Zusammen messen sie fast 6 Meter

Die gross gewachsenen Geschwister Adrian (16), Joana (19) und Florian Heidrich (21) aus Kloten haben sich im Hallenvolleyball etabliert. Doch im Sand fühlen sie sich wohler.

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Von René Hauri, Bassersdorf

Ihr Auftreten steht im Gegensatz zu ihrer Erscheinung. Unauffällig sitzen sie auf den roten Plastikstühlen des Cafés der Sportanlage Bxa, sprechen ruhig, zurückhaltend, wirken bescheiden. In ihrem Rücken liegt das Beachvolleyball-Feld, der Sand ist mit einer grünen Blache abgedeckt. Zuvor hatten die Geschwister Heidrich noch ein anderes Bild abgegeben, als sie für das Fotoshooting Bälle blockten und ihre Hände dabei hoch hinausragten.

Die 19-jährige Joana ist mit 1,90 Metern die Kleinste des Trios, im Volleyball und insbesondere im Beachvolleyball aber die Etablierteste. In den vergangenen drei Saisons stand sie in der Halle für den NLA-Klub Kanti Schaffhausen auf dem Feld und half nach dem Meisterschafts- und damit auch dem Vertragsende Mitte März beim Playoff-Finalisten Neuchâtel aus. Dieser war allerdings trotz der Unterstützung aus dem Zürcher Unterland beim 0:4 gegen Voléro Zürich chancenlos. «Mit dem Hallenvolleyball habe ich nun definitiv abgeschlossen», sagt Joana Heidrich. Sie setzt künftig alles auf das Spiel im Sand. Diesen Plan hatte sie zwar schon nach der Spielzeit 2009/10. Die ehemalige Züri-Unterland-Spielerin hängte dann aber doch noch ein Jahr in der Ostschweiz an. Es soll das letzte gewesen sein.2008 wurde Joana Heidrich ins Beachvolleyball-Nationalkader aufgenommen. Seit über einem Monat bereitet sie sich im Leistungszentrum in Bern unter der Leitung von Claudia Laciga, der Frau des dreifachen Europameisters Martin Laciga, auf die neue Spielzeit vor. Heidrich pendelt täglich zwischen Kloten und der Hauptstadt. «Es lohnt sich. Das Training ist super. Dass wir vor allem mit dem Ball arbeiten, kommt mir entgegen», sagt die Schülerin der United School of Sports in Zürich, die sich aber mittlerweile nur noch auf die Abschlussprüfung vorbereiten muss und in den Sport entsprechend viel Zeit investieren kann. Flexibel muss sie trotzdem sein: in Bezug auf ihre Partnerinnen.

Joana: 2011 mit 4 Partnerinnen

Am vergangenen Sonntag startete Joana Heidrich in die neue Saison, bestritt in Bern ein nationales Turnier der Kategorie A mit der 34-jährigen Karin Trüssel. Das Duo schaffte es auf Rang 3. Trotz des verheissungsvollen Auftakts wird es die Spielzeit nicht gemeinsam beenden. Denn eigentlich hatte die Zürcherin mit Romana Kayser geplant. Da diese aber noch bis Mitte Jahr in Australien weilt, machte sich Heidrich auf die Suche nach einer Partnerin für die erste Saisonhälfte. «Wir haben uns dann für Karin entschieden», sagt sie und erklärt: «Sie hätte zwar gerne bis zum Ende mit mir gespielt. Der Verband stimmte aber einem Wechsel nach der Halbzeit zu, weil Romana 10 Jahre jünger ist und für die Zukunft noch viel verspricht.» Doch es bleibt nicht bei Trüssel und Kayser: Ihre wichtigsten Turniere, die U-23-Europameisterschaft (Ziel Top 10) und die U-21-Weltmeisterschaft (Podest), bestreitet Heidrich mit Tanja Goricanec beziehungsweise Anouk Vergé-Dépré.

Der Jüngste ist der Grösste

Im Vergleich zu ihrer Schwester haben sich Florian und Adrian Heidrich deutlich tiefere Ziele gesteckt. Schliesslich haben sie sich erst spät für den Sport entschieden, für den sie wegen ihres Körperbaus prädestiniert sind. Der erst 16-jährige Adrian misst stolze 2,07 Meter und überragt damit seinen fünf Jahre älteren Bruder Florian um 12 Zentimeter. «Die Grösse ist sicherlich ein Vorteil, auch wenn ich bei der Abnahme mehr Mühe habe, und am Boden liegend länger brauche, um wieder bereit zu sein», sagt Adrian Heidrich, der nach Umwegen über Unihockey (Bassersdorf-Nürensdorf) und Handball (Pfadi Winterthur) zum Volleyball fand. «Meine Geschwister haben mir dazu geraten. Und ich hatte von Anfang an Spass», erinnert er sich. Das war vor erst zwei Jahren.

Mittlerweile spielt er bereits bei Amriswil in der NLB. «Ich hatte Glück, dass der Trainer dort ein junges Team aufbauen wollte und ich dadurch eine Chance erhielt», sagt Adrian, der in Uster das 10. Schuljahr absolviert. Obwohl die Hallensaison mit dem Verhindern des Abstiegs durchaus erfolgreich endete, freut auch er sich auf die Sandsaison. «Ich kann dort viel mehr machen, muss nicht nur in der Mitte angreifen. Als Ausgleich zum Indoor ist es optimal», sagt er und schaut zu seinem älteren Bruder Florian, der bei Züri Unterland auf derselben Position spielt. Dieser nickt.

Brüderduelle in der NLB

Es kam in der zu Ende gegangenen NLB-Meisterschaft auch zweimal zum Brüderduell. «Das war seltsam, weil wir uns nicht als Konkurrenten sehen, sondern uns eigentlich gegenseitig pushen», sagt Florian. «Amriswil war daher nicht mein Lieblingsgegner.» Dennoch gewannen die Zürcher beide Partien und schafften letztlich gar den Aufstieg in die höchste Liga. Und Florian erhielt am vergangenen Dienstag ein Aufgebot für die Nationalmannschaft.

Im Beachvolleyball gehören die beiden Brüder indes noch nicht zur nationalen Spitze. Adrian hofft, sich in dieser Spielzeit für die U-18-Schweizer-Meisterschaft zu qualifizieren – was ihm im vergangenen Jahr verwehrt blieb – Florian wird regionale B1-Turniere bestreiten. Doch ungeachtet der sportlichen Niveau-Unterschiede innerhalb der Familie: Gemein ist den Geschwistern die Freude am Spiel im Sand. «Wir können uns gegenseitig mental unterstützen, weil wir jetzt alle wissen, wovon wir reden», sagt Joana stellvertretend. Für ausreichend Gesprächsstoff im Hause Heidrich ist daher auch in den Sommermonaten gesorgt.

2,07 Meter: Adrian Heidrich (links) überragt seine Geschwister Joana und Florian zumindest im Stehen. Foto: Sabina Bobst

Erstellt: 06.05.2011, 23:00 Uhr

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