Zum Hauptinhalt springen

Azra Burzic (19) «Ich habe hier alles, was ich je wollte»

Azra Burzic (19) «Ich bin Bosnierin, geboren in Kroatien und aufgewachsen in der Schweiz. Im Buch «Das ist unser Land» vergleiche ich mein Leben mit dem von Jugendlichen in meinem Heimatdorf Hasici. Ihr Tag beginnt um 5 Uhr. Ein Bruder, ein Onkel oder der Vater nimmt sie im Auto mit Richtung Schule. Der Unterricht dauert bis 13.30 Uhr, es folgt ein langer Fussmarsch nach Hause. Jetzt geht der Stress erst los. Die Jugendlichen hacken Holz, misten den Stall aus, füttern Tiere, fahren die Milch zur Molkerei. Erst gegen 23 Uhr finden sie Zeit, die Hausaufgaben zu machen. Nach acht Jahren Schule machen viele eine einjährige Berufsausbildung. Das Geld, das sie als Lernende in einem Betrieb verdienen, geht an die Schule. Sie haben wenig Unterstützung, es gibt keine Beratungen. In Bosnien hat ein Jugendlicher in meinem Alter nicht wirklich eine Zukunft. Der Gedanke, ich wäre dort geblieben und würde ihr Leben leben, bleibt unvorstellbar. Hier habe ich alles, was ich je wollte, und ich habe viel erreicht. Ich habe die Verkaufslehre abgeschlossen, meine neue Stelle beim Spar in Wetzikon ist der Hammer! Das Team ist jung, die Arbeit vielseitig. Ich backe Brot auf, räume die Produkte ein, bin an der Kasse und berate Kunden. Mein nächstes Ziel ist die Lehrmeisterprüfung, ich will unbedingt andere Lehrlinge ausbilden. Gerade bin ich dabei, Auto fahren zu lernen. Ein Auto habe ich mir schon gekauft. Ich beginne die Arbeit um 6.30 Uhr, habe zwei Stunden Mittagspause und bin um 20.15 Uhr fertig. Sobald ich den Fahrausweis habe, kann ich in der Mittagspause nach Hause nach Rapperswil fahren. Ich hätte mir auch andere Berufe vorstellen können. Als Fachangestellte Betreuung habe ich in einem Altersheim geschnuppert, das gefiel mir ebenfalls gut. Kleider oder Schuhe zu verkaufen, war hingegen nicht mein Ding. Den ganzen Tag rumstehen, das halte ich nicht aus. Da shoppe ich lieber privat. Das Buch hat unsere Klasse zusammengeschweisst. Im 1. Lehrjahr gabs uns nur in Gruppen &endash die Albaner, die Muslime, die Schweizer und die Männer. Über unsere teils sehr persönlichen Texte haben wir uns selbst und einander besser kennen gelernt. Frau Gusdek, unsere Lehrerin, motivierte uns immer wieder. Ich bewundere sie für die Energie, die sie aufbrachte, um uns auszuhalten. Wir waren nicht immer einfach.» (mom)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch