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Akrobatik sorgt für emotionale Momente

Der Silent Circus bietet skurrile Geschichten - erzählt nur mit der Sprache der Gesten, Mimik und Bewegung. Dafür hängen sich die Artisten mächtig in die Seile. Am Samstag war Uraufführung.

Uster. - Manege frei für einen Zirkus der anderen Art. Oder ist es doch eher ein Theater mit akrobatischen Einlagen? Angelehnt an die längst vergangene Stummfilmzeit erzählen drei junge Artisten kleine, skurrile Geschichten - ohne Worte. An der Uraufführung am Samstag schweigen die Zuschauerinnen und Zuschauer anfangs erwartungsvoll zum stillen Spektakel, einzig die Kinder in der ersten Reihe lachen ab und zu unsicher. In kuriosen Kostümen, mit hell geschminkten Gesichtern und grosszügig schwarz umrandeten Augen schlüpfen die Protagonisten in immer wiederkehrende Persönlichkeiten. Fast schon wähnt man sich im falschen Film, hätten sich nicht ganz langsam aus den theatralischen Szenen richtige Zirkusnummern herausgebildet.

Mit dem Strick um den Hals

Wirkungsvoll schminken sich die Artisten auf der Bühne ab und werden zu Akrobaten. Mittelpunkt des Geschehens ist jetzt ein dickes Seil und ein Trapez. Scheinbar ohne grosse Anstrengung demontieren die Artisten die Gesetze der Schwerkraft. Sie laufen am vertikalen Seil hoch, um sich dann effektvoll drehend und windend wieder fallen zu lassen. Jetzt wird klar: Das von Filacro Fielzelt koproduzierte Stück handelt vom Festhalten und Loslassen, körperlich und emotional, Sich-selber- und andere Fallen-lassen, im Leben, am Trapez und am Seil, so wie es im Programm steht. Das Publikum geht mit und quittiert die Darbietungen immer wieder mit frenetischem Applaus und «Bravo»-Rufen. Mit ihrem Ganzkörpereinsatz kreiert die Gruppe eine faszinierende und manchmal auch unheimliche Atmosphäre. Richtig bang wird einem, als sich eine Artistin den Strick um den Hals bindet und sich sprichwörtlich ans Seil hängt.

Nach einer Stunde war Schluss

Das Programm steigert sich bis zum Schluss stetig und zieht die Zuschauer in seinen Bann. Nach einer Stunde ist Schluss. Die drei Zirkuskünstler haben Spitzenleistungen gezeigt und Akrobatik vom Feinsten geboten. Nun verbeugen sie sich sichtlich erleichtert vor dem applaudierenden Publikum. Dieses will noch mehr sehen. Schade nur, dass die Truppe keine Zugabe bereit hält.

Silent Circus entstand aus einem Strassenstück, welches sich fortwährend zum abendfüllenden Programm weiterentwickelt hat. Silent Circus heisst auch die Compagnie. Sie besteht aus Lena Mai, Cornelia Küng und Finn Jagd Andersen, die sich an der Zirkusschule in Berlin kennen lernten und auch schon andere Projekte zusammen gemacht haben. Musikalisch begleitet und vertont der Multi-Instrumentalist Dominik Chapman gekonnt die verschiedenen Stimmungen des Stücks. Dass die Uraufführung gerade in Uster stattfand, kommt nicht von ungefähr. Die Artisten haben ihr Probelokal in Riedikon, und Cornelia Küng wohnt mit Finn Jagd Andersen seit drei Jahren in Mönchaltorf. Ein Heimspiel sozusagen. Mit dem Zelt auf dem Zeughausareal haben sie zudem den passenden Ort für ihre Aufführung gewählt, denn die Nähe vom Publikum zu den Künstlern erhöht die Spannung zusätzlich.

In nächster Zeit will sich die Compagnie an der Künstlermesse in Paderborn präsentieren und hofft auf Angebote. Bei so viel Können werden diese sicher nicht lange auf sich warten lassen. www.filacro.ch

Festhalten und loslassen - der Silent Circus fesselte das Publikum in Uster.

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