Zürcher Skatepark-Posse landet vor Bundesgericht

Obwohl der Lärm der Skateanlage unter der Zürcher Kornhausbrücke kaum zu hören ist, scheut ein Mann keine Mühen, um dagegen vorzugehen.

Die Skateanlage unter der Kornhausbrpcke ist auch bei Kindern sehr beliebt.

Die Skateanlage unter der Kornhausbrpcke ist auch bei Kindern sehr beliebt. Bild: Sophie Stieger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Anwohner am Oberen Letten hört auf seinem Balkon den Lärm der Skateanlage unter der Kornhausbrücke. Das stört ihn so sehr, dass er bis vor Bundesgericht dagegen ankämpft. Bei den Zürcher Gerichten fand der Beschwerdenführer wenig Gehör für sein Anliegen. Zuletzt hat das Verwaltungsgericht ihm gar die Legitimation zur Beschwerde abgesprochen. Dies geht aus einem Entscheid vom September hervor, den das Verwaltungsgericht heute Dienstag nach einer TA-Anfrage veröffentlicht hat.

Die Skaterinnen und Skater haben ihren Park am Oberen Letten 2008 selbst errichtet. Eine Baubewilligung dafür lag nie vor. Weil die zuständige Dienstabteilung Grün Stadt Zürich den Park befürwortet, hat sie selbst ein Baugesuch eingereicht, das im Juli 2018 bewilligt worden war. Gegen dieses Gesuch hat der Anwohner Beschwerde erhoben, die er nun an das Bundesgericht weitergezogen hat.

Richter spitzen die Ohren

Die Schweizerische Rechtssprechung sagt, dass Nachbarn zur Beschwerde legitimiert sind, wenn sie im Umkreis von 100 Meter wohnen. Das Stockwerk, das der Anwohner am Oberen Letten besitzt, ist exakt 106 Meter vom nächsten Skate-Element, einer Pyramide, entfernt. Deshalb musste der Beschwerdeführer glaubhaft machen, dass er durch den Lärm beeinträchtigt wird.

Dafür hat bereits das Baurekursgericht als Vorinstanz einen Augenschein durchgeführt. Die Richter haben auf dem Balkon des Beschwerdeführers die Ohren gespitzt. Für sie war da der Lärm der Skater «in geringer Lautstärke wahrnehmbar», wie es im Entscheid heisst. Im Innern der Wohnung hörten sie nichts.

Das Baurekursgericht gab dem Beschwerdeführer aber insofern Recht, dass es die Betriebszeiten der Anlage einschränkte. Ab 21 Uhr sorgen Mitarbeiter der Securitas dafür, dass unter der Kornhausbrücke nicht mehr geskatet wird.

Neue Elemente verursachen weniger Lärm

Das Baugesuch von Grün Stadt Zürich beinhaltet jedoch neue Elemente – im Fachjargon Obstacles – die aus Beton statt aus Holz sind. Ausserdem werden sie etwas umplatziert. Nach den Plänen von Grün Stadt Zürich soll die lärmintensive Miniramp dann fast 150 Meter von der Wohnung des Beschwerdeführers entfernt sein.

Das Verwaltungsgericht glaubt deshalb nicht, dass «die Geräusche bei der beschwerdenführerischen Liegenschaft noch deutlich wahrnehmbar sein werden». Das Gericht trat deshalb gar nicht erst auf die Beschwerde ein, weil dem Anwohner unter diesen Umständen eine Legitimitation fehle.

Grün Stadt Zürich möchte sich nicht zu dem Verfahren äussern, weil es noch vor Bundesgericht hängig ist. Die Kosten von insgesamt 1650 Franken auferlegte das Verwaltungsgericht dem Beschwerdeführer.

Erstellt: 07.01.2020, 22:31 Uhr

Artikel zum Thema

Der Skaterpark am Oberen Letten darf bleiben

Ein Anwohner beschwerte sich über den Lärm. Dann gingen die Richter zu ihm nach Hause. Mehr...

Skatepark am Oberen Letten kann bleiben – vorerst

Ginge es nach dem Lärmkläger, wären die Skate-Ramps unter der Kornhausbrücke längst Geschichte. Jetzt darf der Park doch noch bleiben. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Traumpisten und Bilderbuchdörfer

In dem Bündner Hochtal können Feriengäste in der Nationalparkregion des Schweizerischen Nationalparks in eine intakte Welt eintauchen.

Kommentare

Blogs

Mamablog Skiferien mit bitterem Beigeschmack

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...