Baden in der Zürcher Sihl-Brühe

Stadtbewohner entdecken die Sihl als Badefluss. Den Kopf unter Wasser halten sollten sie dort aber beim Schwimmen lieber nicht.

Den Schriftsteller Hugo Loetscher erinnerte das ans Amazonasgebiet: Hinter dem Hauptbahnhof trifft die braune Sihl auf die grüne Limmat.

Den Schriftsteller Hugo Loetscher erinnerte das ans Amazonasgebiet: Hinter dem Hauptbahnhof trifft die braune Sihl auf die grüne Limmat. Bild: Tom Kawara

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Zugegeben, wenn es in den Bergen gewittert hat, lädt die Sihl nicht zum Bade ein. Bräunlich, voller Äste und manchmal sogar Baumstämme kommt sie nach 68 Kilometern Reise durch Schwyz, Zug und das Sihltal in der Stadt an. Unterwegs versuchen Korrekturen ihres Flussbetts und ein Stausee, sie zu bremsen. Doch erst der Limmat gelingt es, die Sihl zu zähmen – indem sie sie hinter dem Hauptbahnhof verschluckt.

Doch die Sihl kann auch anders. Bei Badewetter, wenn sie blau und gemächlich durch die Stadt fliesst, bietet die Sihl das, was viele Zürcherinnen und Zürcher in den offiziellen See- und Flussbädern der Stadt vergeblich suchen: ein ruhiges Plätzchen am Wasser. (Wo badet es sich in Zürich am besten? Hier geht es zur Umfrage.) Auf der Allmend, aber auch mitten in der Stadt, unweit des Bahnhofs Selnau, waren dieses Jahr bereits vereinzelte Badende zu beobachten.

«Gefahrlos bädelen»

Die Sihl, der neue Zürcher Badefluss? Die Polizei jedenfalls hat nichts dagegen. Sie fischt in Zürich nur Schwimmer aus dem Wasser, die sich zwischen Quaibrücke und Oberem Letten in die Limmat wagen. Grund für das Schwimmverbot sind Strömungen und die Limmatschiffe, die auf diesem Abschnitt verkehren.

Auch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) warnt nicht vor dem Bad in der Sihl. Sie bildet Rettungsschwimmer aus und will mit Prävention Unfälle im Wasser verringern. Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation SLRG, sagt: «Bei schönem Wetter kann man gefahrlos seine Füsse in der Sihl bädelen.» Aufpassen müsse man dabei einzig vor dem Ausrutschen auf nassen Steinen.

Mehr Fäkalbakterien als anderswo

Eine Sihl-Badi wird es wohl trotzdem nie geben. Dass das Kantonale Labor Zürich die Badewasserqualität der Sihl gar nicht erst untersucht, hat einen guten Grund: Der Fluss gilt, wie die Glatt, nicht als Badegewässer. Das Abwasser, das in die Sihl geleitet wird, kann zu einem erhöhten Anteil an Fäkalbakterien führen. «Wir empfehlen das Baden in der Sihl daher nicht», sagt Hans Peter Füchslin, Bereichsleiter Wasser beim Kantonalen Labor.

Wer trotzdem in der Sihl schwimmt, sollte nicht tauchen und danach gründlich duschen. Als einziges Gewässer hatte die Sihl die Beurteilung «mässig» erhalten, als der Kanton Zug 2014 ihr Wasser bei Sihlbrugg untersucht hatte. Nach dem Baden in solchem Wasser ist laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) eine gesundheitliche Beeinträchtigung «nicht auszuschliessen». Auch in Zug gilt die Sihl nicht als öffentlicher Badefluss, ist bei der Bevölkerung aber beliebt.

Den Zürchern bietet die Sihl immer wieder ein spektakuläres Schauspiel. Nach Regenfällen trifft ihr trübes Wasser hinter dem Hauptbahnhof auf das klare der Limmat. Die beiden Flüsse vermischen sich nicht gleich.

Schriftsteller Hugo Loetscher erinnerte das an die Stelle im Amazonas in Brasilien, wo der Nebenfluss Rio Negro sich in den Hauptstrom ergiesst und sich die Wassermengen kilometerlang nicht vermischen, am Ende siegt der trübe Amazonas. «Seither ist die Sihl für mich ein kurzlebiger Amazonas», schrieb Loetscher 1981 in der NZZ, «und der Amazonas eine grosse, siegreiche Sihl.»

Erstellt: 28.07.2016, 12:50 Uhr

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