Zum Hauptinhalt springen

Als die Bauern noch mit Steinen nach Autos warfen

Urs Paul Ramseier aus Fehraltorf referierte in Egg über den Beginn der Autorennen in der Schweiz. Amüsante Details liessen die Besucher schmunzeln.

Egg. - Auf Einladung des Podiums Egg referierte der 52-jährige Urs Paul Ramseier am Freitagabend im Egger Schulhaus Pfannenstiel. Thema war die Entwicklung der Autorennen in der Schweiz. Für Aufsehen sorgte der Oberländer, als er mit einem schwarzen Ford V8 aus dem Jahr 1949 vorfuhr. Darin hatte er 2007 die 100. Autofernfahrt Peking-Paris bestritten. Als er erklärte, warum auf dem Heck des Oldtimers der Name der Schweizer Formel-1-Legende Clay Regazzoni prangt, liess er sein Fachpublikum staunen: «Clay hatte mich per Mail angefragt, ob er bei diesem Jubiläumsanlass mitfahren könne. Da er aber ein Jahr vor der Fahrt tödlich verunfallte, war er wenigstens auf diese Art dabei.»

Das Auto - eine Erfindung des Teufels

Ramseier stammt aus der Betreiberfamilie der früheren Karosseriefirma Worblaufen, und er führt das Swiss-Car-Register in Fehraltorf. In seinem Referat widmete sich der Automobilhistoriker der Rennsportzeit von 1898 bis Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit dem 90-jährigen Gody Naef aus Rapperswil sass unter den über 20 Zuhörern der älteste noch aktive Rennfahrer der Schweiz. Er versprach, dass er auch 2011 «in welcher Form auch immer» am Klausen-Memorial mitfahren werde, worüber das Publikum schmunzelte. Für Erheiterung sorgten auch Ramseiers Ausführungen zum Autorennen Paris-Wien, das 1902 durch die Schweiz führte: «Das war, als die Bauern noch mit Steinen nach Autos warfen. Für sie waren die knatternden Gefährte eine Erfindung des Teufels.» Trotzdem: Die Autobauer warben damals aggressiv um Käufer. Der Fehraltorfer zeigte ein Plakat, das mit der Aussage «Essen Sie Ihr Pferd und kaufen Sie ein Auto» um Kundschaft gebuhlt hatte.

Nicht überall seien mit der Zeit die Vorbehalte gegenüber der Erfindung abgebaut worden, erklärte der Oberländer. Der Kanton Graubünden habe bis 1926 ein rigoroses Autofahrverbot verhängt gehabt. Dies zu einer Zeit, als in anderen Kantonen bereits Berg- und Kilometerrennen - mit den besten Fahrern der Welt - ausgetragen worden seien. Aufsehenerregend seien die Fahrten über einen Kilometer gewesen. Bereits Ende der 1920er-Jahre sei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nicht weniger als 203,5 km/h erreicht worden. Überraschend war eine weitere Aussage: Schon im Jahr 1911 habe die Firma A. Tribelhorn & Co. das erste Elektromobil der Schweiz gebaut.

So entstand der «Silberpfeil»

Gelacht wurde im Publikum, als Ramseier Aufnahmen von Schweizer Bergrennen zeigte. Gut war darauf zu sehen, wie Beifahrer in Kurven weit aus dem Auto lehnten, um das Gewicht für eine optimale Fahrt zu verlagern. Aufschlussreich war die Erklärung, warum die Boliden von Mercedes «Silberpfeile» genannt werden: Bei einem Rennen von 1934 brachte der Mercedes W 25 genau 800 Gramm mehr als die erlaubten 750 Kilogramm auf die Waage. So wurde die weisse Farbe abgekratzt, um die Vorgabe zu erfüllen. Die darauf silbern funkelnde Aluminiumkarosserie führte zur Bezeichnung «Silberpfeil».

Der Automobilhistoriker erklärte zudem, warum der grösste «Grosse Preis» der Schweiz - nämlich jener in Zürich - nie stattgefunden hat. Er sei 1939 zur gleichen Zeit wie die Landesausstellung auf einer Rundstrecke in Zürich-Schwamendingen geplant gewesen. Der Kriegsbeginn habe aber das Rennen gestoppt. Obwohl Rundstreckenrennen in der Schweiz nach wie vor verboten sind, scherzte Ramseier: «Eigentlich hätten wir dieses Rennen noch zugute.» www.swisscarregister.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch