Zürcher Gemeinden im Vergleich (6)

Wo die nächste Haltestelle besonders weit weg liegt

Wie gut sind die Gemeinden im Kanton Zürich vom ÖV erschlossen? Unsere Analyse zeigt: Es gibt grosse Unterschiede. Und im landesweiten Vergleich liegen vier Kantone vor Zürich.


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Der Kanton Zürich ist vom öffentlichen Verkehr hervorragend erschlossen. 2531 Haltestellen sorgen dafür, dass man in der Regel nicht weit zur nächsten Station gehen muss. Im Durchschnitt beträgt die Luftliniendistanz lediglich 195 Meter. Es gibt aber grosse Unterschiede. In Hofstetten bei Winterthur zum Beispiel liegt die nächste Haltestelle durchschnittlich 1095 Meter von den Bewohnern entfernt.

Der Hofstetter Gemeinderat würde dies gern ändern. Immer wieder hat er den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) gebeten, auch die Weiler Huggenberg und Dickbuch zu erschliessen, welche drei Kilometer entfernt liegen. Doch er blitzte ab. Aus fahrplantechnischen Gründen und weil die Zahl der Reisenden zu klein wäre. Gemeindepräsident Roger Gerber versteht dies. Er sagt aber auch: «Man fühlt sich schon ein wenig links liegen gelassen.»

Kilchberg schlägt Stadt Zürich

Das können die Kilchberger nicht von sich behaupten. Sie wohnen im Durchschnitt lediglich 126 Meter von einer ÖV-Station entfernt. In keiner anderen Zürcher Gemeinde ist die Haltestellendichte derart hoch – auch nicht in der Stadt Zürich. Diese nimmt mit ihren 152 Metern lediglich den 12. Platz ein.

Zwar gibt es in der Stadt Zürich mit Abstand am meisten Haltestellen, nämlich 474. Verglichen mit der Einwohnerzahl sind das aber relativ wenige. 810 Einwohner teilen sich in der Stadt eine Station. Im kantonalen Durchschnitt sind es 561 Einwohner, in Kilchberg 277 und in Erlenbach gar nur 254. Entsprechend nah liegen in Erlenbach die Haltestellen. Die Goldküstengemeinde folgt nach Kilchberg auf dem zweiten Platz.

Erlenbach sei an einen steilen Hang gebaut, erklärt Gemeindeschreiber Hans Wyler. Da sei die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr besonders wichtig. Sonst würden die Bewohner mit dem Auto zum Bahnhof fahren, wo es keinen Platz für all die Personenwagen habe.

Wie Kilchberg weist auch Erlenbach ein kompaktes Siedlungsgebiet auf. Dies führt zu kürzeren Distanzen als in einer Gemeinde mit kleinen Weilern. Eine hohe Haltestellendichte spreche aber nicht zwingend für eine gute Qualität des öffentlichen Verkehrs, gibt ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger zu bedenken. Je öfter ein Bus halte, desto länger daure die Fahrt bis zum Ziel. Auch müsse man die Frequenz mitberücksichtigen, mit der eine Haltestelle bedient werde. Hält jede Stunde ein Bus, bringt dies den Anwohnern weniger, als wenn alle paar Minuten eine S-Bahn fährt.

Haltestellen sind dennoch beliebt. Pro Fahrplanperiode gibt es etwa fünf bis zehn Begehren, eine neue Station zu errichten. So hat sich in den letzten Jahren die durchschnittliche Distanz in den meisten Gemeinden verkürzt. Dies zeigt ein Vergleich der aktuellen, 2012 erhobenen Daten mit jenen vor zehn Jahren: Im kantonalen Durchschnitt sank der Wert von 208 auf 195 Meter. Dabei machte Greifensee den grössten Sprung. Dank der Einführung der neuen Buslinie 727 verkürzte sich dort die durchschnittliche Haltestellen-Distanz um zwei Drittel – von 594 auf 206 Meter.

Anders in Hüntwangen bei Eglisau: Dort verlängerte sich der Weg um über einen Drittel von 211 auf 294 Meter. Hauptgrund dafür ist das Zusammen­legen zweier Haltestellen im Dorf zu einer einzigen auf der Kantonsstrasse. Dies geschah vor acht Jahren im Einvernehmen mit der Gemeinde. Hüntwangen sei denn auch im Grossen und Ganzen zufrieden mit seiner Anbindung an den öffentlichen Verkehr, so Gemeindeschreiber Manuel Frei.

Ein Blick auf unsere eingefärbte Karte zeigt, dass vor allem das Gebiet in und um die Stadt Zürich gut vom öffentlichen Verkehr erschlossen ist. Dasselbe gilt für die beiden Zürichseeufer. Ziemlich rot zeigen sich dagegen das Weinland, das Unterland und das Oberland. Auch die Gemeinden um Winter­thur weisen relativ hohe Distanzen zur nächsten Haltestelle auf.

Landesweit an fünfter Stelle

Wenig überraschend korreliert diese Distanz mit der Autorate einer Gemeinde: Je weiter die Einwohnerinnen und Einwohner zur nächsten ÖV-Station gehen müssen, desto eher kaufen sie sich ein Auto.

Im landesweiten Vergleich steht der Kanton Zürich relativ gut da, wie eine Auswertung des Bundesamts für Raum­entwicklung zeigt. Nur Basel-Stadt, Genf, Tessin und Schaffhausen weisen kürzere Distanzen aus als Zürich. Die anderen Kantone liegen darüber. Am weitesten weg liegen die Haltestellen laut dem Bundesamt im Kanton Freiburg. Dort sind es im Durchschnitt 338 Meter.

Erstellt: 14.08.2014, 07:31 Uhr

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