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Alte Lieder im ewig frischen Kleid

Die Küsnachter Jürgen- Kantorei feierte mit ihrem Gründer Martin Huggel ihren 40. Geburtstag.

Küsnacht - Trotz ihrer vierzig Jahre hat die Küsnachter Jürgen-Kantorei kein Facelifting nötig, wie das Jubiläumskonzert am vergangenen Samstag zeigte. Der in Küsnacht geborene Chorleiter Martin Huggel dirigierte mit so viel Frische und Lebhaftigkeit, als hätte er den Chor erst gerade gegründet.

Das Publikum bekam dies in der gut gefüllten reformierten Küsnachter Kirche mit und zeigte sich entsprechend angetan von den Leistungen des Chores, des Orchesters und der Solisten. Hellwach und aufmerksam setzte der Chor die klaren Anweisungen Huggels in virtuose Tonleitern und gefühlvolle Gesänge um. Die Gesichter der Sänger verrieten eine derart ansteckende Freude, dass so mancher Zuschauer am liebsten mitgesungen hätte. Genau dieses intensive Konzerterlebnis sei es, das immer wieder neue Sänger anziehe, sagt Huggel. «Wir müssen nie inserieren, um neue Mitglieder zu finden.»

Der Chor wurde zur Zeit der 68er-Unruhen gegründet. «In Küsnacht war es damals ziemlich ruhig», erinnert sich Huggel. In Köln dagegen hatte er als junger Mann, der dort seinen musikalischen Horizont mit historischer Aufführungspraxis erweiterte, die Studentenunruhen hautnah miterlebt. Zurück in Küsnacht verwirklichte er im Jahr 1969 seine Leidenschaft, die er als 10-Jähriger entdeckt hatte. «Damals, 1950, sang mein Vater beim Kirchenchor Küsnacht Bachs Weihnachtsoratorium», erinnert er sich.

Hohe Akzeptanz bei Choristen

Seit der Gründung des Chores wirkte Huggel ehrenamtlich, was eine grosse Seltenheit für Berufsmusiker ist. Rar sei auch, dass ein Chor über so viele Jahre hinweg den gleichen Dirigenten akzeptiere, sagt Huggel. Der Uetiker Chorsänger Markus Willimann spasst: «Er ist kein von uns angestellter Dirigent, sondern wir als Chor sind von ihm angestellt.» Geändert habe sich aber folgendes: Heutzutage würden sich im Gegensatz zu früher alle mit «du» ansprechen.

Gute Sänger hatte der spätere Gymnasiallehrer Martin Huggel seinerzeit unter seinen Studienkollegen im Lehrerseminar Küsnacht gefunden. Noch heute macht diese Berufsgattung den harten Kern im Chor aus: 18 der 28 Sänger sind Pädagogen.

Dass es so wenige Sänger sind, sei nicht etwa auf Mitgliedermangel zurückzuführen. «Je mehr Leute mitsingen, desto mehr sinkt die Eigenverantwortung», weiss Huggel. Die Küsnachter Mitsängerin Marianne Fischer, die schon beim zweiten Konzert 1969 mit dabei war, ergänzt: «Wenn nur drei Soprane singen, hört man schnell, wenn es falsch klingt.» Selbst Bach und Mozart hätten zu Lebzeiten nicht mehr Sänger gehabt, sagt Huggel.

Chor und Dirigent bemühen sich stets, möglichst nahe am Original zu musizieren. Vor 40 Jahren sei dies einer musikalischen Revolution gleichgekommen, sei es doch üblich gewesen, auch Bach und Mozart romantisch und weitläufig zu spielen. Heute sei die historische Aufführungspraxis zu einer suspekten Modeerscheinung verfallen - die meisten Interpretationen seien sich zum Verwechseln ähnlich.

Überraschend frische Klänge

Trotzdem: Das Orchester mit seinen historisch ausgebildeten Musikern hat mit Huggel in Küsnacht etwas ganz Neues entstehen lassen. Das Mozart-Requiem mit den praktisch vibratolosen Strichen klang an diesem Samstag überraschend frisch. Das Spiel mit der Lautstärke etwa gestalteten der Chor und das Orchester so gekonnt, dass daraus ein spannendes Erlebnis wurde.

Dass sich für dieses Konzert namhafte Sponsoren wie die Credit Suisse, die Confiserie Teuscher und die Küsnachter Verlegergattin Ellen Ringier fanden, zeugt von der Qualität der Jürgen-Kantorei. Sarah und Basil Pirijok Die Küsnachter Jürgen-Kantorei hielt die Zuhörer in ihrem Bann. Foto: Peter Würmli

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