ZKB zügelt von Wetzikon nach Uster

Die Zürcher Kantonalbank baut im Herzen von Uster. Wo einst Hanspeter Schmid einen Laden für Gartenprodukte führte, entsteht ein Geschäftshaus mit Wohnungen und Bistro.

Die beiden Liegenschaften (1. und 2. v. r.), die für das Projekt der ZKB abgerissen werden.

Die beiden Liegenschaften (1. und 2. v. r.), die für das Projekt der ZKB abgerissen werden. Bild: Nathalie Guinand

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46 Jahre verbrachte Hanspeter Schmid im schmucken Haus an der Webernstrasse 3 im Kern von Uster. Dort betrieb der Ur-Ustermer bis Dezember 2008 einen Landesproduktehandel. Jetzt machen er und seine Frau der «Zukunft» Platz. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) will auf der rund 1000 Quadratmeter grossen Parzelle vis-à-vis der Post bauen. Wo heute zwei alternde Gebäude stehen, plant die Bank ein vierstöckiges Geschäftshaus mit Wohnungen in den beiden Obergeschossen und einem Bistro im Parterre. Künftig wirken auf 65 Prozent der Nutzfläche Bankmitarbeiter, auf 30 Prozent werden Mieter hausen und auf der übrigen Fläche Bistrogäste einkehren. Unter dem Haus plant die Bank eine Tiefgarage, welche durch die Poststrasse erschlossen wird.

Laut Rolf Rufer, Leiter Marktgebiet Zürcher Oberland der ZKB, soll im Neubau einerseits die 60-köpfige Ustermer Filiale einziehen. Andererseits werden aber auch die 50 Mitarbeiter der Leitung der Firmenkunden sowie die Betreuer der Abwicklung, die bisher in Wetzikon tätig waren, in die neue Niederlassung zügeln. Rufer nennt für die Zusammenlegung zwei Gründe: Zum einen lasse sich in der heutigen Filiale an der Freiestrasse in Uster das Zweizonen-Bankkonzept nicht umsetzen. Damit meint er die Trennung des Automaten- und des Kundenbereichs. «Zum anderen sind die beiden Liegenschaften in die Jahre geraten.» Sie bedürften einer Sanierung. Diese beiden Häuser sollten künftig anderweitig genutzt werden, erklärt Rufer. Die Bank habe nach Alternativen gesucht und sei an bester Lage an der Webernstrasse 3 im Herzen Usters fündig geworden.

Urbane Entwicklung von Uster

Nach einer Machbarkeitsstudie habe das Team der Volketswiler CH Architekten ein Vorprojekt ausgearbeitet, welches die Bauherren der Stadtbildkommission unterbreiteten. Das Haus, das einst den Gartenladen beherbergte, figuriert nämlich im Inventar der schutzwürdigen Bauten. Laut Stefan Reimann, Leiter des Geschäfsfelds Hochbau und Vermessung der Stadt Uster, hat das Bauamt daraufhin ein denkmalpflegerisches Gutachten in Auftrag gegeben. Damit will es abklären, wie wertvoll das Haus tatsächlich ist. Die Gutachter bezeichnen das Gebäude als typisch für seine Zeit. Sie räumen aber ein, dass ausser der schönen Hülle nicht mehr viel originale Bausubstanz vorhanden sei. Dies schmälert den denkmalpflegerischen Wert des Gebäudes. «Wir haben daraufhin die Interessen in die Waagschalen gelegt», sagt Reimann. Für die Stadtbildkommission sei elementar, wofür man ein solches Haus opfere. «Und wenn sich Uster in eine urbane Richtung entwickelt, muss dies im Zentrum geschehen», führt Reimann aus. Darum begrüsse die Kommission grundsätzlich das Vorhaben der Bank. Die Bauherrschaft sei bereits auf einige Kritikpunkte eingegangen und habe das Vorprojekt angepasst. «Uns war beispielsweise wichtig, dass die Fassade nicht nur aus Glas, sondern aus Stein besteht.» Architekt Guido Rigutto greift denn auch auf Sandstein aus der Obersee-Region zurück: «Das verleiht dem Bau schlichte Eleganz.»

Stefan Reimann kündigt an: «Entspricht das Projekt letztlich den Erwartungen der Stadt und den geltenden Bauvorschriften, werden wir dem Stadtrat beantragen, er solle mit der Baubewilligung die Liegenschaft aus dem Inventar entlassen.» Von der Stadt besonders begrüsst werde die öffentliche Nutzung im Erdgeschoss, also das geplante Bistro. Für Rolf Rufer ist klar, wer an diesem Ort baut, trägt eine Verantwortung. «Wir wollen damit unseren Beitrag leisten, um den Kern Usters zu beleben.»

Hanspeter Schmid hat sich an den Gedanken gewöhnt, dass sein langjähriges Wohn- und Arbeitshaus dem Erdboden gleichgemacht wird. «Es war ein langer Ablösungsprozess, aber für etwas Gutes gebe ich es gerne her.» Und vollends werden sich der Rentner und seine Frau nicht von ihrem Zuhause trennen müssen. «Wir sind Kern-Ustermer und werden eine der Wohnungen im Obergeschoss des Neubaus beziehen.»

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Erstellt: 25.06.2010, 21:24 Uhr

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