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Austausch Bewohner und Politiker aus Stäfa besuchten die Partnergemeinden im Taminatal. Von Marcus May

Patriot Heinrich Nehracher kehrt heim

Kaum war die 100-köpfige Delegation aus Stäfa, angereist in zwei Autocars, in der Mehrzweckhalle zu Pfäfers oberhalb Bad Ragaz eingetroffen, standen schon der Fleischkäse und der garnierte Kartoffelsalat für die Besucher aus dem Unterland bereit. Und die liessen sich nicht zweimal bitten.

Vor drei Jahren waren es die Taminataler gewesen, die im Stäfner Rössli der Partnergemeinde vom Zürichsee ihr Tal, ihre Bräuche und Sitten sowie Spezialitäten und kulturelle Eigenheiten nähergebracht hatten. Am vergangenen Samstag nun fand der Gegenbesuch im Taminatal statt. Die Stäfner Gemeinderäte Karl Rahm, Fredi Rechsteiner und Beat Salvisberg, drei lokale Chöre - die Shanty Men, das Jodlerchörli und die Ueriker Plauschsänger -, die jugendlichen Radballerinnen der Kunstradfahrer Stäfa, die Laliburger Fastnachtszunft sowie die Musikanten der Hombifeger machten den Berglern ihre Aufwartung. Ein echter Kulturaustausch, wenn man so will. Zwischen einer Zürichseegemeinde wie Stäfa, die heute um ihre kulturelle Eigenständigkeit an der Goldküste ringt, und den früher eher rückständigen Berggemeinden im Taminatal, die heute um den Anschluss an die moderne, touristische Schweiz kämpfen.

Soli für eine Handvoll Pfäferser

Aber: Um Stimmung in eine Mehrzweckhalle zu bringen, braucht es einiges mehr als nur ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm. Das nüchtern-kalte Turnhallenlicht nämlich erwies sich während der Vorführungen als Stimmungstöter. Erst gegen Ende des Abends - der regionale Wein hatte wohl das Seine dazu beigetragen - wurde es gemütlicher: Sänger der Shanty Men und des Jodlerchörlis gaben Soloeinlagen, mitten in der Halle - unter ihresgleichen sowie einer Handvoll Einheimischer.

Eingeladen zum Fest hat die Stäfner Lokale Agenda 21 (LA21), die bereits vor 7 Jahren erste Kontakte ins Tal geknüpft hatte. Die Projektgruppe Taminatal der LA21 hat im Lauf der Zeit keinen Aufwand gescheut, um die Bande zwischen den Gemeinden noch enger zu knüpfen. Jacques Vontobel, Arabella Näf, Felix Valentin und Peter Meiner heissen die unermüdlichen Einheimischen vom See, die noch heute mit ihrem Engagement die Beziehungen zwischen den Gemeinden des Taminatals und Stäfa zu zementieren versuchen. Und das durchaus erfolgreich.

Wissen Sie eigentlich, wer Heinrich Nehracher war? Er war ein Stäfner Patriot, der 1794 den Samen des Wiederstands und des Aufruhrs gegen Zürich säte, von den «gnädigen Herren» schliesslich verhaftet wurde und seither nie wieder gesehen ward. Man munkelt, er sei an Schwindsucht gestorben. Der 76-jährige Ueriker Jacques Vontobel hauchte in seinem Theaterstück der Figur Nehracher neues Leben ein, um den Taminatalern die Geschichte Stäfas näherzubringen. Hans Reichling spielte den Nehracher mit starker Präsenz, seine Mutter Hanni Reichling eine Gärtnerin, Ruedi Honegger verkörperte - wie könnte es auch anders sein - einen Weinbauern. Und Berufsfischer Küde Weidmann bot das, was man von ihm kennt: Er spielte sich selbst, und das äusserst überzeugend.

Viel Neid und Missgunst

Gibt es Ähnlichkeiten in der Historie der Gemeinden? Eher nicht, sagt Felix Valentin von der LA21. Die Bergler aus dem St. Galler Oberland seien im Gegensatz zu den Zürichsee-Gemeinden immer eher obrigkeitsgläubig gewesen - auch heute noch. Zudem herrsche unter den 1700 Einwohnern der Taminatal-Gemeinden - Pfäfers, Valens/Vasön und Vättis - viel Missgunst und Neid. Eine Tatsache, die den Gutmenschen aus Stäfa bei deren Bemühungen schon oft im Weg gestanden sei. Möglicherweise auch eine Erklärung dafür, dass sich nur etwa 100 Taminataler zum gemeinsamen Fest in der Mehrzweckhalle eingefunden hatten. «Mir jedenfalls hat es gut gefallen, was die Stäfner uns hier gezeigt haben», sagt Hans Bislin aus Pfäfers. Er sei übrigens, wie viele andere Taminataler auch, sehr stolz auf die Mehrzweckhalle, in der morgen schon wieder Basketball gespielt werde. «Da hatte der Kanton noch Geld, heute bekämen wir von denen da oben nie einen solchen Bau hingestellt», ist Bislin überzeugt. Lieber eine Halle mit schlechtem Licht als gar keine Halle. Da hat Bislin natürlich recht. Die Stäfner verlassen den Car; Küde Weidmann erzählt Hans Reichling von riesigen Fischen; das Jodlerchörli singt. Fotos: Daniel Kellenberger

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