«Wir hätten gerne einen weiteren Mieter präsentiert»

Die Flughafen Zürich AG kann das Projekt The Circle umsetzen, weil sie selber zur Mieterin wird. Der grosse Ankermieter fehlt jedoch nach wie vor.

Thomas Kern ist glücklich, dass er das Projekt The Circle noch vor seinem Abgang in die Wege leiten konnte.

Thomas Kern ist glücklich, dass er das Projekt The Circle noch vor seinem Abgang in die Wege leiten konnte. Bild: Sophie Stieger

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Nun realisieren Sie das Circle-Projekt definitiv, und die Flughafen Zürich AG wird selbst zur Mieterin. Sie haben immer gesagt, Sie bauen erst, wenn Sie 50 Prozent der Fläche vermietet haben. Haben Sie dies nun auch ohne den grossen Ankermieter erfüllt?
Mit den bereits bekannten Mietern Hyatt-Gruppe, Universitätsspital Zürich, Swatch Group, Caviar House & Prunier, dem Modehaus Grieder und eben unserer eigenen Firma erreichen wir tatsächlich eine Vermietungsquote von 50 Prozent für den Bau der ersten Etappe des Circle.

Wie gross ist der Prozentanteil der Flughafen Zürich AG?
Wir werden im Hauptflügel des Circle mit 140'000 Quadratmetern Nutzfläche für unsere 600 Mitarbeiter eine verhältnismässig kleine Fläche belegen. Unser Anteil an der Vorvermietquote ist dementsprechend klein.

Das tönt nach Notlösung. Ist die Flughafen Zürich AG in die Bresche gesprungen, um das Projekt zu realisieren?
Nein. Es war schon immer geplant, dass der Hauptsitz der Flughafen Zürich AG dereinst wieder näher an den Ort des Geschehens, nämlich an den Flughafenkopf, verlegt wird. Als wir vor 14 Jahren den Hauptsitz in Rümlang bezogen, rechneten wir mit einer Mietdauer von zehn Jahren. Währenddessen sind viele dezentrale Büros entstanden, weshalb wir nach der idealen Fläche suchten, wieder alle unter einem Dach zu vereinen. Im Circle haben wir sie gefunden.

Und warum haben Sie diesen Plan nicht schon früher kommuniziert?
Offen gesagt, wollten wir uns als Mieter zusammen mit einem anderen Büromieter präsentieren. Doch den haben wir nicht gefunden, obwohl die Liste möglicher Interessenten lang ist. Aber ich bin sehr glücklich über den Entscheid, den wir nun kommunizieren konnten, weil er uns bei der Suche nach weiteren Mietern sicherlich unterstützen wird.

Sind Sie auch glücklich, weil Sie sich mit dem Circle nun definitiv ein Denkmal setzen können?
Von Denkmal will ich in diesem Zusammenhang nicht sprechen. Aber ich will nicht verhehlen, dass es ein grossartiges Projekt für den Standort ist und zu einer guten Entwicklung des Flughafens beiträgt. Ich bin aber vor allem glücklich für das Team von über hundert Personen, das seit einem Jahr aktiv an der Realisierung arbeitet, und vor allem für meinen Nachfolger Stephan Widrig, der bis vor kurzem das Projekt geleitet hat.

Mit nur gut 50 Prozent Vermietungsquote einen Bau von einer Milliarde zu realisieren, halten einige Analysten für riskant. Woher nehmen Sie den Mut?
Die Bedingungen, die wir von Beginn weg mit unserem Finanzierungspartner Swiss Life definierten, sind alle erfüllt worden. Der Realisierungsentscheid ist entsprechend ein logischer Schritt. Wir investieren an jedem Arbeitstag am Flughafen rund eine Million Franken und haben eine gesunde Finanzrechnung auszuweisen. Die Risiken stufen wir als überschaubar ein.

Sie sind überzeugt, dass Sie bis zur Fertigstellung 2018 trotz des Überangebots an Büroflächen in der Region noch einen Mieter finden werden?
Indem wir uns nun für die Realisierung entschieden haben, vermitteln wir den Unternehmen die Sicherheit, dass der Bau auch tatsächlich entsteht. Wir sind zuversichtlich, dass wir damit Firmen, die eine Vorlaufzeit von zwei Jahren brauchen, ansprechen.

In einem Monat beginnen bereits die Bauarbeiten. Weshalb nun diese Eile?
Wir gehen schön Schritt für Schritt vor. Ende September haben wir die Bauprojektphase abgeschlossen. Die anschliessende umfassende Prüfung hat gezeigt, dass die Kriterien hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Baukosten und Planung erfüllt sind. Die Baubewilligung liegt schon lange vor. Deshalb gibt es keinen Grund, Anfang 2015 nicht mit dem Bau der ersten Etappe zu beginnen. Als Erstes werden die Abbrucharbeiten der noch auf dem Gelände stehenden Gebäude in Angriff genommen. Im Herbst wird dann der erste Aushub gemacht.

Ist es denkbar, dass der Südflügel, den Sie als Reserve eingeplant haben, gar nie gebaut wird?
Das wäre denkbar. Die zweite Etappe wird realisiert, wenn die dortigen Büroflächen vermietet worden sind. Aber wir sind überzeugt, dass der Circle irgendwann in seiner vollen, halbrunden Form gebaut werden kann.

Werden Sie irgendwo im Circle auch nach Ihrer Pensionierung noch Ihr eigenes Büro haben?
Wer weiss. Aber bisher habe ich noch kein Büro gemietet. Ich glaube aber, dass ich das für meine späteren Aufgaben als Verwaltungsrat ausserhalb der Flughafen Zürich AG nicht mehr brauchen werde.

Erstellt: 05.12.2014, 18:18 Uhr

Thomas Kern

The Circle ist sein letztes Grossprojekt.

Thomas Kern (61) ist seit 2008 CEO der Flughafen Zürich AG. In seine Zeit fallen die Realisierung des Neubaus des Docks B, der neuen Zuschauerterrasse und des Sicherheitskontrollgebäudes. Es war auch an ihm, die Umsetzung des Staatsvertrages mit Deutschland voranzutreiben. Sein letztes Projekt ist der Circle, das geplante Dienstleistungszentrum in Gehdistanz zu den Terminals. Ende Jahr übernimmt Stephan Widrig sein Amt.

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