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«Aber der Strom bleibt derselbe»

Energiepolitik Die ETH kehrt zum Atomstrom zurück &endash Studenten sind empört, TA vom 7. November Nicht ökologischer, nur teurer. Die ETH kehrt nicht zum Atomstrom zurück, sondern sie will einfach den Mehrpreis für einen sogenannten Ökostrom nicht mehr bezahlen. In der Stadt Zürich fliesst aus jeder Steckdose ein Mix von Strom &endash Atomstrom, Wasserenergie und ein ganz wenig ökologisch erzeugter Strom. Wer diesen Ökostrom bestellt, erhält einfach den üblichen Strom, nicht ökologisch hergestellten aus Wind und Sonne. Er bezahlt also einfach mehr, aber der Strom bleibt derselbe. Willy Schwendinger, Zürich Nur sehr wenig gespart. Mit grossem Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass die ETH mit dem Verzicht auf Ökostrom 800 000 Franken sparen und dieses Geld in die Erforschung alternativer Energien stecken möchte. Ob solcher Widersprüchlichkeit kann ich wahrlich nur den Kopf schütteln. Wer immer noch Atomstrom einkauft, obwohl es Alternativen gibt, kann nicht glaubwürdig alternative Energieforschung betreiben. Haben nicht gerade kürzlich Wissenschafter von der ETH dargelegt, dass die Energiewende möglich ist. Steht da etwa der Berufsstand des Atomphysikers im Weg, der immer noch im Geiste von «Vor-Fukushima» argumentiert und partout die neue Realität nicht zur Kenntnis nehmen will. Am finanziellen Argument des Entscheides kann es ja wohl nicht gelegen haben. Machen doch die eingesparten 800 000 Franken gerade mal geschätzte 0,08 Prozent des ETH-Zürich-Budgets (2010) aus. Es ist zu hoffen, dass der Protest der ETH-Studierenden nun auch die Professoren aus dem Elfenbeinturm herauslockt und dass diese mutig und klar Stellung beziehen gegen den Einkauf von Atomstrom. Alfons Fischer, Uetikon am See Öko-Abo ohne Wirkung. Es gab vor Jahren mal einen Aprilscherz in einer grossen Schweizer Zeitung, bei dem ein Gerät vorgestellt wurde, das im Stande sein sollte, den Strom aus Atomkraftwerken vom dem aus anderen Kraftwerken zu separieren, indem &endash wenn ich mich nicht irre &endash der Spin der Elektronen gemessen würde und die Elektronen mit dem «Atomkraftwerk-Spin» ausgeschieden würden. Man kann darüber lachen, aber viele Leute wissen nicht, dass die Unterscheidung zwischen Atom- und Ökostrom rein buchhalterischer Art ist. Der Aargauer, der ein teures Ökostrom-Abonnement bezahlt, erhält seinen Strom trotzdem weiterhin aus Gösgen oder Leibstadt geliefert. Wenn 60 Prozent der Städte inklusive ETH auf reinen Ökostrom umsteigen, dann erhalten die restlichen 40 Prozent der Städte als Folge davon reinen Atomstrom. Eine solche Operation hat null Wirkung, denn es hat sich nichts an der realen Lieferkette geänderte, es wurde kein einziges Fotovoltaikpanel installiert, kein neuer Staudamm gebaut und kein neues Windrad aufgestellt. Diejenigen Studenten und Studentinnen, die sich an der ETH gegen die Auflösung des Ökostrom-Abonnements stellen, sollten sich bewusst sein, dass damit bisher einfach 800 000 Franken der Forschung und Lehre entzogen wurden. Dass die «Symbolik» des Kaufs eines Ökostrom-Abonnements eben nur vordergründig Sinn macht, haben viele der schweigenden Studenten und Professoren sicher erkannt &endash aber sie werden nicht erwähnt. Bernhard Piller, Männedorf Atomausstieg dauert länger. Die ETH-Mitglieder, die den Atomausstieg für möglich erklärten, haben nicht gesagt, dass das morgen möglich sei. Wenn man die Botschaft genau ansieht, dann gibt es da noch viele Wenn und Aber, angefangen beim Speichern der Energie, die im Winter benötigt wird, aber im Sommer anfällt. Die ETH hat recht, wenn sie das Geld jetzt für die Forschung ausgibt und eine ehrliche Botschaft vermittelt, statt Augenwischerei zu betreiben, auch wenn das niemand hören will: Es ist besser, sie setzt ein Zeichen, dass der Atomausstieg nicht ruck, zuck geht, sondern &endash optimistisch gerechnet &endash 25 Jahre dauert. Laurenz Hüsler, Egg bei Zürich Kein sauberer Strom. Seit einer Woche amüsiert mich die Atomstromdebatte an der ETH. Der sogenannte zusätzliche Beitrag, der die ETH für «sauberen» Strom bezahlen müsste, fliesst nur als Subvention in die erneuerbaren Energien ein. Der «wirkliche» Strom &endash die physikalischen Elektronen, die jetzt aus der Steckdose eines Vorlesungssaals in mein MacBook strömen, damit ich diesen Brief verfassen kann &endash kommt so oder so aus einem Strommix, der von allen Quellen gedeckt wird. Der zusätzliche Beitrag wäre als Förderung der erneuerbaren Energien zu verstehen, und nicht als Rechnung für die saubere Stromrechnung. Somit tut sich die ETH einen Gefallen, wenn sie das gesparte Geld direkt in die Forschung investiert und selber verwaltet. Ein wirkliches Investment in die Zukunft, das über eine simple Symbolik, wie in Ihrem Kommentar beschrieben, weit hinausgeht. Und ein wichtiges Detail haben die Studenten, die den offenen Brief an den Rektor verfasst haben, anscheinend vergessen: Schweizer Wasserkraftwerke benötigen französischen Atom- und deutschen Kohlekraftwerkstrom für die Produktion von «sauberem Strom». Wasser wird in der Nacht hochgepumpt, um die Stauseen zu füllen. Das ist alles andere als sauber. Pascal Waldvogel, Zürich «Die ETH tut sich einen Gefallen, wenn sie das gesparte Geld direkt in die Forschung investiert.» Die ETH Zürich bezieht seit Anfang Jahr aus finanziellen Gründen keinen Ökostrom mehr. Foto: Esther Ramseier (ETH Zürich)

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