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Als der Kapitän Volldampf gab, brach das Schaufelrad Als der Käpten Volldampf gab, brach das 101 Jahre alte Schaufelrad

Der Raddampfer Stadt Zürich fällt nach der Panne vom Sonntag bis nächsten Sommer aus. Das defekte Escher-Wyss-Schaufelrad muss nach Originalplänen neu gebaut werden. Zum Ausfall des beliebtesten Schiffes kommt ein Sachschaden von 150 000 Franken.Der Raddampfer Stadt Zürich fällt nach der Panne vom Sonntag bis nächstes Jahr aus. Das defekte Escher-Wyss-Schaufelrad muss nach Originalplänen neu gebaut werden. Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.

Von Ruedi Baumann Zürich – Zum Glück hat Werftchef Hans-peter Sigg noch einen alten vergilbten Plan aus dem Jahr 1909. Darauf ist ein 3,6 Meter grosses Schaufelrad nach damals neustem Stand der Technik gezeichnet. Der Dampfer Stadt Zürich lief vor 101 Jahren vom Stapel und wurde bis heute von den Originalschaufelrädern angetrieben. Als der Kapitän am Sonntag kurz vor 11?Uhr, zwischen Küsnacht und Erlenbach, den Telegrafen betätigte und über Sprachrohr «voll» befahl, knallte und rumpelte es im rechten Radkasten. Der äussere Radkranz aus 15 Millimeter dickem Stahl war gebrochen. In einer Kettenreaktion wurden drei der neun Schaufeln weggerissen und nach hinten gedrückt. Auch Speichen und das Gestänge wurden verbogen. Die Stadt Zürich musste in die Werft geschleppt werden. Boote der kantonalen und städtischen Seepolizei brachten die 93 Passagiere an Land. Schaufelräder kurz vor Ersatz «Dumm gelaufen», muss man bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) bilanzieren. Die Schaufelräder hätten nämlich bei der geplanten Revision im übernächsten Winter ersetzt werden sollen. Wegen einer «Konstruktionssünde» vor über 30 Jahren waren sie nicht mehr in optimalem Zustand. Damals wurden die geschraubten Teile aus unerfindlichen Gründen zusammengeschweisst. «Das Metall stand deshalb unter Spannung, Reparaturen waren immer schwierig», sagt Werftchef Hanspeter Sigg. Beim Schwesterschiff Rapperswil sind die Räder noch immer geschraubt. Die ZSG nimmt nun Kontakt mit der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees auf, die noch fünf Raddampfer betreibt und ein eigenes Ingenieurbüro hat. Das Schaufelrad – allenfalls gleich beide – muss von einer Schlosserei nach alter Handwerkskunst neu gefertigt werden. Die ZSG rechnet mit Kosten von 150 000 Franken für ein Rad. Denn ein Schaufelrad ist eine technisch raffinierte Konstruktion. Die Schaufeln sind nicht starr, sondern werden über ein Gestänge und einen Exzenter (Steuerungsscheibe) so gesteuert, dass sie nahezu senkrecht ohne Aufklatschen ins Wasser tauchen, das Wasser horizontal beschleunigen und wieder fast senkrecht ohne zu spritzen austauchen. Der Grund für den Bruch ist Materialermüdung. «Es kann alle paar Jahre passieren, dass ein Kapitän einen Stein berührt», sagt Hanspeter Sigg. Anfällig sind der Hafen Rapperswil und vor allem der Hurden-Durchstich. «Wenn man da wegen starker Winde etwas zu schräg einfährt, gibts schnell mal eine Grundberührung», sagt Sigg. In letzter Zeit seien aber keine Vorkommnisse bekannt geworden. Das Schaufelrad werde jeden Morgen auf Schäden kontrolliert. Helvetia verlor Propellerflügel Das neue Schaufelrad wird kaum vor dem nächsten Frühling bereit sein. Als Ersatzschiff steht wenigstens wieder die MS Helvetia zur Verfügung. Diese hatte Mitte Juni in voller Fahrt einen 40 Kilo schweren Propellerflügel verloren, weil eine simple Sicherungsmutter wegen Materialermüdung gebrochen war. Der Propellerflügel musste in Ravensburg nach den Plänen von 1964 neu konstruiert werden. Oben der Radkranz, darunter eine der verbogenen Schaufeln. Die Stadt Zürich wartet in der Werft Wollishofen, bis sie aus dem Wasser gehoben werden kann. Fotos: Silvia Luckner

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