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Auf Kulturschienen in die Zukunft

Marielen und Rachel Uster betreiben in Herrliberg den wahrscheinlich schönsten öffentlichen Kunstraum am See. Das Programm zum 10-Jahr-Jubiläum der Galerie ist bereits erfolgreich angelaufen.

Herrliberg - Dass sie Mutter und Tochter sind, ist nicht zu übersehen. Beide sind dunkel und grossgewachsen. Marielen Uster ist der Motor, die Seele der Kulturschiene. Tochter Rachel die Konzepterin und Rechnerin im Hintergrund. Beide brauchts. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team. Anders lässt sich nicht erklären, dass das kleine Kulturzentrum im Güterschuppen des Bahnhofs Herrliberg/Feldmeilen in diesem Jahr bereits sein 10-Jahr-Jubiläum feiern darf.

Marielen Uster war von Beginn weg dabei. Mit viel harter, auch körperlicher Arbeit - putzen, waschen, abbeizen und auffrischen - machte sie im Jahr 2000 den alten Güterschuppen wieder flott. Finanziert hat sie das aus dem eigenen Sack. Seither hat sie Dutzende von Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und Performances organisiert. Die Kulturschiene ist das wahre Leben der 61-Jährigen, die nebenbei als Direktionssekretärin im Spital Wetzikon arbeitet. Tochter Rachel ist erst später richtig eingestiegen. Die Betriebsökonomin und Konzepterin arbeitet mehr im Hintergrund, ist aber immer wieder mit frischen Ideen dabei, wenn es um die Finanzierung weiterer Projekte geht. So auch für die laufende Serie von Events und Ausstellungen im Jubiläumsjahr 2010.

«Was wir hier seit Jahren veranstalten, ist eine ewige Gratwanderung, sowohl künstlerisch als auch finanziell», sagt Marielen Uster lachend. Sie ist eine überaus freundliche und warmherzige Person. Ihr ist trotz der vielen Hürden und Hindernisse das Lachen nicht vergangen. Ihre Motivation? «Mich interessieren und faszinieren Menschen, die in der Lage sind, sich künstlerisch auszudrücken», sei es in der bildenden Kunst, in der Musik oder in Crossover-Produktionen. Gelingt es ihr, eine Brücke zwischen Werk, Künstler und Publikum zu schlagen, sieht sie ihre Arbeit als Galeristin und Veranstalterin belohnt. Auswahlkriterien hat Marielen Uster keine parat: «Das Programm entsteht aus dem Bauch heraus.» Tochter Rachel nickt. Bei dem, was hier abgehe, handle es sich um eine reine Herzensangelegenheit.

«Man darf sich nicht ausruhen»

Am Anfang sei man noch unbelastet an die Sache herangegangen, im ersten Jahr sei das Programm spontan entstanden. Obwohl heute alles durchorganisiert ist - Mailversand, Briefversand, aufwändig gestaltete Einladungen - sei es heute doch «einiges härter als damals». Man spüre die Krise beim Publikum. Besucher verzeichne man zwar genug, aber der Ankauf von Bildern - das Kerngeschäft jeder Galerie - halte sich derzeit in Grenzen. «Wir dürfen uns eben nicht ausruhen», bemerkt die 38-jährige Rachel. Es sei ein weiter Weg in kleinen Schritten. Den Besuchern müsse klar werden, dass sie hier etwas Einmaliges erleben dürfen. «Das findet so nirgends sonst statt.» Mit dem im April angelaufenen Jubiläumskonzept hoffen die beiden Frauen, ein neues, noch breiteres Publikum anzulocken.

Neu ist auch das Engagement des bekannten Zolliker Komponisten und Dirigenten Armin Brunner. Bei musikalischen Anlässen steht der 77-Jährige Musiker den Usters beratend zur Seite, oder er gestaltet auch mal eigenständig einen Abend. Die Kulturschiene befinde sich nicht hinter, sondern zwischen den sieben Gleisen, pflegt Brunner zu sagen. Nicht einmal in Zürich gebe es etwas Vergleichbares. «Die beiden Frauen haben ihre Füsse fest auf den Schienen», sagt er bewundernd. Sie betrieben einen ungeheuren Aufwand. Das könne man ihnen nicht hoch genug anrechnen.

Für Rachel Uster ist die Kulturschiene eine Oase der Ruhe. «Die Leute sind sehr entspannt bei uns.» Das habe sicher auch mit der Klientel zu tun. Der durchschnittliche Besucher des Güterschuppens sei weltoffen und kultiviert. Nach Jahren der Selbstaufopferung - erst seit drei Jahren ist der Betrieb der Kulturschiene selbsttragend - scheinen die Gemeinden am See erkannt zu haben, das dort am Bahnhof ein kleines Juwel im Wachsen begriffen ist: Meilen und Herrliberg sprechen jährlich etwas Geld.

Grenzüberschreitende Kunst

Ideell und moralisch werden die beiden Frauen auch vom Herrliberger Finanzvorstand Walter Wittmer unterstützt. «Die Leute wissen gar nicht, welche künstlerischen Leckerbissen sie verpassen», sagt Wittmer. Es fänden in der Kulturschiene regelmässig anspruchsvolle, grenzüberschreitende Kunstformen eine Plattform. Und: «Wer das noch nicht entdeckt hat, ist wirklich selber schuld.» Samstag, 15. Mai, ab 18 Uhr: Vernissage «Motions and Emotions», Jazzfotografien von Peewee Windmüller. Ab 20 Uhr: Jazzkonzert mit Tobias Preisig, Stefan Rusconi, André Pousaz und Michi Stulz, Flowing Mood CD-Release Tour. Kulturschiene beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen. 079 326 79 91. www.kulturschiene.ch Marielen Uster und ihre Tochter Rachel in der Herrliberger Kulturschiene. Foto: Sabine Rock

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