial auf den Flughäfen. Im Mai trifft er sich in Lima mit dem Direktor des Aeropuerto Internacional Jorge Chávez. Er will ihm ein Konzept vorstellen, wie der Flughafen mit Läden, Restaurants und Zuschauerterrassen mehr Besucher anlocken und letztlich bessere Erträge erzielen kann. An Anschauungsmaterial wird es Möri nach seinen unzähligen Stunden am Flughafen Zürich nicht fehlen.

Erstellt: 26.02.2011, 00:18 Uhr

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