Ausgerissen und fast gestorben

Die Schäferhündin Rapunzel aus Deutschland wurde in der Nähe von Zürich gerettet.

Gerettet: Die achtjährige Schäferhündin Rapunzel. Foto: AP

Gerettet: Die achtjährige Schäferhündin Rapunzel. Foto: AP

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Rapunzel macht gerade vor, wie man als Haustier einen Augenblick lang richtig berühmt wird: Man türmt von zu Hause, bleibt ein halbes Jahr verschollen, gerät in tödliche Gefahr und wird im letzten Moment gerettet. Viele Schweizer und deutsche Onlinemedien, aber auch solche aus den USA berichteten gestern über die Odyssee der achtjährigen Schäferhündin.

Am Ende wurde es knapp: Als Rettungssanitäter von Schutz & Rettung in der Nacht auf Freitag von Winterthur zurück nach Zürich fuhren, sahen sie am Rand der Autobahn etwas liegen. Sie bremsten. Der dunkle Körper entpuppte sich als Hund, regungslos, unterkühlt, offenbar schwer verletzt. Die Sanitäter packten das Tier in den Rettungswagen, verabreichten Sauerstoff und wickelten es in eine wärmende Decke.

Normalerweise verständigten die Sanitäter in solchen Situationen den Tierrettungsdienst, sagt Roland Portmann, Sprecher von Schutz & Rettung. Doch habe sich die Hündin in einem derart schlechten Zustand befunden, dass nur zwei Möglichkeiten blieben: helfen oder sterben lassen. Die Sanitäter halfen. Ansonsten transportiere Schutz & Rettung keine Tiere, sagt Portmann. Er könne sich an keine ähnlichen Fälle erinnern. Nur bei Bränden habe man auch schon Kleintiere rasch mit Sauerstoff versorgen müssen.

Im Tierspital Notoperiert

Die Sanitäter brachten die Schäferhündin ins Zürcher Tierspital an der Universität Irchel, wo ein Notfall-Tierarzt sofort operierte. Sie hatte mehrere Brüche und innere Blutungen.

Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand wissen, wie lange Rapunzel bereits durch Deutschland und die Schweiz geirrt war. Doch die Hündin trug einen Mikrochip, die Daten darauf erleichterten ihre Identifikation. Dazu kam, dass Rapunzel auch online bereits existierte. Sie war am 15. August 2017 in der Nähe von Frankfurt am Main in Deutschland ausgerissen. Ihre Besitzer, die im Bundesland Baden-Württemberg leben, suchten mit einem Steckbrief auf mehreren Internetplattformen nach ihr.

Nun hat Rapunzel das Gröbste überstanden. Sie sei auf gutem Weg zur Besserung und habe nach den Operationen wieder gefressen, heisst es beim Tierspital. Ihre Besitzer können sie wohl bald in Zürich abholen.

Wer bezahlt?

Wer für die Rettung und die Notoperation zahlt, ist noch offen. Da die Hündin in Deutschland aus einer anderen Klinik geflüchtet sei, müsse allenfalls deren Versicherung die Kosten übernehmen, schreibt das Tierspital.

Trotz des Happy End bleiben Fragen: Was hat Rapunzel in der Freiheit gemacht? Wo ist sie überall herumgestreift? Wie vermied sie es, von Menschen eingefangen zu werden? Hat sie das wilde halbe Jahr genossen? Und will sie überhaupt in die Zivilisation zurück?

Das alles wird wohl für immer im Dunkeln bleiben. Die Besitzer wollen nicht in den Medien auftreten. Und Rapunzel schweigt diskret.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2018, 19:48 Uhr

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