Ausverkauft und ausgepfiffen – was Köppel und Bannon erwartet

In der Halle 622 referiert heute Abend Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon vor über 1000 «Weltwoche»-Abonnenten.

Zwei die anecken: Roger Köppel interviewt Steve Bannon - im Auto. Video: Weltwoche/Tamedia

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Eine Vorschau auf heute Abend lieferte gestern Verleger Roger Köppel in seinem On-the-Road-Video «Weltwoche Daily». Auf einer ruckeligen Fahrt im Fonds einer Limousine über den Gotthard filmte sich Köppel mit Froschaugenobjektiv selber, während er Steve Bannon interviewte. Köppel begleitete Bannon auf der Fahrt von Lugano nach Zürich. Bannon hatte in Italien die Lega Nord in den Wahlen unterstützt. Auf die Frage: «Wie fühlt es sich als Mephistopheles, als Teufel?», war Bannons Antwort typisch amerikanisch: «I love it!» Und Köppel grinste über jede seiner Fragen.

Heute Dienstagabend will Bannon in der 1600 Personen fassenden Halle 622 hinter dem Bahnhof Oerlikon mit dem Publikum «Erfahrungen und Beobachtungen teilen», die er im Weissen Haus und draussen im Hinterland gesammelt hat, wie er selber ankündete. Er will über die populistische Revolte und ihre Auswirkungen für die Schweiz, Europa und Amerika sprechen. Bannon wurde kurz vor der Präsidentenwahl Trumps Wahlkampfleiter und anschliessend Chefstratege im Weissen Haus. Bis ihn Trump im letzten August schasste. Im Buch «Fire and Fury» bezeichnete Bannon Tochter Ivanka dann als «dumm wie ein Backstein».

Die Veranstaltung in Zürich war sehr schnell ausverkauft, Gäste werden vor allem «Weltwoche»-Abonnenten sein. Gemäss Köppel hat die politische Gesinnung der Besucher keine Rolle gespielt. «Im Gegenteil, uns ging es vor allem darum, dass sich möglichst viele Leute selber ein Bild machen können.»

«Ich hatte keine Chance, später an ein Ticket zu kommen», berichtet etwa Gewerkschaftsbundpräsident und AL-Kantonsrat Markus Bischoff. Er sei schlicht zu spät dran gewesen. Ihn hätte interessiert, live zu verfolgen, «wie Bannon seine Botschaften rüberbringt und ob er ein charismatischer Mensch ist oder nicht». Es sei das gute Recht von Bannon, in Zürich zu sprechen, «aber auch Demonstrationen sind erlaubt», so Bischoff.

Gegen «rassistische und sexistische Propaganda»

Die Stadtpolizei Zürich jedoch hat bis jetzt noch kein Gesuch zur Bewilligung einer Protestaktion erhalten, wie ein Sprecher sagt. Die Bewegung für Sozialismus hat für heute Abend zu einer Aktion gegen Bannon aufgerufen. Sowohl Bannon als auch Roger Köppel würden «rassistische und sexistische Propaganda verbreiten». Das Bündnis rechnet mit mindestens 200 Teilnehmern und will «ein solidarisches Zeichen gegen rechte Hetze setzen».

Die Stadtpolizei will heute Abend laufend Lagebeurteilungen vornehmen und «ein gutes Auge werfen» auf die Gegend um den Bahnhof Oerlikon und die Halle 622. Zur taktischen Planung und der Anzahl Einsatzkräfte gibt die Stapo wie üblich keine Auskunft. In der Halle 622 finden sonst Bankette und Konzerte statt. Zum Beispiel am Donnerstag das Musical Herr der Ringe, und am Sonntag tritt Franz Ferdinand auf.

Nicht mal Wasser ist erlaubt

Für die Sicherheit in der Halle sind die Veranstalter selber verantwortlich. Laut Vorankündigung in der «Weltwoche» sind die Sicherheitsvorkehrungen rigoros. Reingelassen wird nur, wer angemeldet ist und ID oder Reisepass vorweist. Der Eintrittspreis – 20 Franken für Abonnenten und 40 Franken für Nicht-Abonnenten – muss bar entrichtet werden. Flüssigkeiten sind ebenso verboten wie Rucksäcke, Laserpointer oder grössere Taschen. Wer nach 19.30 Uhr kommt, muss draussen bleiben. Nicht erlaubt sind auch Video-, Foto- und Tonaufnahmen.

Ein Ticket ergattert hat sich SVP-Nationalrat Claudio Zanetti. «Vom Vortrag erwarte ich zwar nicht allzu viel», sagt er, «gespannt bin ich aber, ob Bannon sich zum Handelskrieg äussert oder ob er das eine oder andere Müsterchen preisgibt, wie Trump tickt.» Roger Köppel selber ist stolz auf das «Gipfeltreffen» der freien Rede: «Heute kann sich jeder selber ein Bild machen über eine Person, die in den Medien extrem angefeindet wurde, aber historische Bedeutung hat, weil sie massgeblich mithalf, einen der unkonventionellsten Präsidenten ins Amt zu hebeln.»

Eine Gruppe von 300 Zürcher Expats, die sich für verschärfte Schusswaffengesetze einsetzt, nutzt die Gelegenheit von Bannons Auftritt, um Geld zu sammeln. Unter dem Namen Action Zurich möchten sie 8,952 US-Dollar an Spenden einnehmen. Der Betrag entspricht der Anzahl in diesem Jahr in den USA durch Waffengewalt entweder getöteten oder verletzten Personen.

Was am Dienstagabend geschieht: Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet von dem Vortrag und den Geschehnissen rund um den umstrittenen Auftritt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2018, 15:50 Uhr

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