Angela Magdicis überraschend souveräner Auftritt

Die ehemalige Gefängnisaufseherin Angela Magdici sprach gestern auf TeleZüri über die Flucht, ihre Motive und die Liebe zum Häftling Hassan Kiko.

Angela Magdici bei ihrem Auftritt auf TeleZüri vom Montagabend. (Screenshot TeleZüri)

Angela Magdici bei ihrem Auftritt auf TeleZüri vom Montagabend. (Screenshot TeleZüri)

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Souverän, ruhig und ehrlich – die 33-Jährige hat gestern Abend in «TalkTäglich» mit TeleZüri-Chef Markus Gilli einen guten Eindruck hinterlassen. Sie sprach unaufgeregt und sehr offen über das sechswöchige Fluchtabenteuer. Emotional wurde sie nur, wenn die Rede auf ihre grosse Liebe Hassan Kiko und die Anschuldigungen gegen ihn in der Presse kam.

Der Frage von Gilli, ob sie die Flucht nochmals machen würde, wich Magdici aus: «Ich habe einen Fehler gemacht, das ist mir bewusst.» Zuvor hatte sie jedoch gesagt: «Ich würde gar nichts anders machen. Es ist so, wie es ist.»

Selbstkritisch entschuldigte sie sich bei der Familie und bei den Mitarbeitern des Gefängnisses Limmattal, die sie dermassen enttäuscht habe: «Es tut mir leid.» Sie habe ihren Job geliebt und ernst genommen. Gefragt von Gilli, ob sie mit der Flucht eine Art Selbstjustiz verübt habe, sagte sie nach kurzem Nachdenken: «Das tönt so forsch.» Aber sie habe Mühe mit dem Urteil gegen Kiko wegen Vergewaltigung gehabt. Es hätte aber andere Möglichkeiten gegeben, den Fall in die Öffentlichkeit zu bringen.

«Echt doof» sei das Video gewesen, das sie auf der Flucht in Italien ins Netz gestellt hätten, sagte Magdici. Aber als sie die Anschuldigungen in den Medien gegen ihren Freund Hassan Kiko gelesen habe, sei sie sehr aufgebracht gewesen. «Er ist kein Monster», sagte sie emotional tief berührt.

Da seien schlimme Sachen geschrieben worden. Ihr Freund sei als gewissenloser Triebtäter beschrieben worden, der auch sie auf der Flucht irgendwo entsorgen könnte. In diesem Moment musste die Frau mit den Tränen kämpfen. Sie sagte aber auch, dass sie sich schon Gedanken gemacht hätte, ob der Mann ihr nur die Liebe vorgespielt haben könnte. «Aber ich bin zum Schluss gekommen, es ist nicht so.»

Laut ihrem Anwalt Urs Huber, der ebenfalls in der Sendung war, hat sich Angela Magdici in der Untersuchung reuig, kooperativ und geständig gezeigt. Das Paar habe auf der Flucht auch keine weiteren Schäden verursacht. Er rechnete mit einer bedingten Freiheitsstrafe von einigen Monaten.

Am Schluss der Sendung hatte sich Magdici wieder gefasst. Als Markus Gilli sie fragte, ob sie an ein Happy End glaube, sagte sie laut lachend: «Was ist ein Happy End? Es geht nach jedem Happy End weiter!» Sie wolle jetzt wieder Boden unter den Füssen bekommen, Arbeit suchen und die Verpflichtungen bezahlen und für «Hassan da sein».

Den ganzen Auftritt von Angela Magdici bei «TalkTäglich» finden Sie auf TeleZüri.

Erstellt: 24.05.2016, 10:58 Uhr

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