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Am Anfang stand eine Crème gegen Hämorrhoiden

Kosmetikpionier Yves Rocher ist tot. Er gilt als Erfinder der grünen Schönheitspflege.

Von Pionieren, das lehrt die Geschichte, bleiben zumindest die Leistung und ein Eintrag in die dicken Bücher. Der Bretone Yves Rocher, der nach einem Schlaganfall an diesem Wochenende 79-jährig in einem Pariser Krankenhaus starb, galt als Avantgardist auf vielen Gebieten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der ihm auch politisch nahe stand, nannte ihn in einem Gedenkschreiben einen «grossen Industriellen». Wenn der Kosmetikkonzern, der seinen Namen trägt, heute 15 000 Mitarbeiter beschäftigt und im Jahr 2 Milliarden Euro umsetzt, ist das wohl diesem Innovationssinn zu verdanken. Yves Rocher erfand Kosmetika auf pflanzlicher, umweltverträglicher Basis.

Die französische Presse bezeichnete ihn deshalb in ihren Hommagen als «Vorreiter unter den Ökologen». Rocher vertrieb seine Produkte zu Beginn über ein Versandsystem, wie es die Franzosen bis dahin nicht gekannt hatten. Heute unterhält der Konzern 2000 Läden weltweit, setzt daneben noch immer auf den Online-Versand und zählt 40 Millionen regelmässiger Kunden. Jede dritte Französin, sagt die Firma, benutzt Produkte von Yves Rocher.

Am Anfang der aussergewöhnlichen Unternehmergeschichte aber, in den Fünfzigerjahren, stand eine pflanzliche Crème gegen Hämorrhoiden, deren Rezept Rocher von einer bretonischen Heilerin erhalten hatte. Im Dachstock der Familie stellte er die Salbe her. In Kleinanzeigen in Pariser Zeitungen pries er sie an, baute einen kleinen Direkthandel auf, erkannte bald das Potenzial und gründete 1959 Firma und Marke.

Die Bretagne im Herzen

Seine Heimat - das Morbihan in der Bretagne -, die Moorlandschaften und Wälder waren ihm so wichtig, dass er dort einen Grossteil der Produktion und Verwaltung des Konzerns beliess. Selbst als die Firma zu einem Marktleader herangewachsen war und der Patron öfter in Paris weilte. Rocher war so verbunden mit seinem Geburtsort La Gacilly, dass er dem Dorf nebenbei 46 Jahre als Bürgermeister vorstand - bis 2008 -, als konservativer Politiker mit grüner Unternehmerseele.

1992 gab er die Leitung des Konzerns an seinen Sohn Didier ab, der bald darauf bei einem Unfall starb, was den Vater zu einer Rückkehr zwang. Mittlerweile steht der erst 31-jährige Enkel, Bris Rocher, an der Spitze der Gruppe. Bis heute hält die Familie 75 Prozent am Konzern, zu dem mittlerweile auch andere, kleinere Kosmetiklabels und eine Kleidermarke gehören.

Über die genauen Finanzverhältnisse des Konzerns ist jedoch nicht viel bekannt. Die französische Wirtschaftspresse erinnerte am Sonntag daran, dass die Familie immer schon gegeizt habe mit Zahlen. Wichtig scheint vor allem folgender Vergleich: Yves Rocher soll drei Mal mehr Umsatz machen als der direkte Konkurrent auf dem Markt der grünen Kosmetik, The Body Shop. Und der ist seit einigen Jahren, seit der Übernahme durch den Pariser Weltkonzern L’Oréal, ebenfalls französisch. Oliver Meiler, Rom Yves Rochers war nebenher 46 Jahre lang als Bürgermeister tätig. (Archivbild 1982)

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