Zürichsee-Auktionen werfen das Handtuch

Trotz eines neuen Mietvertrags hört das Erlenbacher Auktionshaus auf. Schuld daran sind die Grossbaustelle im Schärer-Areal und leere Versprechungen.

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Ein regulärer Auktionsbetrieb unmittelbar neben der Grossbaustelle entlang der Seestrasse sei nicht mehr möglich, sagt Ueli Eberhart, Geschäftsführer und Eigner der Zürichsee-Auktionen. Als Folge stellt das Erlenbacher Auktionshaus seine Tätigkeit nach fast zwölf Jahren Ende Dezember ein.

Die jüngst durchgeführte Herbstauktion habe seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, sagt Eberhart. Einen Umsatzrückgang von 50 Prozent könne man nicht so einfach wegstecken. Die Grossbaustelle auf dem Schärer-Areal habe viel zu viele Kunden abgeschreckt. Zudem habe die Bauherrschaft Zusicherungen abgegeben, die so nicht eintrafen. «Ich bin zornig und enttäuscht», sagt der 61-Jährige, der das Auktionshaus an der Goldküste aufgebaut und mit weltweit über 15'000 Kunden mittlerweile erfolgreich etabliert hat. Sowohl die Vermieter und Eigentümer des Areals, Nachkommen des Unternehmers Jakob Schärer, als auch die Verwaltung Graber Immobilien aus Herrliberg wollen zur jüngsten Entwicklung keine Stellung nehmen.

Eine Lösung lag bereit

Das Bauprogramm sah zwei Etappen vor. Dies hätte den Bau einer Tiefgarage so vorgesehen, dass zuerst der eine Teil ausgegraben und überdacht worden wäre, dann der andere. Damit wäre der lückenlose Zugang und die Zufahrt von der Frontseite gewährleistet gewesen. Mindestens hätten so die Ausstellungen und Auktionen reduziert durchgeführt werden können, sagt Eberhart.

Dass sich die Eigentümer kurzerhand dazu entschieden, das Projekt entgegen der getroffenen Abmachung in einer einzigen Etappe durchzuziehen, «hat uns schliesslich das Genick gebrochen». Ein neuer Mietvertrag über eine feste Dauer von weiteren fünf Jahren sei bereits unterzeichnet worden. Da sei man noch optimistisch gewesen, was die gemeinsame Zukunft betraf. Jetzt stehe man vor einem Scherbenhaufen. Glücklicherweise habe er beim Bekanntwerden des Wechsels der Umbaustrategie eine Klausel in den Mietvertrag einbauen lassen, die jetzt zum Tragen komme: Ueli Eber­hart hat mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten das Mietverhältnis per Ende Jahr aufgelöst.

Obwohl das Auktionshaus zusätzlich ein Büro für die Einlieferungen an der Küsnachter Seestrasse gemietet hat, habe die Grossbaustelle auf dem Schärer-Areal «vor allem Kunden mit wertvolleren Bildern abgeschreckt», sagt Ueli Eberhart. Unter anderem habe ein langjähriger Kunde und Kunstsammler ein wertvolles Bild mit einem Ausrufpreis von rund einer halben Million Franken kurzfristig von der Herbstauktion zurückgezogen.

Mit Lärm und Dreck gekämpft

Man habe in letzter Zeit schon genug Kompromisse machen müssen, fährt Eberhart fort. Durch die Aussicht, die Ausstellung gegebenenfalls im Erlenbacherhof durchzuführen, hätte das ­Angebot an Schmuck aus Sicherheitsgründen verringert werden müssen, ebenso habe man das Angebot an ­Möbeln und Teppichen aus Platzgründen stark eingeschränkt. «Es ist zu kompliziert und schwierig, solche schweren Gegenstände über die halbe Baustelle zu schleppen», sagt der Auktionator. Man habe zudem ständig mit Dreck und Lärm zu kämpfen gehabt. Auch der Kundschaft sei der Gang über die Baustelle nicht länger zuzumuten, vor allem den älteren Stammkunden. Der Aufwand schliesslich, den man in letzter Zeit ­betrieben habe «damit man uns neben der riesigen Baustelle überhaupt noch findet», rechtfertige den Ertrag nicht.

Unter diesen Umständen sei an eine Fortführung der Auktionen über die zu erwartende Bauzeit von bis zu zwei Jahren nicht zu denken. «Trotz meiner über die letzten vierzig Jahre aufgebauten ­persönlichen Kundenbeziehungen», hält Eberhart fest. «Bis zum Baubeginn waren es ideale Räumlichkeiten, und sie werden es vielleicht auch wieder einmal sein, nur nützt uns das heute nichts mehr.»

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Erstellt: 29.09.2010, 19:52 Uhr

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