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Alte Briefe von Stäfner Bürgern hängen derzeit im Ortsmuseum

Seit Samstag ist im Stäfner Ortsmuseum die Ausstellung «Kommunikation früher» zu sehen. Für Werner Liechti ist es der letzte Einsatz als Kurator, er zieht sich zurück.

Von Petra Schanz Stäfa – Werner Liechti ist gerade beim Staubsaugen. Auf den Museumsvitrinen liegen Lappen und Reinigungsmittel. «Und diesen Brief muss ich nochmals runternehmen, der hängt schief im Rahmen», sagt der Kurator des Stäfner Ortsmuseums zur Farb. Kurz vor der Vernissage zur neuen Ausstellung «Kommunikation früher» gibt es noch einiges zu tun. Es ist das letzte Mal, dass Liechti für eine Ausstellung verantwortlich ist. Danach tritt er in den Hintergrund, und eine neue Kuratorin übernimmt das Zepter im Museum zur Farb ab Dezember. Deshalb ist die November-Ausstellung «schon ein bisschen meine Ausstellung», sagt Liechti. Man habe die Gegenstände, die in den letzten Jahren ins Museum gelangten, ausstellen wollen. Doch nicht einfach «ein Chrüsimüsi» wollte man zeigen, sondern die Ausstellung einem bestimmten Thema widmen, sagt Liechti. So sei man in der Museums-Kommission auf das Thema Kommunikation gestossen – in den letzten Jahren seien einige alte Dokumente zusammengekommen. «Die meisten stammen aus zwei grossen Nachlässen der letzten drei Jahre.» Unlesbare Dokumente Das älteste Dokument ist aus dem Jahr 1571. Liechti hat fast alle selbst abgeschrieben. Wie lange er dafür gebraucht hat, kann er nicht mehr sagen. Es gibt auch Dokumente, die er nicht entziffern konnte, weil sie ein schwieriges Schriftbild haben. Die hat er an Fachleute weitergegeben. Und auch denen passiert es, dass sie mal ein Wort nicht kennen. Oder dass ein Wort nicht mehr lesbar ist, weil es in einem Falz steht. Unter den Dokumenten befinden sich die unterschiedlichsten Briefe. Da schreibt beispielsweise ein Cousin in seinen Hochzeitswünschen an seine Cousine: «Jetzt wirst Du Deine Eltern und Freunde verlassen und Dich an Deines Geliebten Seite hängen, welcher Dir vielleicht nicht gleichgültig ist.» Auch mütterliche Ratschläge zur Gartenernte finden sich unter den Briefen: «Stelle die Kirschen in den Keller auf den Boden zu Eiern, die Hitze hat ihnen jedenfalls noch geschadet, ist vielleicht etwas besser bei kühler Witterung.» Feiger Stäfner Gemeinderat Äusserst interessant ist auch der Brief des Stäfner Gemeinderats 1804 an den Statthalter. Hans Jakob Willi, Anführer der ländlichen Aufständischen gegen die Stadt Zürich, war nach Stäfa gekommen, um sich zu verstecken. Verfolgt wurde er von einem Trupp Bewaffneter aus Dürnten oder Wald. Willi verlangte nach Schiffen, um mit seinen Männern über den See zu gelangen. Um einigermassen Ruhe im Dorf zu bewahren, willigte Stäfa ein, verriet Willi aber in der Folge beim Statthalter, weil es Probleme aus Zürich befürchtete: «Dieses und der Umstand besonders dass die Walder oder Dürtner anfiengen auf das mit der von Willi mitgebrachten Canon und mit einer ziemlichen Anzahl unseren Schiffleüthen wegen starkem Sturm besezte Schiff zu feüern verursachte unter unsern in Menge sich zugedrangten Bürgern Unruhe und Wiederstand dagegen und der immer zu nehmenden Gefahr druhende Lärm, brachte redlich die Walder zum Zugang und das Willische Corps in völliger Zerstreung, so dass wir jezo eigentlich nicht wissen, wo diese Leüthe sich hin verloren habe.» Man sieht Werner Liechti die Begeisterung an, wenn er erzählt und erklärt. Was wird der Mann ohne sein grosses Hobby machen? Kürzerzutreten traut er sich zu, aber gar nichts mehr machen, will er nicht. «Führungen möchte ich machen, bis ich nicht mehr die Treppe heraufkomme», sagt er. Kurator Werner Liechti hat seinen letzten Auftritt an der Front. Foto: Daniel Kellenberger

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