Zwei gläserne Türme am Mythenquai

Die Zürich-Versicherung will ihren Hauptsitz beim Hafen Enge erneuern und mit einem Neubau ergänzen.

Er soll wie ein Lampion leuchten: Der Neubau zwischen zwei unter Schutz stehenden Gebäuden der Zürich-Versicherung. Visualisierung:

Er soll wie ein Lampion leuchten: Der Neubau zwischen zwei unter Schutz stehenden Gebäuden der Zürich-Versicherung. Visualisierung: Bild: PD

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Früher haben Kaiser und Könige mit ihren Palästen das Bild von Städten geprägt. In Zürich tun das heute die Versicherungen. Nach dem Rückversicherer Swiss Re will nun auch der Versicherungskonzern Zürich in der Enge bauen. Sie plant ein Gebäude mit 1300 Arbeitsplätzen. Ihr neues, repräsentatives Gebäude zwischen Mythenquai, Alfred-Escher- und Breitingerstrasse stellte die Planer vor eine verzwickte Aufgabe: Der unter Heimatschutz stehende heutige Hauptsitz muss erneuert und mit einen Neubau verbunden werden.

Die Lösung liefert der Wiener Architekt Adolf Krischanitz. Er hat schon mit dem smaragdgrünen Neubau des Museums Rietberg für Aufsehen gesorgt. Noch stärker wird der geplante Neubau der Zürich-Versicherung das Bild des Engequartiers prägen. Das Gebäude soll aber auch eine Hommage an die Stadt darstellen: «Mit der Neukonzeption unseres Hauptsitzes wollen wir unsere Verbundenheit zum Standort Zürich und zur Stadt zum Ausdruck bringen», sagt Zürich-Projektleiter Hans-Peter Bissegger.

Gänge wie in einem Labyrinth

Seit 110 Jahren befindet sich der im Jugendstil gebaute Konzernhauptsitz am Mythenquai. «Damals haben hier 90 Mitarbeiter gearbeitet», sagt Bissegger. «Heute sind es rund 1000.» In den oberen Stockwerken befanden sich einst noch grosszügige Wohnungen mit sechs bis acht Zimmern – und den ersten Zentralheizungen in Zürich. Im Lauf der Jahre vergrösserte der Versicherungskonzern den Hauptsitz immer wieder, er umfasst heute mehrere Gebäude aus verschiedenen Epochen. Die Bauten sind wie ein Labyrinth durch endlose Gänge miteinander verbunden.

Um die drei inventarisierten Bauten – der Hauptsitz am Mythenquai, das Gebäude an der Marsstrasse und den Otto- Honegger-Bau im Innenhof – will Krischanitz ein U-förmiges Gebäude anlegen. Von der Mythenquai-Seite her wird es an zwei Türmen zu erkennen sein. Diese Türme sind das Auffälligste am geplanten Neubau. «Ihre rhombenförmige Glasoberfläche soll in der Nacht wie Lampions leuchten», sagt der Architekt. «Sie stiften eine neue Identität und lösen unsere hohen Ansprüche an Transparenz und Dichte ein», ergänzt Bissegger. Der Neubau soll 25 Meter hoch werden, rund ein Viertel höher als die heutigen Gebäude. «Diese geplante Verdichtung erfolgt in enger Absprache mit der Stadt», sagt Bissegger. Der Innenhof erhält eine Grünanlage und wird tagsüber öffentlich zugänglich sein.

Mitarbeiter sollen umsteigen

Krischanitz’ Projekt ist als Sieger aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangen. Für Bissegger erfüllt sein Projekt die Beurteilungskriterien am besten. «Es steht nicht in Konkurrenz zu den inventarisierten Gebäuden», sagt er. «Und es soll die Kriterien der 2000-Watt-Gesellschaft erfüllen.» Die Zürich-Mitarbeiter werden mit einem finanziellen Zustupf belohnt, wenn sie aufs eigene Auto verzichten und die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Deshalb wird die Anzahl der Parkplätze von 85 auf 50 verringert.

Bevor allerdings gebaut wird, muss die Politik diesen Veränderungen zustimmen. Weil der Neubau von der Bau- und Zonenordnung abweicht, kommt der Gestaltungsplan vor den Gemeinderat. Die Zürich rechnet frühestens 2016 mit einer Baubewilligung. Zuvor gilt es, ein grosses logistisches Problem zu lösen: Die rund 1000 Mitarbeitenden, die heute in den verschiedenen Häusern beschäftigt sind, brauchen bis Herbst 2015 einen neuen Arbeitsplatz, weil dann der Umbau beginnt. Bezugsbereit soll der neue Versicherungspalast 2020 sein. Auch in Oerlikon baut die Zürich: An der Hagenholzstrasse 60 beziehen dort nächstes Jahr 2000 Mitarbeiter ein neues Gebäude.

Die Swiss Re realisiert am Mythenquai in unmittelbarer Nähe zur Zürich-Versicherung nach den Plänen des Architekturbüros Diener & Diener einen speziellen Glaswürfel. In London hatte Swiss Re mit The Gherkin (Die Gurke) ein neues Wahrzeichen geschaffen.

Erstellt: 13.12.2013, 10:33 Uhr

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