Autos und Velos holpern noch Jahre durch Wollishofen

Obwohl die Stadt versprochen hat, die Strassen ums Seebecken bis 2020 zu sanieren, wird das am linken Ufer noch Jahre dauern. Und der Stadtrat verwirft eine grünliberale Idee.

Die Belagschäden am Mythenquai haben den Bussen auf der Strecke den Spitznamen «Schüttelbecher» eingebracht. Foto: Sabina Bobst

Die Belagschäden am Mythenquai haben den Bussen auf der Strecke den Spitznamen «Schüttelbecher» eingebracht. Foto: Sabina Bobst

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Die Busse mit den Nummern 161 und 165 rumpeln über das General-Guisan-Quai, das Mythenquai und die Seestrasse. Der Belag ist in einem derart schlechten Zustand, dass es für Fahrgäste schwierig ist, im Bus die Zeitung oder ein Buch zu lesen.

«Muss ich mit dem Auto etwas Wertvolles und Heikles transportieren, wähle ich einen anderen Weg», sagt auch der Wollishofer Quartiervereinspräsident Martin Bürki, der für die FDP im Gemeinderat politisiert. Wann die Stadt die stark benutzten Einfallstrassen sanieren will, weiss er nicht.

Die «Schüttelbecher», wie die Busse vom Bürkliplatz nach Kilchberg oder Rüschlikon auch schon genannt wurden, werden noch für ein paar Jahre unterwegs sein, wie aus einer Nachfrage beim Tiefbauamt von Stadtrat Richard Wolff (AL) hervorgeht. Zwar haben die Fachleute vor allem unter seiner Vorvorgängerin Ruth Genner (Grüne) sowie seinem Vorgänger Filippo Leutenegger (FDP) rasches Handeln versprochen. So sagte ein Projektleiter 2012, im Jahr 2020 würden alle Sanierungsprojekte rund um das Seebecken vollendet sein. Und zwei Jahre später hiess es von gleicher Seite, das Mythenquai würde ab Mitte 2015 und das General-Guisan-Quai ab Mitte 2016 saniert.

Gebaut wird ab Frühsommer 2021

Erstmals nun gibt das Tiefbauamt die neuen Terminpläne bekannt. Am weitesten fortgeschritten ist demnach das Bauprojekt am Mythenquai im Abschnitt von der Breitlingstrasse bis zur Alfred-Escher-Strasse, also von der Zurich-Versicherung bis zur Sukkulentensammlung. Der Baubeginn ist auf Frühsommer 2021 geplant. Beim Abschnitt von der Sukkulentensammlung bis zum Strandbad Wollishofen rechnet das Tiefbauamt mit einem Baubeginn frühestens Ende 2022. Erst 2023/24 folgen dann voraussichtlich drei Projekte: die Strecke vom Strandbad Wollishofen bis zur Stadtgrenze und das Projekt Mythenquai–Parkplatz Sukkulentensammlung sowie das General-Guisan-Quai.

Wechselspur auf der Bellerivestrasse: Der Stadtrat ist skeptisch

Die Idee ist verblüffend, doch auch mit einigen Problemen beladen: Für den motorisierten Verkehr sollen auf der ebenfalls stark sanierungsbedürftigen Bellerivestrasse künftig nur noch drei Spuren zur Verfügung stehen – morgens zwei stadteinwärts und eine stadtauswärts, abends dann genau umgekehrt. Damit soll Platz geschaffen werden für die Velowege. Doch was die Mehrheit des Gemeinderats in einer dringlichen Motion der beiden grünliberalen Parlamentarier Markus Merki und Matthias Wiesmann (nicht mehr im Rat) fordert, überzeugt den Stadtrat nicht. Im Gegenteil. Er hat sich bereits vor etwas mehr als zwei Jahren dagegen gewehrt, als das Parlament die Motion überwiesen hat. Und er ist, nachdem er das Anliegen geprüft hat, weiterhin mehr als skeptisch, wie er durchblicken lässt.

Die Variante mit dem dreispurigen Wechselbetrieb will er zwar nicht gleich ganz begraben; in seiner Weisung zur Motion schlägt er vor, diese im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens weiter zur Diskussion zu stellen. Insbesondere hat er beim dreispurigen Modell grosse Bedenken bei der Verkehrssicherheit. «Die Gestaltung der Knoten, der Fussgängerquerungen, der Velomassnahmen und der Linksabbiegespuren ist sehr anspruchsvoll.» Zudem müsste die Stadt für den dreijährigen Versuch, den die Motion verlangt, eine Ausnahmegenehmigung des Bundesamts für Strassen einholen.

Der Platzgewinn wäre laut Stadtrat gering, weil die einzelnen Fahrbahnen für den Wechselbetrieb breiter sein müssten als die heutigen, die sehr schmal sind. Damit müssten für die Velowege doch Platz von Trottoirs weggenommen sowie Bäume gefällt werden. Die Stadtregierung rechnet zudem mit Zusatzkosten von drei bis fünf Millionen Franken. Sowie mit einem Schilderwald, der das Stadtbild stören würde. (zet)

Hohe Bedeutung misst das Tiefbauamt den Velowegen zu. «Die Umsetzung des Masterplans Velo auf dieser Route hat sehr hohe Priorität.» Bis zum Knoten Seestrasse sei ein separater Zweirichtungsveloweg auf der Seeseite geplant. Das Amt kündigt auch Verbesserungen der Veloverbindungen und der Veloinfrastruktur an.

Die Verzögerungen erklärt das Tiefbauamt mit den verschiedenen Szenarien, die es aufgrund der Länge der Strasse und der unterschiedlichen Bedürfnisse intensiv prüfen musste. Der schwierige Baugrund aus Seekreide, die instabil sei, habe ebenfalls zu Verzug geführt. Sondierungen hätten gezeigt, dass an Orten, an denen Kanäle geplant seien, die Gefahr von Setzungen – also Absenkungen – gross sei. «Diese Abklärungen und die Suche nach adäquaten Bauverfahren haben die Projektierung zusätzlich verzögert.»

Sanierung zusammen mit Bellerivestrasse?

Das Tiefbauamt schliesst nicht aus, dass die Stadt die Strassen auf der linken Seeseite mit dem Mythenquai und die Bellerivestrasse auf der rechten Seeseite gleichzeitig sanieren lässt. «Die beiden Projekte sind bautechnisch unabhängig voneinander.» Die Umleitungen würden lokal angeordnet. Ob es verkehrstechnisch machbar sei, müsse allerdings die Dienstabteilung Verkehr des Sicherheitsdepartements entscheiden.

Auffallend ist eines: Fährt man mit dem Bus 165 über die Stadtgrenze hinaus weiter, spürt man sofort, dass die Strasse besser wird. Der Unterschied ist auch sichtbar: Eineinhalb Meter nach der Tafel, die die Gemeinde Kilchberg ankündigt, wechselt die Farbe des Strassenbelags. Auf der Stadtzürcher Seite ist er grau und übersät mit Stellen, wo Bauarbeiter den Belag aufgerissen und geflickt haben. Auf der Kilchberger Seite dagegen ist der Belag fast schwarz und glatt.

Erstellt: 23.01.2020, 14:11 Uhr

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