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Aus Lust am Luxus und nicht aus Not betrogen

Ein 40-jähriger Mann hat während Jahren Waren im Internet bestellt und nicht bezahlt. Er wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt.

Zürich/Uster - Sehr gesprächig ist der 40-Jährige nicht gerade. Und einen guten Eindruck macht die Einsilbigkeit nicht - vor allem, weil das Gericht wissen will, weshalb es zu den Delikten gekommen ist. «Details weiss ich nicht mehr», antwortet der Ustermer.

Immerhin macht der Mann nicht viel Federlesens um die umfangreiche, 25 Seiten dicke Anklageschrift. Was die Arbeit des Gerichts erleichtert. Alles was darin stehe, treffe zu, sagt er. Und der 40-Jährige kann sich sogar vorstellen, wie sich die Betrogenen fühlen. Gehörte er zu den Betroffenen, hätte er für den Täter «nicht grad nette Worte parat», meint er. Betroffene gibt es viele, 38 an der Zahl. Während fünf Jahren hat der Angeklagte 137-mal Waren im Internet bestellt. «Querbeet bestellt», sagt der Mann, der vor vielen Jahren eine Lehre als Pöstler absolvierte. Er spricht von Dingen, «auf die ich Lust hatte», und von Dingen, «die man vielleicht auch noch brauchen könnte».

Darunter waren: Blumensträusse im Wert von über 3000 Franken, Bootsschuhe, Uhren, Noten-, Kletter- oder Hörbücher, Stühle, Kleider, Vorhänge, Golfset, Dampfreiniger, Salz- und Pfeffermühlen, Kameras, Bademantel, Wecker, Zigarrenschere, ein spanischer Lern-Krimi, Drucker, Handschellen, Seekarten, Polierpaste, Fahrradlicht. Selbst das Buch «Hochstapler Psychologie» liess er sich kommen.

Insgesamt erhielt er Waren im Wert von fast 18 000 Franken geliefert. Bei weiteren Bestellungen im Wert von gut 13 000 Franken blieb es beim Versuch, weil die Vorauszahlung fehlte oder die Bonitätsprüfung negativ verlief. Dabei hatte er gezielt versucht, diese Prüfung zu umgehen: Während des Tatzeitraums von Frühjahr 2004 bis Sommer 2009 wechselte er neunmal den Wohnort und bestellte unter sieben verschiedenen Namen die gewünschten Artikel.

Sein Verteidiger spricht von einer «Negativspirale», in die sein Mandant geraten sei. Nach einer eineinhalbjährigen Rucksackreise durch die Welt mit seiner damaligen Freundin habe er den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben verpasst. «Ich dache, ich finde schon wieder etwas», sagt der 40-Jährige. Doch dann habe es plötzlich geheissen: «Warum sind Sie schon so lange arbeitslos?»

Je länger er keinen Job gefunden habe, desto schlimmer sei es geworden. «Er fühlte sich beruflich und sozial ausgegrenzt», sagt sein Anwalt. Die Tage und Nächte habe er mit Fernsehen und Internet-Surfen hinter sich gebracht. Auch wenn die Taten nicht beschönigt werden sollen, sei die kriminelle Energie doch eher gering. Eine bedingte Strafe von zwölf Monaten sei deshalb angemessen.

Sechs Monate unbedingt

Das sieht das Gericht anders. Bei drei teilweise einschlägigen Vorstrafen könne man nicht mehr von einer günstigen Prognose ausgehen. Der Mann habe «nicht einfach naiv und aus der Not geboren» gehandelt. Da schimmere auch eine Lust am Luxus durch. Von der 16-monatigen Freiheitsstrafe wegen gewerbsmässigen Betrugs muss der Mann sechs Monate absitzen. Die restlichen zehn Monate wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die dauert vier Jahre.

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