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Als Greenhorn an die grüne Parteispitze

Marionna Schlatter-Schmid?Vor zwei Jahren noch parteilos, heute Co-Präsidentin der Zürcher Grünen. Von Peter Aeschlimann Diese Grüne ist eine Raserin. Karrieretechnisch. Erst vor zwei Jahren trat Marionna Schlatter-Schmid der Kantonalpartei bei, seit Mittwoch präsidiert sie diese zusammen mit Philipp Maurer. Sie sei selber am meisten überrascht gewesen, als die Anfrage gekommen sei, sagt die Zürcher Oberländerin und nippt am Apfelsaft. Schliesslich hatte sie erst gerade ein Töchterchen zur Welt gebracht. Und jetzt dieses herausfordernde Amt, so kurz vor dem Wahljahr. Sie benötigte einen Monat Bedenkzeit, dann sagte sie zu. 2009 übernahm Marionna Schlatter-Schmid die Leitung des Parteisekretariats der Jungen Grünen des Kantons Zürich. Dort kennt man die 30-Jährige als zuverlässige Person, die den Laden im Griff hat und gut vermitteln kann. «Als sie anfing, herrschte bei uns das Chaos», erinnert sich die Parteikollegin und Zürcher Gemeinderätin Christina Hug. Die Politnovizin brachte frischen Wind – und dringend benötigte Strukturen.In ihrem Elternhaus habe man selten über Politik gesprochen, sagt Schlatter-Schmid. Der Vater nahm sie lieber mit in den Wald zum Pilzesuchen. Ihre Eigenschaft, kritisch über komplexe Themen nachzudenken, gekoppelt mit dem starken Bedürfnis, sich auch dazu zu äussern, führten Schlatter-Schmid schliesslich doch in die Politik. Und das vom Vater gelernte Wissen über die Pilze half ihr als 14-Jährige, die jüngste Pilzkontrolleurin der Schweiz zu werden. Heute berät sie Pilzsammler aus den Gemeinden Wetzikon und Pfäffikon. Sagt, ob diese ihre Beute risikolos dem Risotto beimischen können. Schlatter-Schmids Lieblingspilz ist der Parasol. Der sei wunderschön, sehr dominant und dazu fein. Marionna Schlatter-Schmid hat an der Universität Zürich Umweltsoziologie studiert. In ihrer Abschlussarbeit ging sie der Frage nach, weshalb die Länder eine derart unterschiedliche Klimapolitik betreiben. Nur bei Katastrophen herrsche jeweils kurz Einigkeit über grüne Massnahmen – bis zur Ratifizierung. Sie befürchte, dass ihre Tochter mit Atomkraftwerken aufwachsen werde, sagt die Jungmutter. «Obwohl ich mir wünsche, dass wir einen Weg finden, ihr das zu ersparen.»Den AKW-GAU in Japan wolle man im bevorstehenden Wahlkampf aber nicht ausschlachten. «Jetzt zu sagen: Wir habens ja immer schon gesagt, wäre unsympathisch und geschmacklos.» Es werde bestimmt einige freche Aktionen der Jungen Grünen geben, dazu freue man sich darauf, wenn Ständeratskandidat Balthasar Glättli mit Christoph Blocher (SVP) in den Ring steige.Marionna Schlatter-Schmid ist seit anderthalb Jahren mit einem Elektroingenieur verheiratet. Zum Einfamilienhaus in Hinwil gehören ein 1000 Quadratmeter grosser Biogarten und ein kleines Stück Wald. Sie bestelle das Gemüse, der Gatte gehe holzen. Mit dem Selbstangebauten könne man einen Langstreckenflug kompensieren, sagt Schlatter-Schmid, sie habe das ausgerechnet. Das Holz heizt den jungen Haushalt im Winter auf 18 Grad. «Eine Woche hat man kalt, dann hat man sich daran gewöhnt», sagt Marionna Schlatter-Schmid und lacht.Die Vegetarierin und GA-Besitzerin fährt, «nur wenn es unbedingt nötig ist», einen japanischen Kleinwagen. Ihre letzte Flugreise unternahm Marionna Schlatter-Schmid 2010 nach Malaysia. Dort besuchte sie den Regenwald, sah, wie er abgeholzt wurde. Wenn sie etwas betroffen mache, könne sie sich mit Haut und Haar dafür engagieren. Der Flug ist kompensiert, jetzt wartet die Politik.

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