Was die Seilbahn vom Fischstäbli unterscheidet

Die ZKB plant eine Gondelbahn über den Zürichsee. Die Quartiere wünschen sich stattdessen ein Schiff – dabei haben sie gar nicht Geburtstag.

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Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat da eine Idee: Zu ihrem 150. Jubiläum möchte die Bank eine Seilbahn über den Zürichsee bauen. Damit liesse es sich ab 2020 für mindestens fünf Jahre von der Landiwiese ans Zürichhorn und zurück gondeln. Oder vom Zürichhorn rüber auf die Landiwiese (und im Bedarfsfall natürlich auch wieder zurück).

Das Geschenk hat einen ganz simplen Sinn und Zweck:
Die Leute mit einer Gondelfahrt erfreuen.

Und wie das so ist mit grossen Ideen – die Kritik kommt. Sie kommt in diesem Fall aus dem Quartier Riesbach, ein bisschen weniger laut aus der Enge und Wollishofen. Vom rechten Seeufer tönt es: altbacken, nicht innovativ, hatten wir schon mal.

Ein Geschenk ist immer auch eine Geste

Das sind miesepetrige Argumente gegen etwas, das einen ganz simplen Sinn und Zweck hat: Die Leute in und um Zürich mit einer Gondelfahrt über das Seebecken zu erfreuen. Ihr Leben für die Zeit der Überfahrt zu entschleunigen. Ihnen eine ungewohnte Perspektive über unsere Stadt zu bieten. Ihnen einen privilegierten Ausblick in die Glarner Alpen zu ermöglichen.

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Seilbahn oder Schiffsverbindung?






Die Quartiervereine spielen die Idee der Bank gegen eigene Wünsche und Begehrlichkeiten aus. Besser als eine Gondel für fünf Jahre, monieren sie, wäre eine Schiffsverbindung, die zwischen Zürichhorn und Landiwiese pendelt. So, wie sie es schon lange fordern. Die 60 Millionen der Bank würden in diesem Fall für fünfzig Jahre reichen, rechnen sie vor.

Fairtrade-Bananen von der UBS?

Das ist ungefähr so, als würde sich die Stadt bei den Grossbanken freundlich für die Steuermillionen bedanken, und anfügen, «sehr geehrte Herren Ermotti und Thiam», die Geldinstitute möchten doch ihre Milliarden künftig nicht mit dem Handel von Aktien und derivativen Produkten, sondern mit Fairtrade-Bananen und Bio-Kaffeeprodukten erwirtschaften.

Video: Das sagen Passanten zur Seilbahn

Spektakulär: Ja. Notwendig: Nein. Die Meinungen auf der Strasse gehen auseinander. Video: Lea Blum

Es zeigt sich im Wunsch nach einer Schiffsverbindung aber noch ein grundsätzliches Missverständnis: Die ZKB schenkt der Stadt keine Gondelbahn. Sie investiert 60 Millionen in eine Idee, eine werbewirksame Idee, die sich über die fünf Jahre hinweg rechnen soll. Im besten Fall sogar nicht nur für das Image gewinnbringend ist. Niemand gondelt gratis, die Fahrt kostet (mindestens) einen Schiffsfünfliber.

Wäre es die Absicht der Bank, das Seefeld, Wollishofen und die Enge zu deren Quartiergeburtstagen zu beschenken, dann, aber wirklich nur dann, dürften sie sich von der ZKB ein Schiffli wünschen. Und Chicken Nuggets oder Fischstäbli zum Znacht.

Erstellt: 14.07.2017, 11:01 Uhr

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