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Ariella Kaeslin riss das Team in neue Höhen mit

Die Titelverteidigerin steht an der EM erneut im Sprungfinal - und die Schweiz erstmals im Teamfinal.

Die Qualifikation an der EM in Birmingham war für Sprung-Europameisterin und Titelverteidigerin Ariella Kaeslin vergleichbar mit einem Auftaktspiel im Tennis: Als Favoritin musste sie noch nicht brillieren, durfte aber auf keinen Fall patzen. Diese Pflicht erfüllte sie bravourös. Mit zwei soliden Sprüngen und jeweils einem Ausfallschritt bei der Landung qualifizierte sie sich mit dem dritthöchsten Resultate für den Sprungfinal vom Sonntag. Dazu darf sie eher überraschend auch morgen nochmals antreten: Das Schweizer Frauenteam klassierte sich auf dem 8. Rang und erreichte damit erstmals überhaupt einen Teamfinal. Die bisherige beste Rangierung war der 10. Rang an der EM 2006 gewesen. «Ich freue mich riesig für das Team. Ein erneuter Wettkampf vor dem Sprungfinal ist nur positiv», sagte Kaeslin erleichtert.

16-jährige Russin führt

Als schärfste Konkurrentinnen für Ariella Kaeslin im Kampf um Sprunggold zeigen sich die 16-jährige Russin Tatiana Nabjewa, die grosse Dominatorin der Juniorinnen-EM 2009, und die WM-Dritte Youna Dufournet (Fr). Sie übertrafen die Schweizerin als einzige, jedoch um weniger als einen Zehntelpunkt. Zum Duell Kaeslin gegen Oksana Tschussowitina kommt es nicht mehr: Die 35-jährige Rückkehrerin und Europameisterin von 2008 verpasste den Final nach einem verpatzten zweiten Sprung und wurde Zwölfte. Die Grand old Lady des Turnsports tat Kaeslin leid: «Ich habe nach wie vor riesigen Respekt.»

Kaeslin gilt weiterhin als Favoritin beim Sprung. Sie zeigte das klar schwierigste Programm. Noch fehlte es etwas an Brillanz. «Ich turnte nicht perfekt. Aber ich habe noch Verbesserungspotenzial», sagte sie zuversichtlich.

Der erstmalige Auftritt in der Rolle einer Titelverteidigern fiel ihr allerdings nicht nur leicht. Fast belastender noch empfand sie die Erwartungen, die auf ihren Schultern als Teamleaderin lasteten. Sie sei extrem nervös gewesen, doch es habe ihr auch Schub verliehen, meinte sie hinterher. Und sie hielt den Erwartungen stand.

Der Einzug in den Balken-Final verpasste sie nur ganz knapp. Am Stufenbarren gab es eine hohe Wertung trotz Verzicht auf einen Flugteil. Und einzig eine «verhaute Pirouette» (Kaeslin) am Boden drückte auf die Wertung. Mit 55,45 Punkte belegte sie sogar den zweiten Platz in der inoffiziellen Mehrkampfwertung (die an dieser EM nicht zählt). Damit bestätigte sie den Bronzegewinn an der EM 2009 in Mailand.

Starke Junge neben Kaeslin

Die Souveränität von Ariella Kaeslin strahlte auch auf ihre jungen Kolleginnen aus. Den beiden 16-Jährigen Jessica Diacci (drei Geräte) und Giulia Steingruber (15. im inoffiziellen Mehrkampf) gelang ein EM-Einstand nach Mass. Sie sekundierten Kaeslin am Balken mit fehlerfreien Vorträgen bestens. Am Boden standen sie ihr gar nur wenig nach.

Getrübt wurde der hervorragende Auftritt einzig mit der allerletzten Kür von Linda Stämpfli. Die als Letzte antretende 21-jährige Bülacherin kam bei ihrem einzigen Einsatz, am Stufenbarren, aus dem Tritt und blieb rund 2,5 Punkte hinter ihrer Bestmarke. Wegen dieses Missgeschicks musste das Schweizer Team vier Stunden lang bangen. Der 8. (Final-)Platz stand erst fest, als Deutschlands Turnerinnen im letzten Durchgang am Balken drei Stürze produzierten und nicht über Rang 9 hinaus- kamen. So konnte Linda Stämpfli am Abend wieder Lachen: «Mir fällt ein Stein vom Herzen.» Sprung Richtung nächsten Erfolg: Ariella Kaeslin. Fotos: J. Schneebeli-Wochner (EQ)

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