«Wikileaks hat schon Brisanteres enthüllt»

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WikileaksEin Stich ins Wespennest Washington,TA vom 30. November

Skandalöser Umgang mit Daten.

Mag sein, dass die Veröffentlichungen von Wikileaks kriminell und gefährlich sind. Vielleicht sollte man aber auch einmal die Frage stellen, wie kriminell und gefährlich es ist, solche Daten zu sammeln und sich auch noch stehlen zu lassen. Da muss Schlamperei im grossen Ausmass mit im Spiel gewesen sein; das ist der wirkliche Skandal. Es ist naiv, zu glauben, grosse Datenbestände mit sensitivem Inhalt liessen sich ohne angemessene Massnahmen schützen.

Rudolf Schmid, Dietlikon

Selbstinszenierung.

Es ist unerhört, was sich der Heuchler Julian Assange mit der häppchenweisen Veröffentlichung der brisanten Wikileaks-Dokumente erlaubt. Er missbrauchte Wikileaks zur Verbreitung antiamerikanischer Parolen und für die Generierung von Medieninteresse. Die Presse- und die Meinungsfreiheit sind grosse Werte, doch lässt es sich auch sehr leicht unter dem Deckmantel dieser Freiheiten hetzerisch politisieren. Ich bin kein überzeugter Anhänger der US-Botschaften, doch steht die unabhängige Berichterstattung über Themen der Weltöffentlichkeit bei mir hoch im Kurs. In Wikileaks sah ich anfangs einen solchen Berichterstatter, der ausserdem intelligentes Agendasetting betrieb. Mittlerweile ist es nur noch traurig, welche Formen diese Assange-Selbstinszenierung angenommen hat.

Roman Gibel, Luzern

Unkontrollierbare virtuelle Welt.

Überraschend oft dominierte Julian Assange in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen mit brisanten Informationen aus der zwielichtigen Welt der Diplomatie. Fast täglich machen Zeitungen mit einem neuen, scheinbar willkürlich gewählten Skandal aus den geheimen Depeschen von Wikileaks auf. Doch wissen wir alle um die Komplexität von internationalen politischen Beziehungen und die oft nicht ganz gesetzeskonformen Mittel, mit denen Interessen durchgesetzt werden. Ein Internetpirat, dessen Auftritte vorwiegend virtueller Natur sind, klärt uns nun auf über die Peinlichkeiten unserer Landesvertreter, und wir empören uns über «Vergehen» in unserem Namen, geschehen für unsere Interessen. Immer schon wussten wir Informationen aus dem Internet mit Vorsicht zu geniessen, denn diese sind in gewissem Sinne surreal und gelten zumeist nicht als fundierte Quellen. Dennoch stösst Julian Assanges Arbeit auf enorme Resonanz, und wir verschlingen gierig die von ihm verkündeten Skandale, ungeachtet deren Selektion durch einen uns weitgehend unbekannten Informanten. Auch ich verfolge amüsiert die Entwicklungen im Fall Wiki-leaks, unterhalten werde ich jedoch nicht nur durch die explosiven Veröffentlichungen, sondern vor allem durch die Person Julian Assange, dem aus dem Untergrund operierenden Internetrevolutionär, der gegenwärtig die ganze Welt in Atem hält. Er zeigt uns eindrücklich auf, wie unkontrollierbar die virtuelle Welt noch ist und wie einfach es ist, Menschen mithilfe ihrer Neugierde zu manipulieren.

Hans Schinz, Zürich

Indirektes Lob für Blocher.

Wie schmeichelhaft für Christoph Blocher. Der US-Botschafter liess in die USA übermitteln, dass Christoph Blocher der Guru der SVP Schweiz sei. Ein Guru ist ein Lehrer und hat in Indien einen grossen Stellenwert. Im Westen könnte mit Guru ein Fachmann mit überdurchschnittlichem Wissen, langer Erfahrung und charismatischer Ausstrahlung gemeint sein. Ich gratuliere dem Botschafter zu seiner Einschätzung.

Doris Schneider, Kägiswil

Unnötige Aufregung.

Weshalb diese Aufregung über die neue Veröffentlichung auf Wikileaks? Alles, was da zu lesen angeboten wird, ist wahrlich nichts weiter als ein alter Hut. Jede auf geistreichem Niveau agierende politische Kabarettgruppe – solche existieren nach wie vor auch nach dem Abgang des grossartigen Dieter Hildebrandt – bereichert ihre Aufführung in ihrem Standardprogramm schon längst mit noch wesentlich gepfefferteren Beschreibungen politischer Grössen. Demzufolge dürfte an den Äusserungen von Politikern über ausländische Kollegen etwas Wahres dran sein. Dass Julian Assanges nicht autorisiertes Herumschnüffeln hinterfragt wird, wird er akzeptieren müssen.

Hans Gamliel, Rorschach

Ist Wikileaks Fluch oder Segen?

Der Informationsgehalt von Aussagen wie «Berlusconi sei unfähig, und Sarkozy habe ein sehr grosses Ego» ist nicht wirklich gross, da solche Einschätzungen auch regelmässig in Zeitungen zu lesen sind. Wikileaks hat definitiv schon brisantere Dokumente und Details enthüllt und sich damit als digitaler Leuchtturm im Enthüllungsjournalismus etabliert. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass sich in Zukunft weitere solche Leuchttürme zu Wikileaks gesellen werden. Die entscheidende Frage wird sein, wie Politiker, Regierungen, Firmen und letztlich wir alle als Privatpersonen mit diesen Enthüllungsplattformen umgehen? Ursprünglich geschaffen von einer Regierung, um möglichst viele Menschen zu erreichen und damit auch kontrollieren zu können, ist das Internet zu einem unkontrollierbaren Raum für Regierungen und die Politik im Allgemeinen geworden. Wird die Politik dadurch offener und ehrlicher oder eher wieder verschlossener und elitärer? Beide Szenarien sind denkbar. Eng verbunden damit sind auch die Themen Datenschutz und Datensicherheit. Die Rahmenbedingungen von einst sind für die ungebremste Internettechnologie völlig unzureichend und veraltet. Ist das Internet nun also Fluch oder Segen? Das gleiche Frage stellt sich auch in Sachen Wikileaks. Die Antwort hängt davon ab, ob man den Staat und seine Kontrolle als störend oder als beruhigend erachtet. Natürlich ist auch das Motiv der jeweiligen Plattform mitentscheidend. Das Allerwichtigste jedoch ist die persönliche kritische Distanz und die Stärkung des gesunden Menschenverstandes.

Pascal Merz, Sursee

«Julian Assange zeigt uns auch, wie einfach es ist,Menschen mithilfe ihrer Neugierde zu manipulieren.»

Julian Assange, der umstrittene Gründer von Wikileaks.Foto: Dan Kitwood (Getty Images)

Erstellt: 02.12.2010, 19:00 Uhr

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