«Wir dulden in diesem Land keinen Antisemitismus»

FDP-Nationalrätin Doris Fiala hielt in Zürich eine flammende Rede für Israel und gegen Antisemitismus. An der Pro-Israel-Kundgebung auf der Rathausbrücke war die Polizei mit einem Grossaufgebot vor Ort.

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Mitten in Doris Fialas beherzter Rede für Israel gab es laute Rufe am Rand der Pro-Israel-Kundgebung. «Kindermörder», riefen aufgebrachte Männer. Sie waren so laut, dass die FDP-Nationalrätin Fiala kurze Zeit innehielt, aber gleich weiter redete. Sie verurteilte das «lange Schweigen der Schweiz» zum aktuellen Krieg in Gaza, forderte, dass nun Klartext gegen die Hamas gesprochen werde. Währenddessen wurden die rufenden Männer von der Polizei weggewiesen.

Fialas Rede wurde von den rund 1000 anwesenden Männern und Frauen auf der Rathausbrücke immer wieder von spontanem Applaus unterbrochen. Positive Zurufe erhielt sie vor allem, als sie sagte: «Wir dulden in dieser Stadt, in diesem Kanton, in diesem Land keinen Antisemitismus.»

Drei Frauen für Palästina

Ebenfalls am Rand der Pro-Israel-Kundgebung standen drei Frauen, welche die Pro-Palästina-Demonstration vor zwei Wochen organisiert hatten. Sie brachten einige jüdische Anwesende gegen sich auf, obwohl sie still dort standen mit einer Palästina-Fahne, bunten Gladiolen und einigen Flyern in der Hand.

Sie wollten nochmals zeigen, weshalb sie die Kundgebung am 18. Juli organisiert hatten: «Um für den Frieden für alle einzustehen», sagte Organisatorin Jasmin Schmid. Die Kundgebung sei nicht gegen Israel gerichtet gewesen.

Grossaufgebot der Polizei

Zur Kundgebung von heute Abend hat eine Gruppe von 18 Personen rund um den Winterthurer Marvin Obrist aufgerufen. Der konfessionslose Obrist hat Israel mehrmals bereist und hat Freunde auf beiden Seiten: Er kennt Israeli und Palästinenser. Und bekommt mit, wie diese leiden.

Deshalb hat er gemeinsam mit Facebook-Bekannten die Demonstration organisiert, die heute Abend um 19.30 Uhr auf der Rathausbrücke in Zürich stattfand. Zur Sicherheit der Beteiligten war die Polizei mit einem Grossaufgebot vor Ort. Die Kundgebung verlief mehrheitlich friedlich.

Demonstration für Israel

Die Demonstration richte sich gegen die aktuelle Situation in Gaza, sagte Obrist. Die Organisatoren unterstützen Israels Recht auf Selbstverteidigung und verlangen von der Schweiz, die Hamas als Terrororganisation wahrzunehmen – «genauso wie die Al-Qaida». Sie sehen ihre Kundgebung als «Demonstration für den Frieden». Eine Schweigeminute für alle Opfer des Krieges wurde abgehalten.

Die Demonstranten wehren sich auch gegen die Gewaltaufrufe gegen Juden, die jüngst im Internet kursierten. Diese kamen im Vorfeld zur Pro-Palästina-Kundgebung vom 18. Juli in Zürich auf. Die Organisatorin dieser Demonstration distanziert sich deutlich von diesen Aufrufen.

Die dritte Kundgebung in Zürich

Die Pro-Israel-Kundgebung wird offiziell von der Schweiz-Israel-Gesellschaft und von der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich unterstützt. Nebst FDP-Nationalrätin Doris Fiala hielten auch die Zürcher FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff und Rolf Walther, Präsident der Zürcher Schweiz-Israel-Gesellschaft eine Rede. Alle drei sprachen sich für das Selbstverteidigungsrecht Israels aus.

Seit der Krieg in Gaza vor drei Wochen aufgeflammt ist, haben in Zürich verschiedene Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen. Vor zwei Wochen fand die Pro-Palästina-Kundgebung statt, an der rund 1000 Männer und Frauen teilnahmen. Zudem demonstrierten diese Woche rund 50 jüdische Zürcherinnen und Zürcher für einen gleichberechtigten Frieden. Sie forderten, dass beide Seiten die Raketen stoppen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2014, 17:33 Uhr

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