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Acht Weinbauern lassen die Vögel ungestört an ihre Trauben heran

Die Winzer im Stäfner Lattenberg verzichten auf Netze gegen Vögel. Den entstandenen Verlust teilen sie sich solidarisch. Er ist kleiner, als man denken würde.

Stäfa. - Er ist der stolzeste Rebhang am rechten Zürichseeufer, und seit kurzem erstrahlt er noch ein bisschen schöner, der Stäfner Lattenberg: Nur noch vereinzelt stören gelbe und blaue Schutznetze das Auge des Spaziergängers in der Stäfner Weinbauarena.

Die acht Lattenberg-Winzer verzichten bei einem Grossteil ihrer 8 Hektaren Reben auf das Anbringen von Schutznetzen gegen gefrässige Vögel. Nicht des schönen Anblicks wegen, sondern weil die Netze teuer sind. Eine Hektare zu schützen, kosten Weinbauer Peter Menzi 1000 Franken. «Drei Leute sind zudem einen ganzen Tag damit beschäftigt, die Netze anzubringen», sagt Menzi. Er ist Präsident der Rebberggenossenschaft Lattenberg und hat seine Kollegen überzeugt, darauf zu verzichten.

Dass alle acht Winzer im Lattenberg mitmachen, ist bei der Aktion Bedingung. «Sonst finden sich alle Spatzen, Amseln und sonstigen Hausvögel in dem einen, ungeschützten Rebberg ein, der dann den ganzen Schaden für sich hätte», sagt Winzer Menzi. Wenn alle ihre Reben ungeschützt liessen, verteile sich das Übel. Gerade bei den verbreiteten Traubensorten Pinot Noir (Blauburgunder) und Riesling-Silvaner fällt der Ertragsverlust von einigen Kilos nicht stark ins Gewicht. «Er ist erstaunlich gering», sagt Menzi. Das hat ein erster Versuch im Jahr 2003 gezeigt. Die gleiche Erfahrung haben die Winzer im letzten Jahr gemacht, als sie die neue Handhabe einführten.

Menzi mag den Vögeln den Genuss der Trauben prinzipiell auch gönnen. Nur Essen die Tiere ihren Anteil nicht eben sauber auf - die angepickten Traubenbeeren sind äusserst anfällig für die Graufäule (Botrytis cinerea) und die Essigfäule. Sie zu entfernen, bedeutet mehr Arbeit beim Wümmen. Dieser Aufwand ist aber immer noch kleiner als derjenige, der beim Anbringen der Netze entsteht. Auch, weil ein Grossteil der angepickten Beeren bis zum Wümmet vertrocknet.

Schutz nur für wertvolle Sorten

Es lohnt sich also, nur bei ganz wertvollen Traubensorten Netze anzubringen. So hat Menzi etwa seine Parzelle mit Garanoir-Trauben, einer Züchtung der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil, mit Netzen geschützt. «Bei Spezialitäten machen wir eine Ausnahme», sagt er. Einzelne Flecken im Lattenberg sind also trotz dem neuen Regime mit blauen Mehrweg- oder gelben Einwegnetzen eingepackt. Nur dort lohnt sich der Aufwand.

Mühsame Installation der Netze

An den steilen Hängen ist es mühsam, die Netze zu spannen. Zudem gilt es einige Regeln zu beachten, damit sie für Vögel und Igel nicht zur tödlichen Falle werden. So dürfen die Gespanne auf den Seiten hinunter nicht viel mehr und nicht viel weniger als 30 Zentimeter über den Boden reichen. Ansonsten könnten die Vögel von unten zwischen die Netze gelangen, nicht mehr hinausfinden und zudem ständig von den Trauben fressen.

Aber auch wenn die Netze zu tief hinunter reichen, sind sie eine Gefahr. Für Igel, die sich gerne im Rebberg aufhalten und sich mit ihren Stacheln in den Maschen verheddern. Menzi läuft deshalb alle zwei Tage die Reben ab und kontrolliert den Zustand der Netze. «Besser wäre jeden Tag», sagt er. Auch Löcher müssten möglichst schnell geflickt werden.

Tagelang böllern stört die Nachbarn

Anstatt die ganzen Parzellen einzupacken, können die Winzer auch nur die Rebstöcke selbst mit engmaschigen Netzen verkleiden. Die Gefahr, dass Vögel darin hängen bleiben, ist klein. Für Igel besteht auf diese Art überhaupt kein Risiko. Allerdings gestaltet sich das Anbringen der Netzbahnen links und rechts der Reben aufwendig.

Andere Vogelabwehrmassnahmen mag Menzi nicht einsetzen. «Jede hat ihre Nachteile», sagt er. Heliumgefüllte Ballone werden zur Zielscheibe für jugendliche Möchtegern-Scharfschützen, an Geböller im Fünfminutentakt stören sich die Nachbarn, und an die rüttelnden und reflektierenden Wimpel der sogenannten «Bächli-Anlagen» gewöhnen sich die Vögel zu schnell. Für alle Fälle hat Menzi noch eine Spezialwaffe: Fliegt ein Starenschwarm in den Lattenberg - ein Schwarm von 5000 Tieren frisst innert zehn Tagen immerhin eine Tonne Trauben -, vertreibt er die Vögel mit Schüssen aus einer Schreckschusspistole. Dafür ist er schnell zur Stelle: Sein Hof liegt direkt am Fuss des Lattenbergs.

Schutz-Netze für die Trauben sind tierfreundlicher als flächendeckende.

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