Tschetschenische Geschwister aus Kilchberg wollen zurück

Vier ausgewiesene Kinder aus Tschetschenien haben beim Zürcher Migrationsamt ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung gestellt.

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Die vier Kinder aus Tschetschenien, die zuletzt in Kilchberg Kirchenasyl erhalten hatten und dann Anfang Juni auf Druck der Behörden nach Russland ausreisen mussten, haben beim Zürcher Migrationsamt ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung und Familiennachzug gestellt. Dies teilte das Komitee hierzuhause.ch mit.

Es habe sich gezeigt, dass sich die Integration in Russland sprachlich und kulturell äusserst schwierig gestalte, schreibt das Komitee, das Eltern aus Kilchberg gründeten, um sich für den Verbleib der tschetschenischen Familie und insbesondere der Kinder Anvar, Marha, Linda und Mansur einzusetzen.

«Furcht vor Regime»

In Russland lebe die Familie in ständiger Angst vor einem Zugriff durch die Behörden. Die Kinder fühlten sich fremd, könnten kein Russisch und litten an Heimweh. «Die Furcht vor dem Regime in Tschetschenien begleitet uns auf Schritt und Tritt», wird der Vater in der Mitteilung zitiert. «Wir möchten nicht, dass unsere Kinder in dieser Unsicherheit und Ungewissheit aufwachsen», sagte er weiter.

Das Gesuch sei für die Schweizer Rechtsprechung einzigartig, schreibt das Komitee. Es habe nichts mit dem Asylverfahren zu tun und falle in die Zuständigkeit der Zürcher Sicherheitsdirektion. Regierungsrat Mario Fehr (SP) habe nun allen nötigen Ermessensspielraum, «um den humanitär einzig richtigen Entscheid zu fällen und das Gesuch zu bewilligen», sagte Komitee-Mitglied Ronie Bürgin.

Durch alle Instanzen abgelehnt

Anfang Juni war die Familie «in gegenseitigem Einvernehmen» ausgeschafft worden, wie es damals in einer Mitteilung des Kantons hiess. Zuvor waren zwei Ausschaffungsversuche gescheitert. Das Asylgesuch der Familie war durch alle Instanzen abgelehnt worden. Die Sicherheitsdirektion stützte sich bei ihrem Entscheid auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wie sie Anfang Juni auf eine Anfrage im Kantonsrat antwortete. Dieses erachtete die Wegweisung als «zulässig, zumutbar – insbesondere auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls – und möglich».

Die Familie hatte vor fast fünf Jahren nach langer Flucht in der Schweiz mit der Begründung um Asyl gebeten, der Vater der Familie sei in Tschetschenien gefoltert worden und in seinem Heimatland latent gefährdet. Drei der Kinder gingen in Kilchberg in die Primar- oder Sekundarschule, das jüngste kam in der Schweiz zur Welt. Das Komitee bezeichnet die Familie als herzlich und hilfsbereit. Sie sei in der Gemeinde «bestens integriert» gewesen. (ij/sda)

Erstellt: 28.08.2016, 15:43 Uhr

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