Wenig Ferien und trotzdem zufrieden

Obwohl der Kanton bei den Ferientagen knausrig ist, hat er keine Mühe, Personal zu finden.

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Von René Donzé

Zürich &endash Für Gewerkschaftssekretär Christoph Lips ist es ein «Skandal», dass kantonalen Angestellten verwehrt wird, was in der Privatwirtschaft schon lange die Norm ist: mindestens fünf Wochen Ferien für alle. Heute gewährt der Kanton den 20- bis 50-Jährigen bloss vier Wochen. Mit ihrer Initiative, über die am 27. November abgestimmt wird, wollen die Gewerkschaften dies ändern. Es gehe dabei auch um Fairness jenen gegenüber, «die den Kanton rund um die Uhr am Laufen halten», so Lips. Etwa Angestellte der Polizei und des Gesundheitswesens. Der Kanton beschäftigt rund 35 000 Menschen. Da sich viele Gemeinden und Anstalten am Kanton ausrichten, wären von einer Änderung mehr als doppelt so viele betroffen.

Rund drei Viertel der Arbeitnehmenden in der Schweiz haben heute mindestens fünf Wochen Ferien. Etwa die Hälfte der Kantone gibt sich grosszügiger als Zürich. Damit stellt sich die Frage, ob der Kanton als Arbeitgeber überhaupt noch konkurrenzfähig ist. Selbst der Regierungsrat, der die Initiative ablehnt, schreibt, dass sich eine Erhöhung der Ferienansprüche «mit Blick auf die Konkurrenzsituation am Arbeitsmarkt durchaus begründen liesse». Er ist aber wegen der Mehrkosten von 44 Millionen Franken im Jahr dagegen, das entspricht knapp einem Steuerprozent.

Bernard Zeller, Personaldirektor bei Manpower Schweiz, staunt darüber, dass ausgerechnet das reiche Zürich derart knausrig ist. Er bezeichnet fünf Wochen als normal. «Ich hätte Mühe, jemandem einen Job mit bloss vier Wochen Ferien zu vermitteln.» Er räumt allerdings ein, dass die öffentliche Hand dennoch als guter Arbeitgeber gilt: Dank hoher Jobsicherheit, grosszügigen Sozialleistungen und Überzeitregelungen.

Diesen Eindruck bestätigt Gregor Messerli, Chef des kantonalen Personalamtes: «Ferien sind selten ein Entscheidungskriterium bei Einstellungsgesprächen.» Meist sei es kein Problem, offene Stellen zu besetzen. Viel höher würden andere Faktoren gewichtet, etwa faire Löhne und eine sinnvolle Tätigkeit. Wichtiger sei auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: flexible Arbeitszeiten, Teilzeitstellen und grosszügige Kompensationsmöglichkeiten. So können kantonale Angestellte auf allen Hierarchiestufen jede Minute Mehrarbeit erfassen und kompensieren &endash bis zu 15 Tage pro Jahr. Vielerorts in der Privatwirtschaft gilt indes: Wer länger im Büro ist, ist selber schuld. «Viele, auch kleinere, Unternehmen kennen die sogenannte Vertrauensarbeitszeit», sagt Zeller.

Die Stadt will nicht nachziehen

Die Stadt Zürich ist ihren Angestellten gegenüber grosszügiger als der Kanton. Zwar gewährt sie im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auch bloss vier Ferienwochen. Doch erhalten alle Angestellten sechs zusätzliche Betriebsferientage, die vom Stadtrat festgelegt werden &endash etwa nach Auffahrt oder zwischen Weihnachten und Neujahr. Wer trotzdem arbeiten muss, kann diese Tage kompensieren. Laut Auskunft des städtischen Personalamts spielt die Ferienfrage eine untergeordnete Rolle. Eine Annahme der kantonalen Initiative würde auch nicht zu einer automatischen Anpassung des städtischen Personalrechts führen. «Es gibt keinen Grund für die Stadt, bei einem allfälligen Ja nachzuziehen», sagt Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP).

Erstellt: 22.11.2011, 06:28 Uhr

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